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Politik

CDU-Parteizentrale

Merkel holt neuen Wahlkampfstrategen

Angela Merkel scheint an ihrem Generalsekretär zu zweifeln. Für das Duell gegen SPD-Herausforderer Schulz holt die CDU-Chefin einen neuen Wahlkampfstrategen von Opel. Für die Partei ist er ein alter Bekannter.

imago/ Jens Jeske

Joachim Koschnicke (im Juli 2015)

Von
Montag, 20.03.2017   16:50 Uhr

Mit Joachim Koschnicke, seit 2013 Cheflobbyist bei Opel, holt Angela Merkel einen langjährigen Vertrauten als Krisenmanager in die Parteizentrale. Koschnicke leitete schon einmal von 2005 bis 2011 den wichtigen Bereich Strategische Planung und Strategische Kommunikation in der CDU-Parteizentrale, ehe er als Geschäftsführer zum Meinungsforschungsinstitut Forsa wechselte.

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CDU-Chefin Merkel hält große Stücke auf Koschnicke: 2010 schickte sie ihn als politischen Feuerwehrmann in die Zentrale der CDU Nordrhein-Westfalen, um dort in letzter Minute den Wahlkampf des damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zu retten.

Damals kam der Schritt zu spät, nun will Merkel offensichtlich rechtzeitig vor der Bundestagswahl im September handeln: Schon ab dem 1. April soll Koschnicke im Konrad-Adenauer-Haus anfangen, heißt es aus CDU-Kreisen. Für ihn werde eigens ein neuer Bereich geschaffen, der die Themen Strategische Entwicklung, Konkurrenzbeobachtung und Redenschreiben umfassen solle. Eine SPIEGEL-Anfrage zu seinem Wechsel ließ Koschnicke unbeantwortet.

Die Personalie zeigt, wie ernst Merkel den bevorstehenden Wahlkampf mit SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz nimmt. Der Sozialdemokrat hat seine Genossen mit der überraschenden Kandidatur wachgerüttelt und motiviert, in manchen Umfragen lag er sogar schon vor Merkel und die SPD erstmals seit langer Zeit wieder vor der Union. Am Sonntag war Schulz mit einem Ergebnis von 100 Prozent zum neuen SPD-Vorsitzenden gewählt und zugleich offiziell zum Kanzlerkandidaten ausgerufen worden.

Vor allem verdeutlicht Koschnickes Kommen aber, dass Merkel sich im Wahlkampf nicht auf ihren glücklosen Generalsekretär Peter Tauber verlassen will. Ihm werfen Parteifreunde schon länger vor, seine zentrale strategische Position nicht auszufüllen, und zu spät und zu ungeschickt auf die Konkurrenz erst durch die AfD und dann durch Martin Schulz reagiert zu haben.

Zuletzt verärgerte Tauber seine Parteifreunde mit seinem ungeschickten Umgang mit der Sexismusaffäre in der Berliner CDU um die Nachwuchspolitikerin Jenna Behrends und mit seinem plumpen Vergleich von FDP-Chef Christian Lindner mit dem AfD-Frontmann Alexander Gauland.

CDU-Chefin Merkel verliert öffentlich zwar nie ein kritisches Wort über Tauber, aber scheint es doch für nötig zu halten, ihm mit Koschnicke einen erfahrenen Strategen an die Seite zu stellen. Der Rheinländer, Jahrgang 1972, ist aus seinen mehr als zehn Jahren im Adenauer-Haus nicht nur in der Partei gut vernetzt, sondern verfügt aus seiner Zeit an der Spitze von Forsa über exzellente Kenntnisse zum Thema Meinungsumfragen und Wahlprognosen.

Für Generalsekretär Tauber ist der Rückkehrer auch deshalb eine Gefahr, weil Koschnicke noch aus seiner ersten Phase im Adenauer-Haus einen sehr guten Draht zu Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler haben dürfte. Schüler gilt als interner Widersacher von Tauber. Die CDU-Männer ertragen sich offenbar eher, als dass sie sich ergänzen.



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insgesamt 24 Beiträge
viwaldi 20.03.2017
1. Merkel muss Attacke gehen
Richtige Entscheidung, man muss bei Schulz die ganzen Schwachstellen aufzeigen. Er ist ein schlimmer Euro-Bürokrat, der ohne Ideen (bislang) einen Hype ausgelöst hat. Nur, was hat Deutschland davon, wenn ein Türkei-Freund und [...]
Richtige Entscheidung, man muss bei Schulz die ganzen Schwachstellen aufzeigen. Er ist ein schlimmer Euro-Bürokrat, der ohne Ideen (bislang) einen Hype ausgelöst hat. Nur, was hat Deutschland davon, wenn ein Türkei-Freund und Beitrittsbefürworter ins Kanzleramt einzieht? Und wo ist die SPD Mannschaft? Da wird einem ganz schwindelig. Es wird jemand gebraucht, der den Schulz Punkt für Punkt stellt und seine leeren Phrasen entzaubert. Bisher ist es doch so: hast du eine Schulz -Rede gehört, hast du alle gehört. Eine Rolle rückwärts mit der SPD hat dieses Land nicht verdient, weder bei Harz4 noch beim Türkeibeitritt.
kalim.karemi 20.03.2017
2. @1
Sie haben damit, dass der Wähler das Merkelsche Gesicht nicht mehr erträgt, sicher nicht unrecht. Allerdings löst der Anblick und die Stimme von Schulz bei mir einen erheblichen würgereiz aus und was noch schlimmer ist, er [...]
Sie haben damit, dass der Wähler das Merkelsche Gesicht nicht mehr erträgt, sicher nicht unrecht. Allerdings löst der Anblick und die Stimme von Schulz bei mir einen erheblichen würgereiz aus und was noch schlimmer ist, er lügt, dass es keinen genderpaygap gibt, ist inzwischen bewiesen. Wie die Presse schreibt, er kann auch über das Wetter reden und die jünger kippen um, wie im Leben des brian.
biobayer 20.03.2017
3. Let's see in September
Dafür müssten die Bürger dann aber auch die SPD als Partei wählen.... Bis dato ist die SPD in Bayern eine 17-Prozent-Partei. In anderen Bundesländern sieht es noch schlechter aus für die SPD. Und wenn es hie und da mal [...]
Dafür müssten die Bürger dann aber auch die SPD als Partei wählen.... Bis dato ist die SPD in Bayern eine 17-Prozent-Partei. In anderen Bundesländern sieht es noch schlechter aus für die SPD. Und wenn es hie und da mal Zugewinne für die Genossen gibt, geht dies auf Kosten der Grünen und Linken - also ein Nullsummenspiel.
spontanistin 20.03.2017
4. Wahl-Kampf?
Geht es gerade in heutigen Zeiten nicht endlich auch mal weniger martialisch? Wieso nicht: Wahl-Kampagne? Die wollen doch eh alle nur spielen - mit unseren Steuergeldern. Außerdem heißt es ja auch sogar Fußball-Spiel, [...]
Geht es gerade in heutigen Zeiten nicht endlich auch mal weniger martialisch? Wieso nicht: Wahl-Kampagne? Die wollen doch eh alle nur spielen - mit unseren Steuergeldern. Außerdem heißt es ja auch sogar Fußball-Spiel, Schach-Spiel, Länder-Spiel. Nur beim Boxen und Ringen redet man noch von Kampf. Kampfsportarten halt, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau - und keine Team-Sportarten. Also, rüstet mal verbal ab!
n.wemhoener 20.03.2017
5.
Man fragt sich, was ein Wahlkampfstratege schon ab Anfang April bewirken soll, wenn es noch gar keinen Zukunfts- Plan, sprich Wahlprogramm, der Union gibt. Dieses Programm soll erst im Juli vorgestellt werden, damit es lt. [...]
Man fragt sich, was ein Wahlkampfstratege schon ab Anfang April bewirken soll, wenn es noch gar keinen Zukunfts- Plan, sprich Wahlprogramm, der Union gibt. Dieses Programm soll erst im Juli vorgestellt werden, damit es lt. Seehofer "nahe der Realität ist".

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