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Politik

SPON-Wahltrend

SPD liegt in Niedersachsen knapp vor CDU

Die SPD setzt ihren Aufwärtstrend vor der Wahl in Niedersachsen fort: Der SPON-Wahltrend sieht die Partei von Ministerpräsident Weil knapp vor der CDU. In der Koalitionsfrage liegt aber der Herausforderer vorne.

REUTERS

Wahlplakate in Hannover

Freitag, 13.10.2017   12:03 Uhr

Vier Wahlen hat die SPD in diesem Jahr bereits verloren - neben der Bundestagswahl auch die Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen hoffen die Sozialdemokraten nun auf den ersten Sieg.

Im repräsentativen SPON-Wahltrend liegt die SPD zwei Tage vor der Landtagswahl bei 34,6 Prozent. Die CDU kommt demnach auf 31,8 Prozent. Die Differenz zwischen den beiden Parteien ist aber innerhalb des Stichprobenfehlers von 2,5 Prozent. Es ist daher offen, wer am Sonntag stärkste Kraft in Niedersachsen wird.

Grüne und FDP liegen nahezu gleichauf, auch die AfD hat Chancen, drittstärkste Kraft zu werden. Die Linkspartei muss um den Einzug ins Parlament zittern.

Die Umfrage wurde gemeinsam von SPIEGEL ONLINE und der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben. Vom 25. September bis 13. Oktober wurden 5073 Wahlberechtigte in Niedersachsen befragt.

Der Zeitverlauf zeigt die Aufholjagd der SPD. Mitte September lag die CDU von Herausforderer Bernd Althusmann noch deutlich in Führung. Seitdem hat die Partei von Ministerpräsident Stephan Weil zugelegt, auch die FDP steigerte sich deutlich.

Die meisten Befragten in Niedersachsen wünschen sich ein Zweierbündnis, rechnerisch möglich sind der Umfrage zufolge aber nur eine Große Koalition oder ein Dreierbündnis (Jamaika, Ampel oder Rot-Rot-Grün). Die favorisierte Koalition ist Schwarz-Gelb mit 27,7 Prozent. Dahinter folgt Rot-Grün, 24,6 Prozent der Befragten wünschen sich eine Fortsetzung des aktuellen Bündnisses. Auch eine rot-rot-grüne Koalition erfährt noch eine recht hohe Beliebtheit (19,5 Prozent).

Im Gegensatz zu anderen Umfragen, in denen jede Koalition einzeln abgefragt wird, ob sie positiv oder negativ gesehen wird, fragt Civey die Nutzer nach der einen Koalition, die sie sich wünschen würden. Es wurden 3045 Wahlberechtigte befragt, der statistische Fehler lag bei 2,8 Prozent.

Bei den inhaltlichen Streitpunkten dominiert die Bildungspolitik. Für 38,8 Prozent der Befragten ist es das wichtigste Thema. Das ist selbst für eine Landtagswahl, wo Bildung die Wähler meist besonders umtreibt, ein hoher Wert.

Zum Vergleich: Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen bezeichneten nur 31,1 Prozent der Befragten die Bildungspolitik als wichtigstes Thema. Für diese Umfrage wurden 3011 Wahlberechtigte in Niedersachsen befragt, der statistische Fehler lag bei 3,0 Prozent.

SPIEGEL ONLINE und Civey befragen regelmäßig Leserinnen und Leser zu aktuellen politischen Themen.

Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

cte

insgesamt 46 Beiträge
Wolfgang Heubach 13.10.2017
1. Weil überzeugt
Stephan Weil überzeugt die Menschen, ist integer und vertrauenswürdig.
Stephan Weil überzeugt die Menschen, ist integer und vertrauenswürdig.
dr.könig 13.10.2017
2. Schwarz- Gelb reicht nicht.........
Man kommt an der Realität nicht vorbei. Nach dem " Kidnapping " der Grünen Abgeordneten Frau Tweste durch die CDU wird Schwarz- Gelb-Grün nicht kommen ! Die FDP ist sich zu fein für eine Popel Ampel, also wird [...]
Man kommt an der Realität nicht vorbei. Nach dem " Kidnapping " der Grünen Abgeordneten Frau Tweste durch die CDU wird Schwarz- Gelb-Grün nicht kommen ! Die FDP ist sich zu fein für eine Popel Ampel, also wird Rot-Rot-Grün wohl kommen. Sollten es die Linken nicht schaffen, sehe ich eine GroKo als wahrscheinlich an. Weil wird wohl MP bleiben.
mbb209 13.10.2017
3. Falsche Frage
Die Frage ist allein, ob es für eine Neuauflage von Rot-Grün (nicht: Doppelrot-Grün) reicht und nur dann kann die SPD für sich reklamieren, die Wahl gewonnen zu haben. Dafür wird es aber nicht reichen und damit wird auch in [...]
Die Frage ist allein, ob es für eine Neuauflage von Rot-Grün (nicht: Doppelrot-Grün) reicht und nur dann kann die SPD für sich reklamieren, die Wahl gewonnen zu haben. Dafür wird es aber nicht reichen und damit wird auch in Niedersachsen die bisherige SPD - geführte Regierung abgewählt; dies aus denselben Gründen wie auch in den anderen Bundesländern: Bildung, innere Sicherheit. Dass man sich das Ergebnis schönreden wird, ist zu erwarten.
spitzaufknoof 13.10.2017
4. Und
am Ende waren mal wieder alle Umfragen sehr ungenau. Es kommt garantiert wieder ganz anders.
am Ende waren mal wieder alle Umfragen sehr ungenau. Es kommt garantiert wieder ganz anders.
fortelkas 13.10.2017
5. Da der Ministerpräsident
....nicht nach Umfrageergebnissen gewählt wird, sollte die SPD (falls sie stärkste Fraktion wird) auch den Mut zu einer Rot-Rot-Grünen Regierungsbildung aufbringen, falls das Wahlergebnis insgesamt das hergibt. Die Entscheidung [...]
....nicht nach Umfrageergebnissen gewählt wird, sollte die SPD (falls sie stärkste Fraktion wird) auch den Mut zu einer Rot-Rot-Grünen Regierungsbildung aufbringen, falls das Wahlergebnis insgesamt das hergibt. Die Entscheidung fällt im Landesparlament und nicht in den Tabellen der Meinungsforschungsinstitute. Erwin Fortelka

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