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Politik

Machtkampf in der AfD

Petry soll auf Fraktionsvorsitz verzichten

Frauke Petry hat auf eine AfD-Spitzenkandidatur verzichtet. Ihre Gegner denken schon einen Schritt weiter: Im SPIEGEL fordern sie, dass die Parteichefin auch in einer möglichen Bundestagsfraktion keine führende Rolle spielt.

DPA

Frauke Petry

Von , und
Freitag, 21.04.2017   16:52 Uhr

Mit ihrer Ankündigung, nicht für ein Spitzenteam zur Bundestagswahl zur Verfügung zu stehen, hat AfD-Chefin Frauke Petry, ihre parteiinternen Gegner unter Zugzwang gesetzt. Nun gehen mehrere AfD-Bundesvorstände ihrerseits in die Offensive - und stellen Petrys Führungsposition grundsätzlich infrage.

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"Eine Parteivorsitzende, die sich weigert, im Spitzenteam bei so einer wichtigen Wahl mitzuarbeiten, gibt ihren Führungsanspruch in der Partei auf", sagte Bundesvorstand Armin Paul Hampel dem SPIEGEL. Der AfD-Politiker aus Niedersachsen kritisierte, dass Petry sich komplett aus dem Spitzenteam zurückziehen will. "Die Basis und die Gremien der AfD haben einmütig ein Team von Spitzenkandidaten für den Wahlkampf gefordert. Diesen Ruf kann eine Parteichefin nicht ignorieren." (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Petrys interne Gegner denken auch schon über die Bundestagswahl hinaus: Viel wichtiger als das Spitzenteam im Wahlkampf ist die Frage, wer an der Spitze der künftigen AfD-Fraktion stehen wird. Petrys Co-Vorsitzender, Jörg Meuthen, stellte klar, dass die Bundeschefin mit ihrem Rückzug auch den Anspruch auf den künftigen Fraktionsvorsitz verloren hat: "Es ist selbstverständlich, dass sich die Fraktionsspitze einer Partei aus dem Spitzenteam im Wahlkampf zusammensetzt", sagte Meuthen dem SPIEGEL.

So sieht es auch Bundesvorstand André Poggenburg: "Frauke Petry kann selbstverständlich für den Fraktionsvorsitz kandidieren", sagte der AfD-Landeschef aus Sachsen-Anhalt. "Da sie nun aber nicht als Spitzenkandidatin antritt, wäre es für sie kein Gesichtsverlust mehr, wenn sie den Fraktionsvorsitz nicht erhielte oder ihn nicht annähme."

Auf dem AfD-Parteitag an diesem Wochenende in Köln will Petry die Partei überzeugen, ihrem "Zukunftsantrag" zuzustimmen und einen "realpolitischen Weg" einzuschlagen. Die AfD müsse auf Dauer koalitionsfähig sein, der "fundamentaloppositionelle Weg", wie ihn Alexander Gauland oder Björn Höcke verkörpern, führe ins Abseits.

Studie nennt Petry-Strategie "unrealistisch"

Doch eine noch nicht veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung lässt an den Erfolgsaussichten einer solchen Neuausrichtung zweifeln: "Das Profil der AfD-Wähler ist klar rechtspopulistisch", sagt Robert Vehrkamp, der Leiter der Studie. Neun von zehn AfD-Wählern seien populistisch eingestellt, mehr als zwei Drittel verorteten sich rechts von der Mitte.

"Der Markenkern der AfD ist ihr Rechtspopulismus", so Vehrkamp. "Mit Blick auf die Wähler ist Petrys Versuch, aus der AfD eine bürgerliche Volkspartei zu machen, eine sehr unrealistische Strategie."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Donnerstagmorgen erhältlich.

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