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22.02.2012
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Bundespräsidentenwahl

Linke liebäugeln mit Nazijägerin Klarsfeld als Kandidatin

Von und
ddp images/ SIPA

Beate Klarsfeld: Geschichte geschrieben

Es wäre eine symbolische Kandidatur: Die Nazijägerin Beate Klarsfeld könnte auf Vorschlag der Linken gegen Joachim Gauck als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten antreten. Die Personalie ist noch nicht entschieden. Doch hinter den Kulissen werden mit ihr Gespräche geführt.

Berlin - Es gibt ein verwackeltes, unscharfes Bild, das in die Annalen der Republik eingegangen ist. Eine junge Frau, damals 29 Jahre alt, ohrfeigt Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger auf dem CDU-Parteitag in West-Berlin. Die Frau wurde auf einen Schlag berühmt: Beate Klarsfeld. Mit ihrer Ohrfeige am 7. November 1968 wollte sie auf die NS-Vergangenheit Kiesingers hinweisen, der einst Mitglied der NSDAP gewesen war.

Zuletzt war es um Klarsfeld, die 1939 in Berlin geboren wurde, ein wenig still geworden. Nun könnte die resolute Frau als Kandidatin gegen Joachim Gauck ins Rennen geschickt werden. Klarsfeld, die in Paris und Berlin lebt, ist bei der Linkspartei im Gespräch. Deren Chefin Gesine Lötzsch hat nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bereits mit der 73-Jährigen telefoniert. Und Klarsfeld hat ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärt, am 18. März in der Bundesversammlung anzutreten, heißt es in der Partei.

Lötzsch erklärte auf Anfrage, sie führe derzeit "viele Telefonate". Einzelheiten wollte sie nicht nennen. In der Linken sei die Entscheidung über einen möglichen Kandidaten oder eine Kandidatin am 18. März "absolut offen". Eine mögliche Kandidatur des Kabarettisten Georg Schramm ist mittlerweile ausgeschlossen - am Mittwoch sagte er ab.

Über einen möglichen Gegenkandidaten zu Gauck will die Linke am Donnerstag entscheiden. Dann kommen hierzu Parteivorstand, Fraktionsvorstand und Vertreter der Landesverbände im Karl-Liebknecht-Haus, der Parteizentrale in Berlin, zusammen. Klarsfeld dürfte gute Chancen haben. Lötzsch betonte, dass sich ihre Partei mit Klarsfeld "eng verbunden" fühle. In der Vergangenheit habe es bereits mehrere Veranstaltungen der Linken mit Klarsfeld gegeben. Die Partei habe auch das Bundesverdienstkreuz für die Nazi-Jägerin beantragt.

Das Bundespräsidialamt hatte zuletzt eine entsprechende Ehrung Klarsfelds verhindert. Nicht zum ersten Mal. Seit Jahren landet Klarsfeld aus der Vorschlagsliste, seit Jahren wird sie abgelehnt. Darüber hatte sich Linken-Chefin Lötzsch in ihrer Rede auf dem Landesparteitag der Brandenburger Linken am vergangenen Sonntag empört. Dies spreche "Bände über die Zustände in unserem Land". In ihrer Rede hatte Lötzsch auch diesen Satz gesagt: "Wenn ich mir eine Bundespräsidentin wünschen dürfte, dann wäre es eine Frau wie Beate Klarsfeld."

Für Klarsfeld bleibt bis heute das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ein Dreh- und Angelpunkt ihrer Tätigkeit. Ihr Mann Serge Klarsfeld, ein Franzose, hatte die deutsche Besatzung in Frankreich überlebt, sein Vater war im Versteck entdeckt und von den Deutschen in Auschwitz umgebracht worden. In den letzten Jahrzehnten hatte sich das Ehepaar Klarsfeld das Aufspüren untergetauchter Nazi-Täter zur Hauptaufgabe gemacht. Klarsfeld ist es unter anderem zu verdanken, dass etwa dem brutalen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, in Frankreich der Prozess gemacht werden konnte.

Gaucks Team schält sich heraus

Sollte Klarsfeld in der Bundesversammlung antreten, wird sie sich wie Gauck den Fraktionen im Bundestag vorstellen und für sich werben. Doch auch sie weiß: Ihre Kandidatur wäre nur symbolischer Art. Denn CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne hatten sich am Sonntag auf den einstigen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck geeinigt. Wegen ihrer kämpferischen Haltung in der Vergangenheit dürfte aber Klarsfeld auch einzelne Stimmen aus den Fraktionen und möglichweise auch von Wahlfrauen- und männern der anderen Parteien bekommen. Vor allem in den Reihen der Grünen gibt es auf dem linken Flügel Kritiker Gaucks, die ihn für zu konservativ halten.

Unterdessen schälen sich erste Konturen eines Teams heraus, das Gauck bei seiner Wahl ins Schloss Bellevue folgen könnte. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird David Gill neuer Staatssekretär im Bundespräsidialamt. Der heutige Jurist war in der Schlussphase der DDR Koordinator des Berliner Komitees für die Auflösung des Staatssicherheitsdienstes, er ist heute stellvertretender Bevollmächtigter des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland. Beide kennen sich gut. Zahlreiche Personalien werden derzeit diskutiert. Bereits ausgeschlossen wird, dass der frühere, langjährige Sprecher der Stasi-Unterlagen-Behörde, Johann Legner, neuer Pressesprecher im Bundespräsidialamt wird.

Wie auch immer die Personalien ausfallen - sollte Gauck am 18. März Bundespräsident sein, könnte er am Ende Beate Klarsfeld sogar Gerechtigkeit widerfahren lassen - und dafür sorgen, dass sie das Bundesverdienstkreuz erhält. Frankreich hat es bereits vorgemacht. Am 9. November vergangenen Jahres, dem Tag der sogenannten Reichskristallnacht von 1938, zeichnete Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Deutsche aus. Und ernannte sie zum Kommandeur des Nationalen Verdienstordens.

Forum

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insgesamt 357 Beiträge
1. och nö,
shizzobi 22.02.2012
des kann jetzt wohl nich wahr sein. Wie ideenreich. Die einen schicken ihren Stasijäger ins rennen und nun kommen die Linken und meinen damit was reissen zu können. Hr. Schramm wäre die bessere Wahl.
Zitat von sysopEs wäre eine symbolische Kandidatur: Die Nazijägerin Beate Klarsfeld könnte auf Vorschlag der Linken gegen Joachim Gauck als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten antreten. Die Personalie ist noch nicht entschieden. Doch hinter den Kulissen werden mit ihr Gespräche geführt. Bundespräsidentenwahl: Linke*liebäugeln mit Nazijägerin Klarsfeld als Kandidatin - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816834,00.html)
des kann jetzt wohl nich wahr sein. Wie ideenreich. Die einen schicken ihren Stasijäger ins rennen und nun kommen die Linken und meinen damit was reissen zu können. Hr. Schramm wäre die bessere Wahl.
2. Respekt
Europa! 22.02.2012
Beate Klarsfeld - das wäre eine gute Kandidatin. Die Linke scheint mehr kluge Köpfe zu haben, als manche Leute denken.
Zitat von sysopEs wäre eine symbolische Kandidatur: Die Nazijägerin Beate Klarsfeld könnte auf Vorschlag der Linken gegen Joachim Gauck als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten antreten. Die Personalie ist noch nicht entschieden. Doch hinter den Kulissen werden mit ihr Gespräche geführt. Bundespräsidentenwahl: Linke*liebäugeln mit Nazijägerin Klarsfeld als Kandidatin - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816834,00.html)
Beate Klarsfeld - das wäre eine gute Kandidatin. Die Linke scheint mehr kluge Köpfe zu haben, als manche Leute denken.
3. Warum nicht Wiesenthal?
stampler2 22.02.2012
Wenn man sie ins Gespräch bringt, muss man natürlich auch über Wiesenthal nachdenken. Es ist zumindest ein Schritt in die rechte Richtung.
Wenn man sie ins Gespräch bringt, muss man natürlich auch über Wiesenthal nachdenken. Es ist zumindest ein Schritt in die rechte Richtung.
4. Wenn man sich beliebäugeln lassen will...
Stuhlbeinsäger 22.02.2012
... soll man das gern tun. Ich wäre mir für so ein Spielchen zu schade.
... soll man das gern tun. Ich wäre mir für so ein Spielchen zu schade.
5. Klarsfeld
ip- 22.02.2012
Eine sehr schoene und intelligente Geste, auch an Frau Klarsfeld. Das Land braucht mehr solcher Menschen.
Zitat von sysopEs wäre eine symbolische Kandidatur: Die Nazijägerin Beate Klarsfeld könnte auf Vorschlag der Linken gegen Joachim Gauck als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten antreten. Die Personalie ist noch nicht entschieden. Doch hinter den Kulissen werden mit ihr Gespräche geführt. Bundespräsidentenwahl: Linke*liebäugeln mit Nazijägerin Klarsfeld als Kandidatin - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816834,00.html)
Eine sehr schoene und intelligente Geste, auch an Frau Klarsfeld. Das Land braucht mehr solcher Menschen.

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Die Bundesversammlung, die sich aus den Abgeordneten des Bundestages und einer gleichen Zahl von Wahlmännern beziehungsweise -frauen aus den Ländern zusammensetzt. Letztere werden von den Länderparlamenten entsprechend den jeweiligen politischen Stärkeverhältnissen gewählt. Derzeit gehören dem Parlament 620 Abgeordnete an. Die Bundesversammlung umfasst somit 1240 Wahlleute.
Wie wird gewählt?
Das Staatsoberhaupt wird geheim und ohne vorherige Aussprache gewählt. Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Die Wiederwahl ist einmal möglich. Wählbar ist jeder Deutsche, sofern er das 40. Lebensjahr vollendet hat. Sollte kein Bewerber im ersten oder zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, reicht im dritten Wahlgang die relative Mehrheit. Drei Mal waren bislang drei Wahlgänge erforderlich: 1969 bei Gustav Heinemann, 1994 bei Roman Herzog und 2010 bei Christian Wulff.
Wann wird gewählt?
Laut Gesetz muss die Bundesversammlung spätestens 30 Tage vor dem Ende der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammentreten. Sollte eine Amtszeit verfrüht enden muss die Bundesversammlung spätestens dreißig Tage später den Nachfolger wählen. Als spätester Termin für die Neuwahl kommt somit der 18. März in Frage. Einberufen wird die Versammlung vom Bundestagspräsidenten.
Wer hat die Mehrheit?
Die parteipolitische Mehrheit der Bundesversammlung muss nicht identisch sein mit den Mehrheitsverhältnissen im Bundestag. Nach Berechnungen des Portals wahlrecht.de hätte Schwarz-Gelb derzeit nur eine Mehrheit von zwei bis vier Stimmen in der Bundesversammlung. Da SPD und Grüne mit im Boot sind, gilt die Wahl von Joachim Gauck als sicher.

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