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Politik

Islamisten-Treffpunkte

Minister aus Emiraten hält deutsche Moschee-Kontrolle für zu lasch

Der Toleranzminister der Vereinigten Arabischen Emirate richtet eine deutliche Warnung an Deutschland: Die Behörden müssten Moscheen stärker kontrollieren. "Man kann nicht jedem erlauben zu predigen."

DPA

Scheich Nahjan bin Mubarak Al Nahjan

Dienstag, 14.11.2017   11:55 Uhr

Die Berliner Fussilet-Moschee war ein Anlaufpunkt für Anis Amri - und wurde nach dem Anschlag des Tunesiers auf einen Berliner Weihnachtsmarkt von den Behörden geschlossen. Um ähnlichen Taten vorzubeugen, müssten Islamistentreffpunkte von deutschen und europäischen Behörden besser kontrolliert werden, fordert der Minister Scheich Nahjan Mubarak Al Nahjan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er leitet das Ressort für Toleranz in Abu Dhabi.

"Man kann nicht einfach eine Moschee öffnen und jedem erlauben, dorthin zu gehen und zu predigen. Es muss eine Lizenz dafür geben", sagte er. Die Länder auf dem Kontinent hätten es gut gemeint, als sie "diesen Leuten" erlaubten, ihre eigenen Moscheen und ihre eigenen Gemeindezentren zu betreiben. Doch religiöse Führer müssten ausgebildet sein, sich mit dem Islam auskennen und eine Lizenz haben.

In Deutschland spielt der Staat bei der Auswahl der Prediger in Moscheen keine Rolle. Moscheen brauchen auch keine Genehmigung. Hintergrund ist die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit.

In den autoritär regierten Vereinigten Arabischen Emiraten gelten viele Bürger- und Menschenrechte nur eingeschränkt. So stehen Moscheen unter umfassender Kontrolle der Herrscher, die damit radikalen Tendenzen vorbeugen wollen. Die Geheimdienste sind mächtig, die Sicherheitskräfte haben weitreichende Befugnisse. Größere Anschläge der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) oder anderer Terrororganisationen konnten in der Vergangenheit verhindert werden.

In der Bundesrepublik beobachtet der Verfassungsschutz Dutzende Moscheen. Im November 2016 hatte die Polizei den Prediger Abu Walaa aus Hildesheim verhaftet. Der aus dem Irak stammende Islamist steht im Verdacht, junge Muslime für den IS angeworben zu haben. In Celle muss er sich dafür vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm und den Mitangeklagten Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor.

vks/dpa

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