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30.05.2011
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Spitzentreffen im Kanzleramt

Schwarz-Gelb wählt Atomausstieg mit Notreserve

Die Bundesregierung hat den Abschied von der Kernkraft besiegelt, seit Sonntagnacht steht der Fahrplan für den Atomausstieg: Bis 2021 sollen alle Meiler abgeschaltet werden, drei AKW könnten aber erst 2022 vom Netz gehen, ein Meiler soll als Reserve dienen. Die Opposition ist skeptisch.

Hamburg/Berlin - Der Fahrplan für den Atomausstieg steht: Bis spät in die Nacht zum Montag hinein diskutierten die Spitzen von Union und FDP im Kanzleramt - am Ende einigten sie sich auf eine Regelung zur Abkehr Deutschlands von der Kernenergie. Der Großteil der Meiler soll schon bis 2021 vom Netz. Allerdings gibt es Hintertüren: Falls es Probleme bei der Energiewende gibt, sollen die letzten drei Meiler erst 2022 abgeschaltet werden.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Und so sieht der weitere Ausstiegsfahrplan aus: Ein jährlicher Untersuchungsbericht soll prüfen, ob bereits bis 2021 ein kompletter Ausstieg möglich ist - oder ob man den Puffer bis 2022 braucht. Die sieben ältesten Atommeiler waren bereits Mitte März nach der Katastrophe von Fukushima aus Sicherheitsgründen mit dem Atommoratorium abgeschaltet worden.

Neue Runde am Montag

Am Montag geht das Ringen um eine Abkehr von der Kernenergie in die nächste Runde: Die Parteien werden sich dann zusammensetzen und über den Atomausstieg beraten. Die Opposition war am späten Sonntagabend ebenfalls ins Kanzleramt gekommen, um über den Stand der Verhandlungen informiert zu werden.

Der frühere Umweltminister und heutige SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte die Pläne der Koalition fragwürdig. Er kenne kein Atomkraftwerk, das man als Kaltreserve fahren könne. "Das sind Vorstellungen, die mit der technischen Wirklichkeit wenig zu tun haben", sagte Gabriel am Sonntagabend.

Gabriel erklärte, seine Partei sei zu einem Konsens bereit - aber zu klaren Bedingungen. Viele Fragen seien noch offen. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warnte vor neuen Hintertüren der Koalition beim Atomausstieg: "Die Hintertüren sind noch nicht zu."

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast bezeichnete den Fahrplan als "nur ein Zurück zum Status quo". Fraglich sei, "ob die Koalition bereit ist und alle Instrumente für einen Schub für die erneuerbaren Energien anwendet", sagte Künast. Zugleich machte sie deutlich, dass es noch kein Nein zu dem Konsensangebot gibt. "Wir positionieren uns heute noch nicht." Weitere Details und die Ländergespräche am Freitag müssten abgewartet werden. Wenn die Grünen das Angebot nicht von vornherein als unzureichend bewerten, wollen sie einen Sonderparteitag debattieren und entscheiden lassen.

Kritik von Daimler-Chef

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche kritisierte die Pläne. "Es gibt einige Risiken für den Industriestandort Deutschland. Die Abkehr von einer bezahlbaren Energieversorgung ist klar ein Risiko", sagte Zetsche der "Bild"-Zeitung. Die Entscheidungen der Politik nach der Atomkatastrophe in Japan seien "sehr stark von Emotionen geprägt" gewesen.

In einer für das Land so wichtigen Frage wie der Energieversorgung sollten alle Aspekte sehr genau geprüft werden, darunter der Klimaschutz, die Sicherheit und die Kosten, sagte der Daimler-Chef weiter. "Das wünsche ich mir von einer guten Regierung". Zetsche warf der Koalition vor, in dieser Frage "keinen eindeutigen Kurs" zu fahren. Auf die Frage, warum die Industrie die rasche Energiewende der Politik nicht deutlicher kritisiert habe, sagte er: "Die Automobilindustrie wird gerne mal zum Buhmann der Nation erklärt, weil selbst sachliche Kritik oft falsch verstanden wird."

Ethikrat hofft auf Umsetzung

Der Regierungsplan für einen Ausstieg bis 2021/2022 liegt auf der Linie der Empfehlung der Ethikkommission zur Atomenergie, die nach dem GAU von Fukushima von Merkel eingesetzt worden war. Die Kommissionsvorsitzenden, der frühere Umweltminister Klaus Töpfer und der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner, übergeben am Montagmorgen der Kanzlerin ihren Abschlussbericht. Die Kommission empfiehlt einen Atomausstieg bis spätestens 2021. Am Nachmittag beraten die Bundestagsfraktionen in Sondersitzungen über die Ausstiegspläne der Koalition und einen möglichen Konsens. Am Montagabend gibt es eine öffentliche Diskussion über den Bericht.

Töpfer sagte noch in der Nacht, er hoffe auf die Umsetzung der Empfehlungen seines Gremiums zum Atomausstieg. "Wir hoffen sehr, dass die Empfehlungen der Kommission in die politischen Entscheidungsvorgänge eingebunden werden können", sagte Töpfer der "Saarbrücker Zeitung".

Anmerkung der Redaktion: In einer vorigen Version des Artikels hieß es, die FDP hätte explizit eine Revisionsklausel für den Atomausstieg gefordert. Das ist nicht der Fall. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

amz/dpa/Reuters/dapd/AFP

Forum

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insgesamt 284 Beiträge
1. "Sicherheitspuffer" - wieder Neusprech by Merkel & Co.
vingativa 30.05.2011
Soviel Pessimismus sieht man von CDU/FDP so gut wie nie. Oder zeigt die Koalition Unsicherheit und glaubt ihren eigenen Plänen nicht. Verkauft wird das als reine Vorsichtsmassnahme. Wer soll das den glauben?
Zitat von sysopDie meisten Meiler sollen bis 2021 abgeschaltet werden, drei AKW sollen bei Bedarf bis 2022 Strom produzieren. Sie sind eine Art Sicherheitspuffer, falls es mit der Energiewende nicht schnell genug vorangeht.
Soviel Pessimismus sieht man von CDU/FDP so gut wie nie. Oder zeigt die Koalition Unsicherheit und glaubt ihren eigenen Plänen nicht. Verkauft wird das als reine Vorsichtsmassnahme. Wer soll das den glauben?
2. Überholt
GerhardFeder 30.05.2011
Inzwischen hat die CDU/CSU die FDP beim Umfallen, Wenden und Umkehren längst überholt. Gesetze werden "zum Schein" durch den Bundestag gepeitscht und dann "nicht angewendet". Beschlüsse haben eine [...]
Inzwischen hat die CDU/CSU die FDP beim Umfallen, Wenden und Umkehren längst überholt. Gesetze werden "zum Schein" durch den Bundestag gepeitscht und dann "nicht angewendet". Beschlüsse haben eine Halbwertszeit, wenn das Atommüll wäre, gäbe es kein Problem. Wer soll denen denn noch glauben: - "Gesundheitsreform" - "Sichere Lebensmittel" - "Bankenrettung" - "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" - "Staatsschuldenabbau" - "Gerechtes Steuersystem" alles, alles Flops.
3. Na, dann bin ich mal gespannt ...
Servo 30.05.2011
Dass ein Atomausstieg nicht von Heute auf Morgen möglich ist, solte jedem klar sein, der halbwegs realistisch denken kann. So gesehen hört sich die Entscheidung der Regierung zunächst sehr positiv an, denn sie hat anscheinend [...]
Dass ein Atomausstieg nicht von Heute auf Morgen möglich ist, solte jedem klar sein, der halbwegs realistisch denken kann. So gesehen hört sich die Entscheidung der Regierung zunächst sehr positiv an, denn sie hat anscheinend mittlerweile gemerkt, dass man bezüglich Atompolitik nicht gegen überparteiliche Mehrheiten regieren kann. Dass die Grünen mal wieder dagegen sind, verwundert mich nicht, denn in der Politik geht es nicht um realistische Lösungen, sondern um die Befriedigung des eigenen Egos. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, in der man fleißig an Alternativen arbeiten und der Welt zeigen kann, dass selbst eine so große Industrienation wie Deutschland problemlos ohne Atomkraftwerke auskommen kann. Ich jedenfalls glaube daran und gehe dem Jahr 2021 positiv entgegen.
4. Atomausstieg am Sankt Nimmerlein...
tschort 30.05.2011
Bei Dr. Angela Merkel münden viele Debatten in eine Patt Situation. Es werden Beschlüsse mit Hintertürchen gefasst. In der Praxis bedeuten diese Hintertürchen, dass nichts gemacht wird, und alles beim Alten bleibt. Wir [...]
Zitat von sysopDie Bundesregierung hat*den Abschied von der Kernkraft besiegelt, seit Sonntagnacht steht der Fahrplan für den Atomausstieg: Bis 2021 sollen alle Meiler*abgeschaltet werden, drei AKW könnten aber erst 2022 vom Netz gehen, ein Meiler soll als Reserve dienen. Die Opposition ist skeptisch...
Bei Dr. Angela Merkel münden viele Debatten in eine Patt Situation. Es werden Beschlüsse mit Hintertürchen gefasst. In der Praxis bedeuten diese Hintertürchen, dass nichts gemacht wird, und alles beim Alten bleibt. Wir brauchen dringend eine neue Regierung. Eine, die komplizierte Sachverhalte versteht und Lösungen entwirft, die innerhalb vertretbarer Zeit ausführbar sind.
5. der provisorische Ausstieg...
buutzemann 30.05.2011
...vom Ausstieg vom Ausstieg. Das größte Problem unseres Landes ist unsere Regierung.
...vom Ausstieg vom Ausstieg. Das größte Problem unseres Landes ist unsere Regierung.

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