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Politik

Seehofer attackiert Kritiker in CSU-Machtkampf

"Trommelfeuer gegen mich ist schädlich"

Machtkampf in der CSU: Horst Seehofer wirft Kritikern vor, mit Rücktrittsforderungen während der laufenden Koalitionssondierung Schaden anzurichten. Markus Söder sieht die Partei an einer "entscheidenden Weggabelung".

TRUEBA/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Horst Seehofer

Sonntag, 05.11.2017   09:47 Uhr

CSU-Chef Horst Seehofer reagiert mit Unverständnis auf die innerparteiliche Kritik an seiner Person nach dem Debakel bei der Bundestagswahl. Er beruft sich auf eine Vereinbarung der Parteispitze, dass über Personalfragen erst nach dem Abschluss der Koalitionssondierungen im Bund gesprochen werden solle.

"Obwohl im Parteivorstand einstimmig beschlossen wurde, dass eine Personaldiskussion während der Gespräche in Berlin nicht erfolgen soll, erlebe ich seit der Bundestagswahl ein ununterbrochenes Trommelfeuer gegen meine Person aus der eigenen Partei. Das ist ohne Frage schädlich", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag".

Er lasse sich "dadurch aber in keiner Weise beeinflussen", er kämpfe "wie ein Löwe in Berlin", so Seehofer. "Die Verhandlungen sind politische Schwerstarbeit. Wir müssen jetzt das Tempo erhöhen. Die Menschen in Deutschland erwarten zu Recht endlich Resultate aus den Verhandlungen und die Bildung einer stabilen Regierung."

Zunächst gehe es "um die Durchsetzung unserer Positionen in Berlin". Nach den Sondierungsgesprächen zwischen CDU, CSU, FDP und den Grünen werde er "klar und deutlich" reagieren.

"Wir wollen ein frisches Gesicht"

Der Vorsitzende der Jungen Union in Bayern, Hans Reichhart, erneuerte dagegen seine Kritik an dem CSU-Chef. Seehofer hätte sich bei der JU-Landesversammlung in Erlangen der Kritik stellen müssen, sagte Reichhart dem BR. "Da kann man nicht sagen: Diskutiert nicht über die Ursachen."

Seehofer hatte einen geplanten Rede-Auftritt in Erlangen kurzfristig abgesagt. Der JU-Chef forderte im BR erneut einen personellen Neuanfang ohne Seehofer: "Wir wollen ein frisches Gesicht, für das wir bei der Landtagswahl kämpfen." Dies hatte die JU bei ihrer Versammlung in Erlangen mit großer Mehrheit beschlossen. Zuvor hatten mehrere CSU-Bezirksvorstände intern einen "geordneten" personellen Übergang gefordert.

Seit die CSU bei der Bundestagswahl mit 38,8 Prozent der Stimmen ihr schwächstes Ergebnis seit Jahrzehnten einfuhr, wachsen in der Partei Zweifel, ob sie unter Seehofer bei der Landtagswahl im Herbst 2018 ihre absolute Mehrheit verteidigen kann.

"Die Lage ist mehr als ernst"

Unterstützung bekam Seehofer von Parteivize Manfred Weber. Dieser ermahnte seine Partei und den CSU-Nachwuchs zu "Mannschaftsgeist" und einem anständigen Umgang in der anstehenden Personaldebatte. "Ja, die CSU braucht über kurz oder lang Erneuerung", sagte Weber in Erlangen. Aber die "Form der Auseinandersetzung" sei genauso wichtig.

Bayerns Finanzminister Markus Söder sieht seine Partei nach dem Fiasko bei der Bundestagswahl an einer "entscheidenden Weggabelung". "Die Lage ist mehr als ernst", sagte Söder am Sonntag in Erlangen - und forderte mehr Glaubwürdigkeit und ein klareres Profil der Union insgesamt und speziell der CSU. "Wir hatten keinen Verlust an Ideen, wir hatten ein Stück Verlust an Glaubwürdigkeit", sagte Söder rückblickend. Es müsse wieder gelten: "Eine Partei, ein Wort."

Söder lobte dabei einerseits den Unionskompromiss zur Zuwanderung, den die CDU- und die CSU-Spitze nach der Bundestagswahl gemeinsam geschnürt haben. Er fügte allerdings kritisch hinzu: "Ehrlicherweise hätten wir das schon vor einem Jahr genauso haben können."

wit/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 129 Beiträge
rilepho 05.11.2017
1. Fragt sich nur, für wen das schädlich ist
Hätte Herr Sehofer seine Meinung gegen Frau Merkels "Das-schaffen-wir-Politik" beibehalten und nicht auf unverständliche Weise einen Salto rückwärts gemacht, wäre die Wahl für seine CSU bestimmt anders ausgegangen. [...]
Hätte Herr Sehofer seine Meinung gegen Frau Merkels "Das-schaffen-wir-Politik" beibehalten und nicht auf unverständliche Weise einen Salto rückwärts gemacht, wäre die Wahl für seine CSU bestimmt anders ausgegangen. Folglich trägt er den größten Schadenanteil.
kobra21 05.11.2017
2. Es wird Zeit!
Das Problem ist doch nicht neu. Es ist einfach unverständlich, dass gerade in der Politik viele nicht ihren Stuhl räumen wollen. Wenn man in einer Legislaturperiode Ankündigungen macht und diese dann letztlich doch nicht [...]
Das Problem ist doch nicht neu. Es ist einfach unverständlich, dass gerade in der Politik viele nicht ihren Stuhl räumen wollen. Wenn man in einer Legislaturperiode Ankündigungen macht und diese dann letztlich doch nicht umsetzt, muß man sich der Kritik stellen. Insbesondere ist das dann der Fall, wenn man bei den folgenden Wahlen ein derart schlechtes Wahlergebnis einfährt. Wenn die Dämmerung bei einem Politiker oder einer Politkerin einsetzt, ist der Zeitpunkt gekommen zu gehen. Gerade in Bayern steht doch ein sehr guter Politiker für die Nachfolge bereit. Markus Söder wird kommen, so oder so. Besser heute, als morgen. Er bringt Probleme auf den Punkt, zeigt Lösungsansätze auf und wird sie auch umsetzen! Ein brillianter Rhetoriker, der auch in Berlin gehört werden wird!
Klaus-Otto 05.11.2017
3. Da hat der Horst ausnahmsweise mal recht
Die Forderung nach seinem Rücktritt ist wirklich schädlich, allerdings nur für seine persönliche Macht im Freistaat ...
Die Forderung nach seinem Rücktritt ist wirklich schädlich, allerdings nur für seine persönliche Macht im Freistaat ...
wasistlosnix 05.11.2017
4. Gute alte Zeiten
Früher wären Merkel und Seehofer noch am Wahlabend, ob der herben Verluste, abgetreten. Heute verhandeln sie noch den Koalitionsvertrag und dann?
Früher wären Merkel und Seehofer noch am Wahlabend, ob der herben Verluste, abgetreten. Heute verhandeln sie noch den Koalitionsvertrag und dann?
uli_san 05.11.2017
5. Ich hoffe wirklich,
dass die CSU sehr schnell ihre personelle Erneuerung zustande bringt. Und zwar vor den Koalitionsverhandlungen. Es kann doch nicht sein, dass ein abgehalfteter Parteivorsitzender noch Beschlüsse für die nächsten vier Jahre [...]
dass die CSU sehr schnell ihre personelle Erneuerung zustande bringt. Und zwar vor den Koalitionsverhandlungen. Es kann doch nicht sein, dass ein abgehalfteter Parteivorsitzender noch Beschlüsse für die nächsten vier Jahre festlegt, und seinem potentiellem Nachfolger damit die Hände bindet, einen neuen Weg zu beschreiten. Der richtige Zeitpunkt für eine Übergabe ist von Seehofer aus persönlicher Eitelkeit mindestens zwei Jahre lang verzögert worden.

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