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Politik
Freitag, 13.10.2017   05:42 Uhr

Die Lage am Freitag

Liebe Leserin, lieber Leser,

FDP-Vize Wolfgang Kubicki hat in seinem politischen Leben einige Zeit darauf verwendet zu erklären, warum er auf keinen Fall nach Berlin gehen würde. Dort, so Kubicki vor nicht allzu langer Zeit, werde man "zum Trinker oder zum Hurenbock". Dieses Risiko will er nun offenbar auf sich nehmen.

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Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 41/2017
Die unheimliche Macht
Wie ARD und ZDF Politik betreiben

In einem Gespräch im neuen SPIEGEL, den Sie heute ab 18 Uhr digital lesen können, erklärt der Mann aus Kiel, warum er seine Meinung geändert hat und wie er verhindern will, dass ihn das von ihm beschriebene Schicksal ereilt. Eine Maßnahme: Kubickis Frau wird ihren Gatten in den Sündenpfuhl Berlin begleiten. Wie er sie davon überzeugt hat? "Ich habe zu ihr gesagt: Wir beide dienen dann Deutschland."

Außerdem geht es im SPIEGEL-Gespräch natürlich darum, wie sich die Liberalen mit Union und Grünen zu einer Jamaikakoalition zusammenraufen wollen, um Europa, die Flüchtlingspolitik und das Verhältnis zu Russland.

DPA

Apropos Jamaika: Die Deutschen sind in Experimentierlaune, eine schwarz-gelb-grüne Koalition gewinnt an Zustimmung, im aktuellen ARD-Deutschlandtrend finden 57 Prozent der Befragten die Kombination von Union, FDP und Grünen sehr gut oder gut, 40 Prozent sind skeptisch oder ablehnend. Die Große Koalition, traditionell die beliebteste Regierungskombination der Deutschen, hat dagegen deutlich an Zustimmung verloren, nur noch 33 Prozent fänden ein Bündnis aus CDU und SPD gut oder sehr gut, 65 weniger gut oder schlecht. Woher der Sinneswandel? Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit.

Bevor nächste Woche die Jamaika-Sondierungen beginnen, starten heute die Fraktionen des neu gewählten Bundestags einen weiteren Versuch, sich über die Sitzordnung im Parlament zu einigen. Fest steht: Die AfD wird ganz rechts Platz nehmen, gleich neben der Regierungsbank. Das ist traditionell der Platz der FDP, doch die hält das mittlerweile für einen "historischen Fehler". Sie will weiter nach links, in die Mitte zwischen Grüne und Union. Die will aber auch nicht neben die AfD, sie hat ja rechts, wie Horst Seehofer sagt, eine offene Flanke. Wenn man sich heute nicht einigt, hat der scheidende Bundestagspräsident Lammert noch einmal das letzte Wort, zumindest was die konstituierende Sitzung angeht. Danach kann weiter gestritten werden.

Mädchen schreiben gut, Jungen rechnen besser

DPA

Heute werden die Ergebnisse einer Studie zum Niveau von Grundschülern in Deutsch und Mathe vorgestellt. Vor fünf Jahren waren schon einmal Viertklässler im Ländervergleich getestet worden: Spitzenreiter waren Bayern, Sachsen und einige weitere Ostländer, die Stadtstaaten Bremen, Berlin und Hamburg schnitten am schlechtesten ab. Besonders interessant: die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Sie bestätigen leider alle gängigen Vorurteile: Die Mädchen sind den Jungen in Lesen und Orthografie zum Teil bis zu einem halben Schuljahr voraus, die Jungen sind dafür in Mathe besser: bis zu einem Fünftel eines Schuljahres.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Gewinner des Tages...

REUTERS

...sind Fatah und Hamas. Nach jahrelanger Fehde wollen sich die Palästinenserorganisationen offenbar versöhnen. Auch wenn es noch viele Fragezeichen gibt: In den Dauerkonflikt im Nahen Osten kommt Bewegung. Sollten Fatah und Hamas ihren Zwist wirklich überwinden, könnte das den Weg zu einer neuen Initiative für Frieden in der Region ebnen.

Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Freitag.

Herzlich,

Ihre Christiane Hoffmann

insgesamt 12 Beiträge
frank57 13.10.2017
1. Das diese Jamaika Koalition
immer beliebter werden soll glaube ich einfach nicht! Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, da effektiv nur ca. 7 Prozent grün oder gelb gewählt haben!
immer beliebter werden soll glaube ich einfach nicht! Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, da effektiv nur ca. 7 Prozent grün oder gelb gewählt haben!
yadi 13.10.2017
2. Wie schön,
Kubicki will nicht in den "Sündenpfuhl" Berlin eintauchen? Dann kann er sich ja ganz auf seinen politischen Auftrag konzentrieren! Man sollte meinen, dass sei eine Selbstverständlichkeit für Berufspolitiker...
Kubicki will nicht in den "Sündenpfuhl" Berlin eintauchen? Dann kann er sich ja ganz auf seinen politischen Auftrag konzentrieren! Man sollte meinen, dass sei eine Selbstverständlichkeit für Berufspolitiker...
Mister Stone 13.10.2017
3. "Beliebtes" Jamaika oder Angst vor Neuwahlen?
Und: Eine Jamaikakoalition wird bei Deutschen beliebter. "Bei Deutschen" beliebter? Ich nehme mal an, dass die Wähler dieser 3 (4) Parteien - das ist in der Summe die Mehrheit der Wähler - eher eine [...]
Und: Eine Jamaikakoalition wird bei Deutschen beliebter. "Bei Deutschen" beliebter? Ich nehme mal an, dass die Wähler dieser 3 (4) Parteien - das ist in der Summe die Mehrheit der Wähler - eher eine Regierungsbeteiligung befürworten, weil die einzige Alternative zu Jamaika risikobehaftete Neuwahlen wären. Risikobehaftet ganz besonders für diese 3 (4) Parteien. Wenn Sie daraus folgern, dass die Jamaika-Koalition "beliebter" geworden wäre, dann ist auch eine Wirbelsäulenoperation "beliebt", wenn der Patient Angst vor dem Rollstuhl hat.
i.dietz 13.10.2017
4. Es werden noch Wetten angenommen:
demnächst finden in der BRD Neuwahlen statt ! Ob sich dann die CDU traut, eine Frau Merkel als Kandidatin ins Rennen zu schicken ? Ich bezweifele es sehr ! Gleiches gilt übrigens für die CSU und ihr "Zugpferdchen" [...]
demnächst finden in der BRD Neuwahlen statt ! Ob sich dann die CDU traut, eine Frau Merkel als Kandidatin ins Rennen zu schicken ? Ich bezweifele es sehr ! Gleiches gilt übrigens für die CSU und ihr "Zugpferdchen" Seehofer !
stoffi 13.10.2017
5. Beliebter? Bestimmt nicht
Eher aus der Not geboren. Ob das allerdings halten wird ist sehr fraglich. Ich wäre für eine Minderheiten Regierung, denn die Grünen sollten aussen vor bleiben, weil sie die Partei ist, durch die es scheitern könnte.
Eher aus der Not geboren. Ob das allerdings halten wird ist sehr fraglich. Ich wäre für eine Minderheiten Regierung, denn die Grünen sollten aussen vor bleiben, weil sie die Partei ist, durch die es scheitern könnte.
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