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Politik

Fake-News-Attacke gegen Bundeswehr

"Wir kennen die Muster und können schnell reagieren"

Wer steckt hinter der Fake-News-Attacke gegen die Bundeswehr in Litauen? Die Ermittlungen laufen, das Verteidigungsministerium nahm erstmals Stellung.

DPA

Bundeswehrsoldaten in Rukla, Litauen

Freitag, 17.02.2017   15:06 Uhr

Die Bundeswehr ermittelt gegen Unbekannte, die per E-Mail falsche Vergewaltigungsvorwürfe gegen deutsche Soldaten in Litauen in Umlauf gebracht haben. Zu dem oder den Absendern gibt es noch keine Spur. "Die E-Mail-Adresse ist nicht mehr existent", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin am Freitag.

Über Täter und Motiv könne er nichts sagen, auch nicht, ob es sich um eine Kampagne oder einen einzelnen Vorfall handele, so der Sprecher. "Fakt ist, das war eine bewusste Falschinformation." Der SPIEGEL hatte am Donnerstag zuerst über die Attacke berichtet.

Laut Verteidigungsministerium ging am 14. Februar eine Mail beim litauischen Parlamentspräsidenten ein, in der deutsche Soldaten beschuldigt werden, ein litauisches Mädchen vergewaltigt zu haben. Die litauischen Polizeibehörden hätten unverzüglich ermittelt und festgestellt, dass es weder das Opfer noch einen Täter gebe. Auch in der litauischen Presse sei durch offizielle Aussagen von Regierung und Behörden jeglicher Verdacht ausgeschlossen worden.

Von der Leyen: "Wir lernen, uns zu schützen"

Im Rahmen einer verstärkten Truppenpräsenz in Osteuropa beteiligt sich die Bundeswehr in Litauen mit rund 130 Soldaten an der sogenannten Enhanced Forward Presence. Die Nato reagiert damit auf die Annexion der Krim im Jahr 2014 und die Krise im Osten der Ukraine. Das russische Vorgehen hatte insbesondere in den drei baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen die Sorge ausgelöst, Russland könne dort Vergleichbares planen.

Laut Nato-Diplomaten soll Moskau gezielt versucht haben, den Einsatz der Nato zu kriminalisieren und die Unterstützung der Litauer für die Verlegung der Truppen zu untergraben. "Wir kommen nach Litauen für mehr Sicherheit, die Urheber dieser Fake News aber versuchen, ein Bild zu zeichnen, als ob ein Haufen Verbrecher in ihr Land einfällt", so ein Offizier.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte dem Sender N24 mit Verweis auf den Fall Lisa im Jahr 2016: "Was gut ist, dass wir jetzt die Muster kennen und schnell reagieren können."

Im vergangenen Jahr hatten russische Medien tagelang berichtet, Flüchtlinge hätten in Berlin eine junge Russin vergewaltigt, die deutschen Behörden würden aber nichts unternehmen. "Alles auch erstunken und erlogen", sagte von der Leyen.

Im aktuellen Fall der in Litauen verbreiteten Fake News hätten sich die Sicherheitsbehörden sofort kurzgeschlossen. "Dadurch lernen wir auch, uns zu schützen und widerstandsfähig zu werden", sagte von der Leyen.

cte/AFP

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