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Politik

CSU-Wahlkampf

Junge Union stellt sich offen gegen Seehofer

Die bayerische Junge Union will einen Neuanfang der CSU ohne Parteichef Horst Seehofer. Der seit dem Fiasko bei der Bundestagswahl angeschlagene Politiker hatte den Partei-Nachwuchs zuvor mit einer Absage verärgert.

DPA

CSU-Chef Horst Seehofer

Samstag, 04.11.2017   11:27 Uhr

Der Zorn ist groß bei der bayerischen Jungen Union (JU). Sie verlangt offen einen Neuanfang der CSU ohne den langjährigen Parteichef Horst Seehofer. Spätestens im nächsten Jahr fordert die JU einen Rückzug des 68-Jährigen. Ein entsprechender Antrag mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst 2018, wurde von einer Landesversammlung des CSU-Nachwuchses am Samstag in Erlangen mit deutlicher Mehrheit angenommen.

"Für einen Erfolg bei der Landtagswahl im kommenden Jahr braucht es einen glaubwürdigen personellen Neuanfang", heißt es in dem Antrag der Jungen Union wörtlich. Und weiter: "Bei allen Verdiensten, die sich Horst Seehofer zweifellos in vielen Jahrzehnten für die CSU, Bayern und Deutschland erworben hat, muss er jetzt den Weg bahnen für einen geordneten Übergang an der Spitze der Staatsregierung."

Seehofer steht seit dem CSU-Fiasko bei der Bundestagswahl intern massiv unter Druck. Mehrere CSU-Bezirksvorstände forderten bereits, jeweils mit großer Mehrheit, einen "geordneten" personellen Übergang. Die JU-Versammlung ist das erste große Gremium, das sich öffentlich gegen Seehofer stellt. Offiziell, unter anderem vom CSU-Vorstand, war die Personaldebatte angesichts der laufenden Jamaika-Gespräche in Berlin vertagt worden. Zum entscheidenden Datum wird spätestens der Parteitag im Dezember.

An diesem Samstag zog Seehofer den Zorn des CSU-Nachwuchses besonders auf sich. Ursprünglich sollte er bei der Landesversammlung der Jungen Union eine Rede halten. Doch er sagte seinen Auftritt am Freitag mit dem Hinweis auf die Gespräche zur Regierungsbildung in Berlin ab. "Wissen Sie, ich bin hier in historisch bedeutsamen Verhandlungen", sagte er vor unionsinternen Beratungen in Berlin. "Da darf kein Fehler passieren. Da muss man sich sehr vorbereiten."

Seehofer verärgert CSU-Nachwuchs mit Absage

Die Absage stieß bei der Jungen Union auf Unverständnis. "Es ist schon ein unüblicher Vorgang, dass der Parteivorsitzende der Diskussion mit der JU-Basis ausweicht", sagte Bayerns JU-Chef Hans Reichhart am Freitag. "Ob das jetzt unbedingt die schwelende Personaldiskussion beruhigt, darüber wird es unterschiedliche Sichtweisen geben", drohte er bereits da.

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Bayerns JU-Chef Hans Reichhart

Ein CSU-Sprecher begründete Seehofers Fernbleiben damit, dass sich die Sondierungsgespräche über eine neue Bundesregierung in Berlin in einer wichtigen Phase befänden. Der Parteivize und Europaabgeordnete Manfred Weber werde Seehofer in Erlangen vertreten, kündigte er an. Das aber reichte der Jungen Union offensichtlich nicht.

In Erlangen hätte Seehofer seinen ersten Auftritt vor der kritischen CSU-Basis gehabt, seit die Regierungspartei bei der Bundestagswahl mit 38,8 Prozent der Stimmen in Bayern für ihre Verhältnisse ein Debakel erlebt hat. Die JU will bei dem bis Sonntag andauernden Treffen über Fehler und die künftige Marschrichtung der CSU diskutieren, die um ihre absolute Mehrheit bei der Landtagswahl im kommenden Jahr bangt.

Erwartet werden auch Innenminister Joachim Herrmann - ein enger Vertrauter Seehofers sowie Seehofers Rivale Markus Söder. Der bayerische Finanzminister wurde von Seehofer-Kritikern zuletzt mehrfach als Wunschnachfolger an der Parteispitze und im Ministerpräsidentenamt genannt. Söder soll am Sonntag sprechen. Auf die Frage an Seehofer, ob er nicht am Sonntag zum CSU-Nachwuchs nach Erlangen hätte fahren können, antwortete er: "Am Sonntagvormittag haben sie ja einen Redner, den ich nicht verdrängen möchte."

kig/dpa

insgesamt 95 Beiträge
rkinfo 04.11.2017
1. Seehofer will Rente 75 statt 70 ;-)
Sicherlich wäre es Zeit, dass Seehofer Jüngeren Platz macht. ABER, die Jüngeren werden selbst einmal mit Rente 75 vor Augen ihre politische Laufbahn planen. Damit wäre auch erst ein inhaltlicher Wechsel in die Zukunft [...]
Sicherlich wäre es Zeit, dass Seehofer Jüngeren Platz macht. ABER, die Jüngeren werden selbst einmal mit Rente 75 vor Augen ihre politische Laufbahn planen. Damit wäre auch erst ein inhaltlicher Wechsel in die Zukunft vollzogen ;-)
Havel Pavel 04.11.2017
2. Wozu noch aufregen?
Die Tage Seehofers im Amt sind eh gezählt und bei nächster Gelegenheit wird der Nachfolger präsentiert werden! Einfach alles geschehen lassen und aussitzen alla Merkel dürfte wohl das beste Rezept sein!
Die Tage Seehofers im Amt sind eh gezählt und bei nächster Gelegenheit wird der Nachfolger präsentiert werden! Einfach alles geschehen lassen und aussitzen alla Merkel dürfte wohl das beste Rezept sein!
Tante_Frieda 04.11.2017
3. Überschätzen
So,so,die bayerische Junge Union ist also beleidigt,weil der Ministerpräsident des Freistaats nicht an ihrer Vereinsversammlung teilnimmt,sondern es vorzieht,in Berlin an den Sondierungen bzw. Verhandlungen für eine neue [...]
So,so,die bayerische Junge Union ist also beleidigt,weil der Ministerpräsident des Freistaats nicht an ihrer Vereinsversammlung teilnimmt,sondern es vorzieht,in Berlin an den Sondierungen bzw. Verhandlungen für eine neue Koalition teilzunehmen.Überschätzen die auf schnelle Karriere hoffenden Nachwuchs-Parteichristen ihre Wichtigkeit nicht etwas?Man sollte eigentlich meinen,dass die Verhandlungen für eine Koalition auf Bundesebene derzeit prioritär sind...
haarer.15 04.11.2017
4. Seehofer
Die Begründung wegen der Sondierungen in Berlin halte ich auch für ein vorgeschobenes Argument. Seehofer wird dort wohl am wenigsten gebraucht, er ist zu geschwächt - zumal ihm Jamaika so gar nicht zur Nase steht. Die JU in [...]
Die Begründung wegen der Sondierungen in Berlin halte ich auch für ein vorgeschobenes Argument. Seehofer wird dort wohl am wenigsten gebraucht, er ist zu geschwächt - zumal ihm Jamaika so gar nicht zur Nase steht. Die JU in Bayern ist sehr konservativ gestrickt, sie will einen Neuanfang. Mit wem denn ? Wo sind die integren Persönlichkeiten ? Mit einem umstrittenen Söder werden die noch ihr blaues Wunder erleben.
bjbehr 04.11.2017
5. Seehofer wirds schon richten
Schön wäre auch, wenn dieses unselige Jamaika-Gehabe - man mag sich eine solche Legislaturperiode nicht in seinen schlimmsten Albträumen vorstellen - an einem geschwächten Seehofer scheitern würde. Man kann nur hoffen, dass [...]
Schön wäre auch, wenn dieses unselige Jamaika-Gehabe - man mag sich eine solche Legislaturperiode nicht in seinen schlimmsten Albträumen vorstellen - an einem geschwächten Seehofer scheitern würde. Man kann nur hoffen, dass es Neuwahlen gibt, auch um diese Merkel im Endeffekt endlich loszuwerden.

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