10.02.2012
Affären-Präsident
Wulff soll Firmen-Handy eines Freundes genutzt haben
Christian Wulff: Der damalige niedersächsische Ministerpräsident am Handy
Berlin - Kredit-, Urlaubs- und weitere Vergünstigungs-Vorwürfe - bekommt Christian Wulff jetzt auch noch eine Handy-Affäre? Als niedersächsischer Ministerpräsident soll er einem Bericht der "Welt" zufolge mehrere Monate lang ein Firmen-Handy des befreundeten Filmfondsmanagers David Groenewold benutzt haben. Es habe dafür einen Vertrag gegeben, sagte Groenewolds Anwalt Christian-Oliver Moser an diesem Freitag der Nachrichtenagentur dpa.
Der von Wulff unterschriebene Überlassungsvertrag vom 26. Oktober 2005 gilt laut "Welt" für ein Nokia-Mobiltelefon. Darin heiße es, dass die Nutzung entgeltlich erfolge und Wulff den Rechnungsbetrag zu begleichen habe. Der Vertrag lief fast ein Jahr. Über die gesamte Zeit sei ein Rechnungsbetrag von 931 Euro brutto aufgelaufen. Im April und Mai 2006 hätten die Monatsbeträge bei jeweils rund 200 Euro gelegen.
In den letzten Monaten nutzte Wulff das Telefon allerdings kaum noch. Der Zeitung sagte Groenewolds Anwalt, sein Mandant bedauere es zutiefst, dass ein weiterer Freundschaftsdienst ein falsches Licht auf seine Beziehung zu Wulff werfe. Aus dem Überlassungsvertrag für das Handy sei keiner Seite ein Vorteil erwachsen.
Gründe "rein privater Natur"
Dennoch wirft der Fall die Frage auf: Warum lässt sich ein Ministerpräsident von einem Unternehmer ein Handy zur Verfügung stellen? Die Gründe für die Überlassung des Mobiltelefons seien "rein privater Natur", sagte Groenewolds Anwalt Moser SPIEGEL ONLINE am Freitag.
2006 war in privater Hinsicht ein turbulentes Jahr für Wulff. Anfang Juni jenes Jahres hatte der damalige Ministerpräsident die Trennung von seiner Ehefrau Christiane öffentlich bekannt gegeben. Damals erklärte er auch, dass es "seit kurzem" eine neue Frau in seinem Leben gebe: seine heutige Ehefrau Bettina.
Der neue Vorwurf reiht sich ein in diverse fragwürdige Deals und Freundschaftsdienste. So führte Wulffs offensichtliche Vorliebe für Luxus dazu, dass er und seine Frau Bettina häufig in schicken Urlaubsanlagen befreundeter Unternehmer Ferien machten. Auch bei seinem Hauskauf ließ sich Wulff zunächst vom befreundeten Unternehmerpaar Geerkens mit einem günstigen Kredit helfen, später dann von der BW-Bank. Auch bei Autos, Parties, Flügen und Hotels nahm Wulff gern Vergünstigungen entgegen (ein Überblick über alle Vergünstigungen hier).
Unterdessen bestätigte die Berliner Staatsanwaltschaft einen Bericht des "Tagesspiegels", wonach die Behörde prüft, ob es im Zusammenhang mit der Nutzung von Kleidern einen Anfangsverdacht gegen Wulffs Ehefrau Bettina gibt. Es gebe allerdings noch keine Ermittlungen und kein Verfahren, sagte ein Sprecher.
Bundespräsident Christian Wulff hat bisher nicht auf Anfragen der Redaktion geantwortet. Sein Anwalt verwies auf Wulffs derzeitige Auslandsreise. Er sei kurzfristig nicht erreichbar.
lgr/dpa