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Politik

Schulz und Merkel im TV-Duell

Legen wir uns wieder hin

Die Bundestagswahl wird dieses TV-Duell nicht entscheiden: Angela Merkel und Martin Schulz zeigten in ihrem einzigen direkten Aufeinandertreffen kaum Differenzen. Warum nicht gleich wieder Große Koalition?

Getty Images

Beobachter beim TV-Duell

Ein Kommentar von
Montag, 04.09.2017   06:46 Uhr

Nein, man kann nicht sagen, dieses TV-Duell zwischen der Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) habe keine Erkenntnisse gebracht. Gut, niemand, der bisher Merkel zuneigte, wird sich danach anders entscheiden. Und niemand, der Martin Schulz als Kanzler favorisiert, wird das nun anders sehen. Die Millionen politikinteressierter Zuschauerinnen und Zuschauer haben auf vier Kanälen allesamt dasselbe gesehen: Eine sehr zivile, sachorientierte, man könnte auch sagen: stinklangweilige Debatte.

Bildungspolitik? Digitalisierung? Keine Fragen dazu

Aber immerhin: Keiner kann nach diesem TV-Duell noch behaupten, in Deutschland werde zu wenig über die Flüchtlingspolitik und Fragen der Integration von Muslimen geredet. Fast die gesamte erste Stunde dieser gut anderthalbstündigen Sendung ging es um kaum etwas anderes als diese Themen. Insbesondere getrieben von dem Sat.1-Moderator Claus Strunz ("Wann sind diese Leute endlich weg?") geriet dieses sogenannte Duell über weite Strecken zu einer Erklärungs- und Rechtfertigungspressekonferenz der Großen Koalition. Alles andere wirkte dann nur noch wie nachgeschoben - wir haben ja leider keine Zeit mehr. Die Stichworte "soziale Gerechtigkeit" fielen erstmals um 21.13 Uhr und waren schnell abgehandelt.

Welche Vorstellungen haben Merkel und Schulz von einer künftigen Bildungspolitik? Wie wollen sie die digitale Arbeitswelt gestalten? Wie sollen die steigenden Mieten in den Großstädten bezahlt, wie der Altersarmut vorgebeugt werden? Und hat Deutschland eigentlich ein Problem mit Rechtsradikalismus? Oder die Welt mit dem Klimawandel? An diesem Sonntag konnte man darüber von diesen Kandidaten nichts erfahren. Sie wurden schlicht nicht danach gefragt.

Stattdessen demonstrierten sie so viel Einigkeit, dass es offensichtlich kein Problem wäre, nahtlos in die nächste Große Koalition zu wechseln: Für eine härtere Gangart gegenüber der Türkei sind sie beide, die SPD (oder jedenfalls ihr Vorsitzender) ist jetzt auch dagegen, dass das Land in die EU aufgenommen wird. Im Gegenzug ist jetzt auch die CDU (oder jedenfalls ihre Vorsitzende) gegen die Rente mit 70.

Bei keinem Thema in die Enge getrieben

Anfangs profitiert die Kanzlerin von ihrem Amtsbonus, zückt mehrmals rhetorisch ihr mit allen wichtigen Nummern der Welt gefülltes Telefonbuch. Im Laufe des Abends schleift sich dieser Effekt ab: Martin Schulz kann als Mann ohne Staatsamt viel schärfer reden als Merkel, die ja ohnehin nicht für allzu kontroverse Thesen bekannt ist.

In die Enge treiben kann der Herausforderer die Kanzlerin trotzdem bei keinem Thema. Schulz hat sich zwar offenbar gut vorbereitet, er hat eine ordentliche Leistung abgeliefert, und wohl kaum jemand würde es für eine Katastrophe halten, wenn bald er anstelle Merkels dieses Land regieren würde. Das ist beruhigend angesichts der furchtbar verzwickten Weltlage, es ist eigentlich ein schöner Beleg der Stabilität dieses insgesamt ja doch noch recht gut funktionierenden Landes. Wenn es nur nicht so einschläfernd wäre.

insgesamt 144 Beiträge
deb2011 04.09.2017
1. Wenn beide gegen die Rente mit 70 sind ...
... dann wird nach der Wahl wahrscheinlich die Rente mit 75 beschlossen. So eine ähnliche Konstellation soll es ja schon Mal gegeben haben ...
... dann wird nach der Wahl wahrscheinlich die Rente mit 75 beschlossen. So eine ähnliche Konstellation soll es ja schon Mal gegeben haben ...
herbert 04.09.2017
2. Das Ergebnis war doch klar
Die Merkel hat seinerzeit den SPD Steinbrück abgeschossen. Dann den SPD Steinmeier. Jetzt war der SPD Schulz dran. Merkel hat die Erfahrung und Schulz wirkt wie ein EU Bürokrat. So einfach kann Politik sein !
Die Merkel hat seinerzeit den SPD Steinbrück abgeschossen. Dann den SPD Steinmeier. Jetzt war der SPD Schulz dran. Merkel hat die Erfahrung und Schulz wirkt wie ein EU Bürokrat. So einfach kann Politik sein !
Spiegelleserin57 04.09.2017
3. Der Artikel bringt es auf den Punkt!
Immer wieder interessant ist auch dass die Flüchtlingspolitik den Bürgern wichtiger ist als ihr eigenes Schicksal. Entscheidend ist doch eher wohl die eigene Existenz ( Minijob, Renten, Sozialpolitik) für das Überleben und [...]
Immer wieder interessant ist auch dass die Flüchtlingspolitik den Bürgern wichtiger ist als ihr eigenes Schicksal. Entscheidend ist doch eher wohl die eigene Existenz ( Minijob, Renten, Sozialpolitik) für das Überleben und nicht nur wer zuwandert. Geht es den Bürgern so gut dass diese Themen nicht wichtig sind? Kaum glaubhaft sonst wären so viele nicht so unzufrieden. Daher fehlte der Sendung sehr viel. Die Zeit war auch zu kurz und ein zweites Duell wurde seitens Frau Merkel abgelehnt. Soll der Bürger mit so wenig Infos entscheiden? War zu wenig differenziert und zu knapp Frau Merkel! Wir wollen es genau wissen. Ein Lächeln ist zu wenig!
observerlbg 04.09.2017
4. Sach ich doch!
Legen wir uns wieder hin. Hier ist nix passiert, hier gibts nix zu sehen, bitte weiter gehen. Seht nach UK, seht in die USA, seht in die Türkei, seht in den nahen Osten, seht nach Korea, seht auf die Philippinen, seht nach [...]
Legen wir uns wieder hin. Hier ist nix passiert, hier gibts nix zu sehen, bitte weiter gehen. Seht nach UK, seht in die USA, seht in die Türkei, seht in den nahen Osten, seht nach Korea, seht auf die Philippinen, seht nach Venezuela... Wozu sich in seiner unmittelbaren Umgebung umsehen. Ist doch langweilig. Irgendwann werden wir dann von Schimmel, Pilzen und Kleinstgetier unterm Sofa überrascht. Dann wird es spannend.
awoth 04.09.2017
5. Gähn!
Ich habe mal für ca 10 min reingeklickt und fühlte mich wie auf einer Jugendfreizeit.... Mich wundert nichts mehr. Weiter so, Deutschland!
Ich habe mal für ca 10 min reingeklickt und fühlte mich wie auf einer Jugendfreizeit.... Mich wundert nichts mehr. Weiter so, Deutschland!

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