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Politik

SPON-Wahltrend NRW

SPD deutlich vor CDU - FDP drittstärkste Kraft

Knapp drei Wochen vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen kann die SPD ihren Vorsprung im SPON-Wahltrend auf die Union auf zehn Prozentpunkte vergrößern. Die Ergebnisse im Überblick. Stimmen Sie selbst ab!

DPA

Hannelore Kraft

Von und (Grafik)
Freitag, 21.04.2017   07:15 Uhr

Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gilt als wichtigster Stimmungstest vor der Wahl im Bund. Schließlich gibt es in NRW so viele Wahlberechtigte wie in keinem anderen Bundesland: 13 Millionen Bürger können am 14. Mai ihre Stimme abgeben.

Die SPD legt dort laut dem SPON-Wahltrend deutlich zu: Die Sozialdemokraten verbessern sich im Vergleich zu Anfang März um fast vier Prozentpunkte. Die Union dagegen verliert, rutscht unter 30 Prozent und liegt nun zehn Prozentpunkte hinter der Regierungspartei mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Für eine Fortsetzung der rot-grünen Regierung würde es aufgrund der Schwäche der Ökopartei aber nicht reichen. Neben einer großen Koalition käme ein Bündnis von SPD und FDP rechnerisch in Frage, auch eine Ampelkoalition von SPD, FDP und Grünen würde folglich über eine Mehrheit im Düsseldorfer Landtag verfügen. Die Liberalen hatten das aber bereits ausgeschlossen.

Überraschender Trend: Die FDP entwickelt sich zum heimlichen Gewinner: Die Liberalen liegen in der Wählergunst inzwischen an dritter Stelle.

Diese und andere Ergebnisse zeigt die wöchentliche repräsentative Umfrage von SPIEGEL ONLINE und dem Meinungsforschungsinstitut Civey. Im Superwahljahr 2017 befragen wir Sie regelmäßig zu Ihrer Parteipräferenz: in Echtzeit und für jeden Nutzer zugänglich.

Mehr zur Methodik und wie aus den Rohdaten repräsentative Ergebnisse gewonnen werden, erfahren Sie am Ende dieses Artikels. Auch die Sonntagsfrage für den Bund können Sie weiter unten beantworten.

Wir wollten wissen: Welche Partei würden Sie in NRW wählen?

1. So haben Sie abgestimmt

Die SPD erreicht 39 Prozent, kann im Vergleich zur Umfrage Anfang März fast vier Prozentpunkte zulegen. Mit diesem Ergebnis kämen die Sozialdemokraten genau auf das Ergebnis, das sie bei der vergangenen Landtagswahl vor fünf Jahren erzielten.

Die CDU dagegen verliert im Vergleich zur Umfrage von Anfang März mehr als zwei Prozentpunkte, liegt nur noch bei 29,7 Prozent.

Bei den kleineren Parteien entwickeln sich - wie im Bund auch - die Grünen immer mehr zum Verlierer der vergangenen Wochen und Monate. Die Ökopartei verliert 1,9 Prozentpunkte und landet nur noch bei 6 Prozent - ein neuer Tiefstand, nachdem sie bei der Wahl 2012 noch 11,3 Prozent der Stimmen erhielt.

Die Linke rutscht erstmals unter die Fünfprozenthürde, die AfD verliert ebenfalls leicht.

Die FDP erlebt dagegen einen kleinen Aufschwung, wäre laut der Auswertung nun mit Parteichef Christian Lindner drittstärkste Kraft im Landtag.

2. Grüne punkten bei den jungen Wählern

Beim Blick auf die Beliebtheit der Parteien in den verschiedenen Altersklassen fällt auf, dass die Grünen besonders in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen punkten können. Mit zunehmendem Alter verliert die Partei aber offenbar an Beliebtheit bei den Wählern in NRW.

Die AfD hingegen ist besonders bei den 40- bis 49-Jährigen attraktiv. Das ist auch die Wählergruppe, in der die CDU einigermaßen mit der SPD in Sachen Beliebtheit mithalten kann. Allerdings liegt bei dieser Auswertung der statistische Fehler relativ hoch, sodass Aussagen mit Vorsicht zu behandeln sind.

3. Männer bevorzugen FDP

Ein Blick auf die weiblichen und männlichen Wähler in NRW zeigt, dass sich die Präferenzen gleichmäßig auf die beiden Volksparteien verteilen - ähnlich wie bei der Umfrage Anfang März.

Auch bei den kleinen Parteien gibt es, abgesehen von der eher von Männern bevorzugten FDP, keine größeren Differenzen zwischen den Geschlechtern.

Die SPD (Hannelore Kraft) und die Grünen (Sylvia Löhrmann) treten im Wahlkampf mit Spitzenkandidatinnen an, die CDU (Armin Laschet), die FDP (Christian Lindner) und die AfD (Marcus Pretzell) mit Spitzenkandidaten. Die Linke (Christian Leye und Özlem Demirel) versucht es mit einer gemischten Doppelspitze.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend für Nordrhein-Westfalen wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 4.4. bis 20.4.2017 online erhoben. An der NRW-Umfrage konnten alle User teilnehmen. Für das repräsentative Ergebnis wurden aber ausschließlich Teilnehmer berücksichtigt, die mit einer Postleitzahl in NRW registriert sind.

Die Stichprobe umfasste 5015 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. Bei der Befragung nach Altersgruppen und Geschlechtern liegt die statistische Fehlertoleranz etwas höher. Sehr feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also nicht aussagekräftig.

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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 5000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 5000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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