Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Christian Lindner im Jahr 1997

"Probleme sind nur dornige Chancen"

Ein TV-Sender hat ein altes Video mit Christian Lindner rausgekramt: Der 18-jährige Schüler spricht darin unter anderem über die Maxime seiner PR-Firma - stilecht mit Krawatte und Aktenkoffer.

DPA

Christian Lindner (Archivbild 2000)

Donnerstag, 14.09.2017   11:26 Uhr

Christian Lindner ist 38 Jahre alt, verheiratet, seit Ende 2013 Chef der FDP. Er war Mitglied des Bundestags, seit Monaten kämpft er als Spitzenkandidat darum, seine Partei dorthin zurückzubringen. Das ist der Christian Lindner, den man kennt.

Die Sendung "Stern TV" hat nun ein Video aus den Archiven geholt, das Lindner als Schüler der 13. Klasse zeigt. "Unser Fundstück der Woche", heißt es dazu auf dem Facebook-Account. Ursprünglich war der Beitrag 1997 im Jugendmagazin "100 Grad" bei Deutsche Welle TV zu sehen. Der Moderator der Sendung kündigte den Clip mit den Worten an, dass nun zwei Jungs zu sehen sein werden, die zwar noch zur Schule gehen, aber schon so aussehen würden wie die "Titelblattmodels" vom manager magazin - "und ich glaube, sie finden das auch richtig und gut so".

In den folgenden drei Minuten reden Lindner und sein ebenfalls junger Geschäftspartner Christopher über ihr Unternehmen, sie verkauften dem Beitrag zufolge PR-Konzepte "an Kunden, die ihre Väter sein könnten". Dazu sagt der 18 Jahre alte Lindner: "Wenn man im Gespräch überzeugt durch Leistung, gerade auch durch Kompetenz, die nicht akademisch domestiziert ist, dann sagt der Kunde: Wir haben den richtigen Fang gemacht."

Lindner hat sein Abitur 1998 am Städtischen Gymnasium in Wermelskirchen gemacht. In dem Videoclip sagt er, dass er dort aber eigentlich nur Zeit abgesessen habe. "Wenn man in der Schule sitzt, und man sitzt seine Zeit ab, weiß, dass man telefonieren, den Kunden besuchen oder Arbeit erledigen müsste, dann kommt man sich so vor, als sei die Zeit durch den Schredder gelaufen."

Seit er 14 Jahre alt sei, sei die FDP seine politische Heimat, sagt Lindner in dem Beitrag, dabei trägt er Krawatte und Aktenkoffer. Über seine Firma sagt er: "Unsere Maxime: Ran an die Arbeit, Arbeit bewältigen, Probleme sind nur dornige Chancen."

"Danke, Stern TV"

Das Video wird derzeit in sozialen Medien viel geteilt - und kommentiert. Lindner habe sich "1997 während der Gründerkultur 1.0 als Unternehmer schon für vieles eingesetzt, wofür Start-ups noch heute stehen", twitterte beispielsweise Alexander Hahn, Beisitzer im FDP-Bundesvorstand. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner kommentierte den Clip mit den Worten: "Ein Handelsvertreter... Christian Lindner 1997". Moderator Jan Böhmermann fragte: "Hat jemand eine dornige Chance mit diesem Video?"

Und Lindner selbst? "Danke, Stern TV", schrieb er bei Twitter. "Das war 1997 Gründerkultur 1.0." Dazu postete er noch ein lachendes Smiley.

Linder war 21 Jahre alt, als er für die FDP in den Landtag von Nordrhein-Westfalen zog, mit 34 wurde er FDP-Chef. Heute kämpft er darum, mit seiner Partei bei der Bundestagswahl in knapp zwei Wochen auf Platz drei zu kommen. Hier lesen Sie mehr darüber, warum der Kampf um Platz drei so aufgeladen ist. Und mehr Hintergründe zur jüngsten Kritik an Lindners Konzept zur Asyl- und Einwanderungspolitik finden Sie hier.

aar

insgesamt 69 Beiträge
jan.22301 14.09.2017
1. Relevant? Kein Stück.
Ließt man diese Zeilen über ein zwanzig Jahre altes Video von/über Lindner, der damals eben noch keine zwanzig war und sich als Jungunternehmer ausprobierte, dann fragt man sich: Welche Bedeutung hat dieses Video, das ganze [...]
Ließt man diese Zeilen über ein zwanzig Jahre altes Video von/über Lindner, der damals eben noch keine zwanzig war und sich als Jungunternehmer ausprobierte, dann fragt man sich: Welche Bedeutung hat dieses Video, das ganze Geschreibe bei Stern und SPON und sonstwo für die FDP? Für den Bundestagswahlkampf? Für irgendwas oder irgendwen? Das der Lidner mal jung war dürfte für keinen denkenden Menschen eine Überraschung sein. Also welche Relevanz hat das ganze Getue? Nullkommagarkeine! SPON sollte sich fernhalten vom Verbreiten von irrelevantem Zeug. Könnte helfen, sich den Respekt der Leser zumindest ein stückweit zu erhalten.
egooist 14.09.2017
2. Selbstbewusstsein? + Erklärungsbedarf!
"Wenn man im Gespräch überzeugt durch Leistung, gerade auch durch Kompetenz, die nicht akademisch domestiziert ist, dann sagt der Kunde: Wir haben den richtigen Fang gemacht." (Christian Lindner, 1997) Der Grat [...]
"Wenn man im Gespräch überzeugt durch Leistung, gerade auch durch Kompetenz, die nicht akademisch domestiziert ist, dann sagt der Kunde: Wir haben den richtigen Fang gemacht." (Christian Lindner, 1997) Der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Überheblichkeit ist oft äußerst schmal. Kann mir bitte jemand erklären, was "Kompetenz, die nicht akademisch domestiziert ist" bedeutet? Ist dies einfach nur inhaltsloser PR-Sprech (a.k.a. "deepity"), ein Versprecher (domestiziert -> fundiert) oder sollte darin tatsächlich Substanz verborgen sein? MfG
hevopi 14.09.2017
3. Ich bewundere diese Persönlichkeit,
nicht nur wegen seiner interlektuellen Begabung, sondern glaube auch, dass er von vielen vertretenen Meinungen wirklich überzeugt ist. Hoffentlich gerät er nicht unter die Räder der verlogenen Politik, die ja normalerweise [...]
nicht nur wegen seiner interlektuellen Begabung, sondern glaube auch, dass er von vielen vertretenen Meinungen wirklich überzeugt ist. Hoffentlich gerät er nicht unter die Räder der verlogenen Politik, die ja normalerweise folgendes Denkmuster vertritt: Erst ich, dann ich, dann gibt es noch sowas, wie dumme Bürger, da braucht man halt die Stimmen.
eunegin 14.09.2017
4. Welch Show. Unterhaltsam und peinlich. Aber besser fernhalten.
An ähnliche geld- und statusorientierte Showtypen, die gern auf andere herabblicken, kann ich mich aus dem Studium erinnern. Wenn man dann nur oft genug nachbohrte, waren die Standardfloskeln aber auch schnell verbraucht und der [...]
An ähnliche geld- und statusorientierte Showtypen, die gern auf andere herabblicken, kann ich mich aus dem Studium erinnern. Wenn man dann nur oft genug nachbohrte, waren die Standardfloskeln aber auch schnell verbraucht und der Lack ab. Ein Grund mehr, sich von der FDP fernzuhalten, die sich jetzt wählbarer gibt, bei der aber genau dieses Charaktere eine Heimat finden. Ich möchte mich nicht von Schaumschlägern, komplexbehafteten Wichtigtuern und Showtypen regieren lassen. Ich wäre persönlich auch froh, wenn Lindner sich bei seinen so wichtigen Auftritten den Mercedes weiter von privatem Geld leihen muss wie im Video und nicht auf meine Kosten chauffiert wird.
hape2412 14.09.2017
5. Heißt Gründerkultur 1.0 eigentlich,
dass man 1,4 MillionenFördergelder einfach so in den Sand setzen darf? Das Projekt, das Christian Lindner in den Sand gesetzt hat (mit anderen zusammen), ist damals ganz einfach technisch noch nicht möglich gewesen. Wenn [...]
dass man 1,4 MillionenFördergelder einfach so in den Sand setzen darf? Das Projekt, das Christian Lindner in den Sand gesetzt hat (mit anderen zusammen), ist damals ganz einfach technisch noch nicht möglich gewesen. Wenn Lindner diese damalige "Gründerkultur" erwähnt, sollte er auch offensiv mit dem Scheitern der Momax GmbH umgehen. Das würde ehrlicher sein und nicht zuletzt auch wirken.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP