Lade Daten...
14.06.2011
Schrift:
-
+

Schwarz-grüne Planspiele

CDU lässt Ökopartei abblitzen

CDU-General Gröhe: "Herausforderungen mit bürgerlicher Politik bewältigen"
dapd

CDU-General Gröhe: "Herausforderungen mit bürgerlicher Politik bewältigen"

Die Grünen stehen in Umfragen glänzend da, Parteivordere denken öffentlich über ein Bündnis mit der Union nach. Aber die CDU gibt sich zurückhaltend: Die Schnittmenge mit der Ökopartei sei zu klein, die Debatte über eine Koalition "unnütz wie ein Kropf".

Berlin - Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist voll des Lobes: Die Kanzlerin verdiene "großen Respekt" für ihre Energiewende. Wie die Physikerin Angela Merkel sei auch er ein Naturwissenschaftler, "das verbindet", sagte Kretschmann in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel". Den schwarz-gelben Atomausstieg nannte der Grüne einen historischen Durchbruch - unüberbrückbare Gräben zwischen Union und Grünen würden dadurch "eingeebnet".

Grünen-Chef Cem Özdemir äußerte sich zurückhaltender - aber auch er schloss eine Koalition mit der CDU nach der nächsten Bundestagswahl nicht aus. Bei einer Umsetzung grüner Inhalte sei zwar die Schnittmenge mit der SPD größer, sagte er dem "Hamburger Abendblatt". "Aber wir haben immer gesagt, dass wir je nach Situation vor Ort auch mit der CDU reden."

Das Problem ist nur: Führende Unionspolitiker wollen von den schwarz-grünen Planspielen nichts wissen. Stattdessen setzen die CDU-Vormänner nach dem Beschluss zum Atomausstieg öffentlich auf die Schärfung des bürgerlichen Profils. "Koalitionsgedankenspielchen sind derzeit so unnütz wie ein Kropf", sagte Generalsekretär Hermann Gröhe der "Frankfurter Rundschau". Die CDU wolle den Erfolg der christlich-liberalen Koalition. "Wir wollen mit bürgerlicher Politik die großen Herausforderungen, vor denen unser Land steht, erfolgreich bewältigen."

Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder hält die Gedankenspiele von Baden-Kretschmann für ein "vergiftetes Angebot". "Er versucht, Streit in die Reihen der CDU und in unsere Koalition zu bringen", sagte Mißfelder der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Es sei "völliger Unfug", zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl über die Koalition im Bund zu diskutieren. Die schwarz- gelbe Koalition müsse zwar ihre öffentliche Darstellung verbessern, leiste aber ansonsten erfolgreiche Arbeit.

Mißfelder, der dem Bundesvorstand angehört, räumte einem schwarz- grünen Bündnis grundsätzlich wenig Chancen ein. "Ich sehe das sehr kritisch. Schwarz-Grün passt nicht zusammen." Das betreffe sowohl die Parteiprogramme als auch die Personen. Es gebe zwar Grünen-Politiker, die mit der Union eine Koalition eingehen würden, auf der anderen Seite stünden aber prominente Mitglieder wie Parteichefin Claudia Roth, die das ablehnten.

"Die SPD wird von der Energiewende profitieren"

Unionsinnenexperte Wolfgang Bosbach (CDU) verwies darauf, dass es vor allem bei den Themen Terrorbekämpfung, Zuwanderung und Integration "zum Teil fundamentale Unterschiede" zu den Grünen gebe. "Die politischen Schnittmengen sind nicht groß genug für eine tragfähige Koalition", sagte der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag der Berliner Tageszeitung "B.Z.". Schließlich gebe es nicht nur die Energiepolitik.

Bei der SPD gibt man sich angesichts der grünen Flirtereien gelassen: "Die SPD wird auf der Strecke von der Energiewende profitieren", sagte Nahles dem "Handelsblatt". "Rot-Grün ist am besten aufgestellt, um unser Land weiter zu modernisieren und zukunftsfähig zu machen."

Und auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin betont die Nähe zur SPD. Es gebe mit Blick auf die Umfragen derzeit kein rationales Motiv, mit der CDU zu koalieren. "Mit der SPD lägen wir auf Augenhöhe - mit der CDU wären wir der Juniorpartner", sagte er dem "Handelsblatt". Die meisten Gemeinsamkeiten gebe es nach wie vor mit der SPD.

anr/dpa/dapd

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
1. .
c++ 14.06.2011
CDU lässt Ökopartei abblitzen. Das hört sich sehr lustig an. So wie: Obdachloser lässt Sozialamt abblitzen
CDU lässt Ökopartei abblitzen. Das hört sich sehr lustig an. So wie: Obdachloser lässt Sozialamt abblitzen
2. Beliebigkeitspartei CDU und Profilpartei Grüne
Michael Giertz 14.06.2011
Eins ist sicher: hier sind mal die CDU-Granden klar im Kopf. Auch wenn mal die CDU "aus Versehen" grüne Politik betrieben hat mit der Abschaltung der KKW, so ist dies ja doch erst unter dem Eindruck der [...]
Zitat von sysopDie Grünen stehen in Umfragen glänzend da, Parteivordere denken öffentlich über ein Bündnis mit der Union nach. Aber die CDU gibt sich zurückhaltend:*Die Schnittmenge mit*der Ökopartei*sei zu klein, die Debatte über eine Koalition "unnütz wie ein Kropf". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,768259,00.html
Eins ist sicher: hier sind mal die CDU-Granden klar im Kopf. Auch wenn mal die CDU "aus Versehen" grüne Politik betrieben hat mit der Abschaltung der KKW, so ist dies ja doch erst unter dem Eindruck der Japan-Katastrophe geschehen. Hätte es weder Erdbeben noch Tsunami gegeben, hätte wohl kaum irgendein CDU-Politiker ersthaft über den Atomausstieg nachgedacht. Die Grünen dagegen? Entzaubern sich auf einmal durch machtpolitische Spielereien. Grüne und CDU verbindet gar nichts - außer vielleicht der Wille zur Macht. Auch wenn sich die CDU zur "Beliebigpartei" abgeschafft hat, die Schnittmenge zu den mit recht radikalen Forderungen auftretenden Grünen ist immernoch viel zu klein. Denn die Grünen haben noch ein Profil - zwar keines, das mich direkt anspricht, insbesondere die aggressive Feminisierung nicht - aber immerhin stehen die Grünen, trotz diverser Ausrutscher unter Schröder, nich für irgendwas. Nun ja. Außer natürlich, die Grünen wollen wirklich mit der CDU ins Bett: dann war's das mit dem eigenen Profil. CDU und SPD könnten eigentlich fusionieren, so beliebig sind ihre Inhalte geworden: die Kämpfe vor der Kamera sind doch bloße Show, um von der Inhaltsleere abzulenken. Da haben ja selbst die Linken, diverse Kleinstparteien und sogar die NPD noch mehr Profil zu bieten.
3. Glaubwürdigkeit
aalf 14.06.2011
Die Haltbarkeit von CDU/CSU-Aussagen beträgt allenfalls noch ein paar Stunden. Solche Aussagen von den christlichen Parteien haben absolut nichts zu bedeuten, kann/sollte man getrost vergessen.
Die Haltbarkeit von CDU/CSU-Aussagen beträgt allenfalls noch ein paar Stunden. Solche Aussagen von den christlichen Parteien haben absolut nichts zu bedeuten, kann/sollte man getrost vergessen.
4. warten wir es ab
jujo 14.06.2011
Wenn eine weitere Amtszeit von Merkel in Frage steht, dann werden sich die Pöstchengeilen Opportunisten der CDU, schon noch besinnen. Das man sich zuvor bedeckt hält, sogar ablehnt, das gehört zu sich wiederholenden [...]
Wenn eine weitere Amtszeit von Merkel in Frage steht, dann werden sich die Pöstchengeilen Opportunisten der CDU, schon noch besinnen. Das man sich zuvor bedeckt hält, sogar ablehnt, das gehört zu sich wiederholenden Machtspielchen. Ich könnte mir denken, das schwarz-grün besser harmoniert als z.Z. schwarz-gelb mit den Witzfiguren Westerwelle, Niebel u.a.
5. Macht keinen Mist
eastbayray 14.06.2011
Sollten die Grünen weiter laut über eine Koalition mit der CDU nachdenken werden sie im freien Fall abstürzen.
Sollten die Grünen weiter laut über eine Koalition mit der CDU nachdenken werden sie im freien Fall abstürzen.

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Fotostrecke

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter RSS
alles zum Thema Winfried Kretschmann
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten