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20.02.2012
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Nächtlicher Präsidenten-Poker

"Ist das Gaucks Handy-Nummer?"

dapd

Kanzlerin Merkel (Archivbild): "Ist das seine Nummer?"

Es war eine historische Sitzung: Im Kanzleramt einigten sich am Sonntagabend Kanzlerin Angela Merkel und andere Parteichefs auf Joachim Gauck als Kandidaten. Bei dem Treffen kam es zu anrührenden, aber auch kuriosen Szenen.

Berlin - Wie wird eigentlich ein Präsidentschaftskandidat gekürt? Der vergangene Sonntag wird allen Beteiligten mit Sicherheit in lebhafter Erinnerung bleiben. Während des Pokers um die Kandidatur von Joachim Gauck ging es zwischen den Parteiführern von CDU, CSU auf der einen und FDP, SPD und Grünen auf der anderen Seite stundenlang hin und her - es wurde telefoniert, gesimst, verhandelt. Die entscheidende Sitzung begann dann um 20.30 Uhr im Kanzleramt. Es war ein historisches Zusammentreffen.

Eigentlich hatte Angela Merkel die Chefs der anderen Parteien für 20 Uhr eingeladen. Weil sie innerhalb ihrer Koalition aber um 19 Uhr immer noch keinen Konsens hergestellt hatte, wollte sie mit SPD-Chef Sigmar Gabriel eine neue Uhrzeit ausmachen. Der ging aber nicht ans Telefon. Sie versuchte es bei Jürgen Trittin auf dem Handy, er informierte dann die anderen über die Verschiebung des Treffens um eine halbe Stunde.

Man traf sich schließlich im Kleinen Kabinettssaal des Kanzleramts. Der Koch des Kanzleramtes hatte mitbekommen, dass es ein Treffen geben sollte, und war eigens in die Küche geeilt, um den Gästen der Regierungschefin deftige Hausmannskost zu servieren - Buletten und Kartoffelsalat. Alkohol wurde nicht ausgeschenkt. "Das hätte es bei Schröder nicht gegeben", bemerkte ein rot-grüner Gast scherzhaft.

Dann kam die Kanzlerin zur Sache. Gauck solle es werden, verkündete sie kurzum. Sie werde ihn nun anrufen. Dummerweise war sich Merkel aber nicht sicher, ob sie die richtige Nummer von Gauck in ihrem Handy eingespeichert hatte. Offenbar hatte sie länger keinen Kontakt zu ihm gehabt. "Ist das seine Nummer?", fragte sie Grünen-Mann Trittin. Der zückte ebenfalls sein Handy - man verglich die Nummern. Sie stimmte. Merkel rief Gauck an, doch beim ersten Versuch erreichte sie ihn nicht. Gauck war gerade auf dem Rückweg von einer Reise nach Wien und hatte offenbar sein Handy nicht eingeschaltet. Merkel hinterließ eine Nachricht auf der Mailbox mit der Bitte um Rückruf.

Kontakt mit Gauck im Taxi

Schließlich kam der Kontakt mit Gauck im Taxi doch noch zustande, Merkel bat ihn ins Kanzleramt zu der Besprechung. Nun saß man beieinander und musste auf den Kandidaten warten. Was tun? Gab es noch etwas zu besprechen? Die Runde geriet ins Plaudern. Merkel berichtete über den Stand der Griechenland-Verhandlungen.

Dann schließlich erschien Gauck: Er betrat den Kabinettssaal und war sichtlich ergriffen. "Er weinte", erinnert sich ein Teilnehmer - vor Rührung. Er gab der Kanzlerin die Hand, dann reihum den anderen Parteichefs. Claudia Roth umarmte ihn. Das macht sie fast bei jedem. Gauck erklärte sich bereit, die Kandidatur zu übernehmen, bedankte sich bei allen Anwesenden für die Unterstützung. Alle freuten sich, die Stimmung war plötzlich sehr gelöst.

Zwei Sachen müsse er als Präsident künftig beachten, rieten ihm Teilnehmer aus der Runde scherzhaft: "Gehen Sie nicht mehr selbst ans Handy. Und vor allem: Sprechen Sie niemandem auf die Mailbox."

ron

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insgesamt 57 Beiträge
1.
joe65 20.02.2012
Wenn die Geschichte so stimmt: Manchmal erkennt man- das sind ja richtige Menschen - die können ja miteinander reden und es kommt, im Gegensatz zum ständigen Parteienzank, auch was dabei raus. Eine gute Wahl- basta.
Zitat von sysopDPAEs war eine historische Sitzung: Im Kanzleramt einigten sich am Sonntagabend Kanzlerin Angela Merkel und andere Parteichefs auf Joachim Gauck als Kandidaten. Bei dem Treffen kam es zu anrührenden, aber auch kuriosen Szenen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816452,00.html
Wenn die Geschichte so stimmt: Manchmal erkennt man- das sind ja richtige Menschen - die können ja miteinander reden und es kommt, im Gegensatz zum ständigen Parteienzank, auch was dabei raus. Eine gute Wahl- basta.
2. gute Wahl
ja nee is klar 20.02.2012
meine Meinung nach das wohl beste, was Deutschland passieren konnte. Nicht zuletzt, weil er das perfekte Gegenstück zu Wulff ist.
Zitat von joe65Wenn die Geschichte so stimmt: Manchmal erkennt man- das sind ja richtige Menschen - die können ja miteinander reden und es kommt, im Gegensatz zum ständigen Parteienzank, auch was dabei raus. Eine gute Wahl- basta.
meine Meinung nach das wohl beste, was Deutschland passieren konnte. Nicht zuletzt, weil er das perfekte Gegenstück zu Wulff ist.
3. Womit auch klar wäre
vask 20.02.2012
warum man sich direkt gespart hat die Linke einzuladen. Die Entscheidung stand ohnehin schon fest und man wollte sich nur mal zu Bulette und Kartoffelsalat treffen. Großartiges System, das wir da haben.
warum man sich direkt gespart hat die Linke einzuladen. Die Entscheidung stand ohnehin schon fest und man wollte sich nur mal zu Bulette und Kartoffelsalat treffen. Großartiges System, das wir da haben.
4.
symolan 20.02.2012
die hätten auch nur rumgezickt und die stimmung kaputt gemacht.
Zitat von vaskwarum man sich direkt gespart hat die Linke einzuladen. Die Entscheidung stand ohnehin schon fest und man wollte sich nur mal zu Bulette und Kartoffelsalat treffen. Großartiges System, das wir da haben.
die hätten auch nur rumgezickt und die stimmung kaputt gemacht.
5. -
tim-quasineutral 20.02.2012
Haben Sie bisher etwa gedacht, Politiker wären keine richtige Menschen? Was glauben Sie denn? So wie sich mitunter öffentlich beharkt wird, genauso friedlich (oder eben auch nicht, es ist ja nicht mit jedem gut auuszukommen) [...]
Zitat von joe65Wenn die Geschichte so stimmt: Manchmal erkennt man- das sind ja richtige Menschen - die können ja miteinander reden und es kommt, im Gegensatz zum ständigen Parteienzank, auch was dabei raus. Eine gute Wahl- basta.
Haben Sie bisher etwa gedacht, Politiker wären keine richtige Menschen? Was glauben Sie denn? So wie sich mitunter öffentlich beharkt wird, genauso friedlich (oder eben auch nicht, es ist ja nicht mit jedem gut auuszukommen) geht es sont zu, wenn mal keine Kameras oder Mikrofone da sind.

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Die parteipolitische Mehrheit der Bundesversammlung muss nicht identisch sein mit den Mehrheitsverhältnissen im Bundestag. Nach Berechnungen des Portals wahlrecht.de hätte Schwarz-Gelb derzeit nur eine Mehrheit von zwei bis vier Stimmen in der Bundesversammlung. Da SPD und Grüne mit im Boot sind, gilt die Wahl von Joachim Gauck als sicher.

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