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20.02.2012
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Gaucks Partnerin

First Lady ohne Trauschein

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Foto: Getty Images

Daniela Schadt ist seit zwölf Jahren die Frau an der Seite von Joachim Gauck - die klassische First Lady wird sie wohl nicht werden: Bisher sind die beiden weder verheiratet noch leben sie zusammen. Und für die Klatschspalten taugt die Politikjournalistin auch nicht - anders als ihre Vorgängerin.

Hamburg - "Viel, viel Kraft" - das waren die Wünsche, die Daniela Schadt Bettina Wulff mit auf den Weg gab, als sie die neue First Lady auf der Besuchertribüne des Bundestags umarmte. Das war am 30. Juni 2010. Da stand nach drei langen Wahlgängen endlich fest: Christian Wulff ist neuer Bundespräsident, Joachim Gauck, ihr Lebensgefährte, der Wahlverlierer. Schadt sagte später dazu: "Mit so vielen zusätzlichen Stimmen für Jochen hätte ich nicht gerechnet." Und gab zu: "Als Privatmensch bin ich mehr erleichtert als traurig."

Nun eineinhalb Jahre später braucht Schadt nun selbst Kraft. CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne haben Gauck gemeinsam aufgestellt, um dem Amt an der Spitze des Staates nach der Wulff-Affäre Würde und Respekt zurückbringen. Mit Schadt steht dem künftigen Konsens-Bundespräsidenten dabei eine Frau zur Seite, die von ihren Kollegen als "unorthodox" beschrieben wird.

Die 52-Jährige arbeitet bei der "Nürnberger Zeitung", dem eher konservativen Schwesterblatt der sozialdemokratischen "Nürnberger Nachrichten". Sie leitet dort das Innenpolitik-Ressort. Es war eine ihrer Kolleginnen, die sie am Sonntagabend im Zug von Wien nach Nürnberg erreichte und informierte, dass Gauck demnächst wohl Staatsoberhaupt sein wird.

Für Schadt bedeutet die Nachricht, dass sie ihren Beruf ruhen lassen wird. "Daniela ist eine erwachsene, politikerfahrene Frau, der klar ist, dass sie als Partnerin des Bundespräsidenten nicht weiter als Ressorleiterin Innenpolitik in ihrer Zeitung arbeiten könnte", sagte Gauck 2010.

Politischer Kopf

Eine Entscheidung, die Schadt nicht leichtfallen dürfte. Seit 26 Jahren arbeitet sie bei der "Nürnberger Zeitung". Sie habe nie etwas anderes machen wollen als Zeitung, verriet sie im Wahlkampf 2010. "Wir schwanken zwischen Stolz und Bedauern, Frau Schadt ist unsere wichtigste Kommentatorin", so Chefredakteur Raimund Kirch, bei dem seit Sonntag das Telefon nicht mehr stillsteht.

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Journalistin Daniela Schadt: Die Frau an Gaucks Seite
Schadt stammt aus Hessen, studierte nach dem Abitur in Frankfurt am Main Germanistik, Politik und französische Literatur. Für das Volontariat wechselte sie nach Franken. Ihre Kollegen schildern sie als fröhliche und charmante Frau, die herzlich lachen kann, als liberale Konservative, die "keine Scheuklappen hat", als "kämpferische und hartnäckige Journalistin". "Wenn ihr ein Thema am Herzen liegt, dann ficht sie es durch", erzählt Chefredakteur Kirch. Schadt wird nach Meinung ihrer Kollegen vermutlich mehr sein als nur die Frau an Gaucks Seite: Schadt sei ein politischer Kopf, sie schalte sich gerne in Diskussionen ein.

Seit 2000 ist die Journalistin mit dem 20 Jahre älteren Gauck liiert. Kennengelernt haben sich die beiden in Nürnberg bei einem seiner Vorträge als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Ihr Privatleben behandelt Daniela Schadt stets diskret. Über ihren Lebenspartner sagte sie im Wahlkampf 2010: "Das Schöne an Joachim Gauck ist, dass er wirklich mutig ist und dass er nicht flau ist, dass er sehr begeisterungsfähig ist."

"Frei von jedweden Allüren"

Daniela Schadt fährt gern Bahn - und bei Wind und Wetter Fahrrad. Sie liest viel und hört klassische Musik. Anders als Bettina Wulff wird sich ihre Nachfolgerin wohl kaum vom Boulevard inszenieren lassen. Homestorys in Illustrierten sind mit Schadt kaum denkbar, sie gilt als bescheiden. "Frau Schadt ist eine Frau frei von jedweden Allüren, sie will nicht immer in der ersten Reihe stehen", sagt Siegfried Zelnhefer, Vorsitzender des Nürnberger Presseclubs, in dem sich Schadt seit Jahren im Vorstand engagiert.

Das Ehrenamt wird sie nun wohl auch aufgeben. Bisher haben sie und Gauck eine Wochenendbeziehung geführt, pendelten zwischen Berlin und Nürnberg hin und her, wo Schadt in einer Wohnung im Stadtzentrum lebt. Die Dienstvilla des Bundespräsidenten in Berlin-Dahlem wird sie wohl zusammen mit Gauck beziehen. "Aus der Fernbeziehung würde dann eine Nahbeziehung werden", sagte er vor zwei Jahren. Eine schnelle Heirat hatte er damals ausgeschlossen, "eine spätere nicht unbedingt".

Nun wird wieder über eine Hochzeit der beiden spekuliert. Dazu müsste Gauck sich allerdings erst von der Mutter seiner vier Kinder scheiden lassen. Von ihr lebt er seit 1991 getrennt.

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insgesamt 67 Beiträge
1. kein Titel vorhanden
Berlin1261 20.02.2012
Also, ich finde, es gibt an dem Kandidaten selbst genug zu bemängeln, sein vor sich hergetragenes Bürgerrechtlergehabe, seine Äußerungen zur Oder-Neiße-Grenze bzw. die Schuld der Kommunisten daran, seine Äußerungen zu [...]
Zitat von sysopdapdDaniela Schadt ist seit zwölf Jahren die Frau an der Seite von Joachim Gauck - die klassische First Lady wird sie wohl nicht werden: Bisher sind die beiden weder verheiratet noch lebt sie mit ihm zusammen. Und für die Klatschspalten taugt die Politikjournalistin auch nicht - anders als ihre Vorgängerin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816426,00.html
Also, ich finde, es gibt an dem Kandidaten selbst genug zu bemängeln, sein vor sich hergetragenes Bürgerrechtlergehabe, seine Äußerungen zur Oder-Neiße-Grenze bzw. die Schuld der Kommunisten daran, seine Äußerungen zu Demonstrationen usw., seine persönliche Partnersituation ob mit oder ohne Trauschein ist eigentlich völlig unerheblich.
2. viel Glück
earl grey 20.02.2012
Es heisst ja, dass man sehr viel über einen Mann erfährt, wenn sich sich seine Frau anschaut - diese Frau ist mir höchst sympathisch. Ich glaube wir haben jetzt endlich einen wirklichen Bundespräsidenten - und Frau [...]
Zitat von sysopdapdDaniela Schadt ist seit zwölf Jahren die Frau an der Seite von Joachim Gauck - die klassische First Lady wird sie wohl nicht werden: Bisher sind die beiden weder verheiratet noch lebt sie mit ihm zusammen. Und für die Klatschspalten taugt die Politikjournalistin auch nicht - anders als ihre Vorgängerin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816426,00.html
Es heisst ja, dass man sehr viel über einen Mann erfährt, wenn sich sich seine Frau anschaut - diese Frau ist mir höchst sympathisch. Ich glaube wir haben jetzt endlich einen wirklichen Bundespräsidenten - und Frau Schadt als First Lady könnte nicht besser dazu passen. Ich wünsche beiden die Kraft für diese Aufgabe und viel Glück.
3.
Matthias_H 20.02.2012
Sicherlich wollen Sie diese Bemängelungspunkte jetzt auch noch anhand von Originalzitaten belegen, um Ihrem Beitrag wenigstens ein bisschen Substanz zu verleihen und nicht wie ein Nachplapperer dazustehen.
Zitat von Berlin1261Also, ich finde, es gibt an dem Kandidaten selbst genug zu bemängeln, sein vor sich hergetragenes Bürgerrechtlergehabe, seine Äußerungen zur Oder-Neiße-Grenze bzw. die Schuld der Kommunisten daran, seine Äußerungen zu Demonstrationen usw., seine persönliche Partnersituation ob mit oder ohne Trauschein ist eigentlich völlig unerheblich.
Sicherlich wollen Sie diese Bemängelungspunkte jetzt auch noch anhand von Originalzitaten belegen, um Ihrem Beitrag wenigstens ein bisschen Substanz zu verleihen und nicht wie ein Nachplapperer dazustehen.
4. wo finden wir ein FKK-Foto von Beiden?
sokrates1950 20.02.2012
Mit Sicherheit bekleidet Daniela Schadt den zukünftigen BP auch zum FKK-Strand: Gauck zum Thema Nacktscanner und FKK: Der Staat darf nicht zum Spitzel werden - Geheimdokumente - derStandard.at [...]
Zitat von sysopdapdDaniela Schadt ist seit zwölf Jahren die Frau an der Seite von Joachim Gauck - die klassische First Lady wird sie wohl nicht werden: Bisher sind die beiden weder verheiratet noch lebt sie mit ihm zusammen. Und für die Klatschspalten taugt die Politikjournalistin auch nicht - anders als ihre Vorgängerin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816426,00.html
Mit Sicherheit bekleidet Daniela Schadt den zukünftigen BP auch zum FKK-Strand: Gauck zum Thema Nacktscanner und FKK: Der Staat darf nicht zum Spitzel werden - Geheimdokumente - derStandard.at (http://derstandard.at/1291454160226/Diskussion-im-Burgtheater-Der-Staat-darf-nicht-zum-Spitzel-werden)
5. Endlich zwei Erwachsene!
altundgrau 20.02.2012
Es wäre die erste Frau, die ihren Mann nicht prägt - und was man liest und hört: Mit ihr hätten auch wir die Richtige.
Zitat von sysopdapdDaniela Schadt ist seit zwölf Jahren die Frau an der Seite von Joachim Gauck - die klassische First Lady wird sie wohl nicht werden: Bisher sind die beiden weder verheiratet noch lebt sie mit ihm zusammen. Und für die Klatschspalten taugt die Politikjournalistin auch nicht - anders als ihre Vorgängerin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816426,00.html
Es wäre die erste Frau, die ihren Mann nicht prägt - und was man liest und hört: Mit ihr hätten auch wir die Richtige.

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Wer wählt den Bundespräsidenten?
Die Bundesversammlung, die sich aus den Abgeordneten des Bundestages und einer gleichen Zahl von Wahlmännern beziehungsweise -frauen aus den Ländern zusammensetzt. Letztere werden von den Länderparlamenten entsprechend den jeweiligen politischen Stärkeverhältnissen gewählt. Derzeit gehören dem Parlament 620 Abgeordnete an. Die Bundesversammlung umfasst somit 1240 Wahlleute.
Wie wird gewählt?
Das Staatsoberhaupt wird geheim und ohne vorherige Aussprache gewählt. Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Die Wiederwahl ist einmal möglich. Wählbar ist jeder Deutsche, sofern er das 40. Lebensjahr vollendet hat. Sollte kein Bewerber im ersten oder zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, reicht im dritten Wahlgang die relative Mehrheit. Drei Mal waren bislang drei Wahlgänge erforderlich: 1969 bei Gustav Heinemann, 1994 bei Roman Herzog und 2010 bei Christian Wulff.
Wann wird gewählt?
Laut Gesetz muss die Bundesversammlung spätestens 30 Tage vor dem Ende der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammentreten. Sollte eine Amtszeit verfrüht enden muss die Bundesversammlung spätestens dreißig Tage später den Nachfolger wählen. Als spätester Termin für die Neuwahl kommt somit der 18. März in Frage. Einberufen wird die Versammlung vom Bundestagspräsidenten.
Wer hat die Mehrheit?
Die parteipolitische Mehrheit der Bundesversammlung muss nicht identisch sein mit den Mehrheitsverhältnissen im Bundestag. Nach Berechnungen des Portals wahlrecht.de hätte Schwarz-Gelb derzeit nur eine Mehrheit von zwei bis vier Stimmen in der Bundesversammlung. Da SPD und Grüne mit im Boot sind, gilt die Wahl von Joachim Gauck als sicher.

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