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24.02.2012
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Rücktritte von Köhler und Wulff

"Burkina Faso gibt die Hoffnung nicht auf"

REUTERS

Burkina Fasos Präsident Compaoré: Warten auf den deutschen Bundespräsidenten

Erst sagte Horst Köhler seinen Besuch ab - Rücktritt! - jetzt Christian Wulff: Rücktritt! Burkina Faso hat kein Glück mit Visiten deutscher Staatsoberhäupter. Doch das afrikanische Land bliebt optimistisch: Gauck wird kommen. Oder?

Berlin/Ouagadougou - Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt - aber die Menschen in dem westafrikanischen Staat sind natürlich ein sehr stolzes Volk. Gerne wollten sie den damaligen Präsidenten Horst Köhler empfangen, um ihn von der Schönheit ihrer Heimat zu überzeugen. Alles war vorbereitet für seinen Besuch im Frühsommer 2010, doch dann musste das Bundespräsidialamt die Reise wegen des Köhler-Rücktritts kurzfristig stornieren. Vor wenigen Tagen dann die nächste Absage aus Berlin: Auch Christian Wulff wird nach seinem Rücktritt natürlich nicht wie geplant am Wochenende nach Burkina Faso reisen und mit Staatsoberhaupt Blaise Compaoré zusammentreffen.

Es ist wie verhext mit den deutschen Präsidenten. Doch an ein schlechtes Omen will man in der Hauptstadt Ouagadougou nicht glauben. Und schon gar nicht an eine Missachtung durch Berlin.

"Zuerst möchten wir klarstellen, dass die doppelte Absage des offiziellen Besuchs eines deutschen Bundespräsidenten in Burkina Faso weder die Folge einer konfliktbeladenen Beziehung noch eine Infragestellung der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Burkina Faso und der Bundesrepublik Deutschland darstellt", teilte die Botschaft der ehemaligen französischen Kolonie Obervolta auf Anfrage mit. Natürlich weiß man Bescheid über die Umstände der Rücktritte von Köhler und Wulff: "Beide deutsche Besuche in Burkina Faso wurden auf Grund von inneren politischen Schwierigkeiten in Deutschland vertagt."

"Ausgezeichnete Beziehungen"

Klar ist aus Sicht Ouagadougous: Zwischen Burkina Faso und Deutschland passt gewissermaßen kein Blatt Papier. "Die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern sind ausgezeichnet, wie die letzten bilateralen Regierungsverhandlungen im Dezember 2011 es gezeigt haben", heißt es aus der Berliner Vertretung.

Nichtsdestotrotz: Traurig ist man in Burkina Faso schon, dass nun schon der zweite Bundespräsident in Folge kurzfristig absagen musste. "Natürlich ruft ein verpasster Termin dieser Bedeutung Gefühle des Bedauerns bei der burkinischen Bevölkerung hervor", teilte die Botschaft mit. Gleichzeitig gibt man sich optimistisch - nach dem Motto: Aller guten Dinge sind drei. "Dennoch gibt das burkinische Volk die Hoffnung nicht auf und wartet immer noch", heißt es.

Aufgeschoben sei ja nicht aufgehoben: "Die Absage eines ersten Besuchs und dann eines zweiten wegen inneren politischen Schwierigkeiten bedeutet für Burkina Faso nicht, dass es keinen offiziellen Besuch mehr geben wird." Das könnte man auch als versteckte Aufforderung an den künftigen Bundespräsidenten Joachim Gauck verstehen.

Wenn Gauck ein Herz für Burkina Faso hat, sollte ihn jedenfalls einer seiner ersten Staatsbesuche nach Ouagadougou führen.

flo/lup

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
1. Wäre schön,
bomdia 24.02.2012
wenn Herr Gauck es schaffen würde, Burkina Faso nicht zu lange warten zu lassen. Dann käme die Kür vielleicht einmal vor der Pflicht.
Zitat von sysopErst sagte Horst Köhler seinen Besuch ab - Rücktritt! - jetzt Christian Wulff: Rücktritt! Burkina Faso hat kein Glück mit Visiten deutscher Staatsoberhäupter. Doch das afrikanische Land bliebt optimistisch: Gauck wird kommen. Oder? Rücktritte von Köhler und Wulff: "Burkina Faso gibt die Hoffnung nicht auf" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817321,00.html)
wenn Herr Gauck es schaffen würde, Burkina Faso nicht zu lange warten zu lassen. Dann käme die Kür vielleicht einmal vor der Pflicht.
2. Bestimmt haben die jetzt mehr Gauck …
wika 24.02.2012
… denn es war ein langer Weg diese Republik so umzubauen dass wir jetzt auch tatsächlich den Begriff BRD mit einem korrekten Inhalt besetzen konnten. Nachdem sich jetzt 5 Fraktionsführer zu einem neuen Präsidenten der „Deutschen“ [...]
… denn es war ein langer Weg diese Republik so umzubauen dass wir jetzt auch tatsächlich den Begriff BRD mit einem korrekten Inhalt besetzen konnten. Nachdem sich jetzt 5 Fraktionsführer zu einem neuen Präsidenten der „Deutschen“ durchringen konnten, lässt die Art und Weise dieses Demokratiespiels erkennen: Wir sind jetzt endgültig, aber erst 20 Jahre nach der freien Entscheidung für die Banane, in der „*B*ananen *R*epublik *D*eutschland“ angekommen. Damit wird es genügend Gemeinsamkeiten geben, als Grundlage für einen bananentragenden Staatsbesuch. Zwecks gerechtem Ausgleich könnten die dortigen Bewohner ebenfalls noch einen Satz abgetragener Latschen schicken, diese werden derzeit schon wieder für Schloss Bellevue benötigt, um unseren neuen Präsidenten der Herzen dort würdig zu begrüßen (http://qpress.de/2012/02/23/umbau-von-schloss-bellevue-zur-gauck-ii-behorde/). Und wenn sich hier schon keine Mehrheit echte Mehrheit in der Bevölkerung für unseren inszenierten Super-Gauck findet, vielleicht sollten wir ihn dann als Dauerleihgabe gleich ganz nach Burkina Faso entsenden … (°!°)
3. Denkmal gewiss.
festuca 24.02.2012
Ein Bundespräsident, der endlich mal wieder diese Gegend besucht, macht sich unsterblich. In N´Djamena (Tschad) gibt es, so berichtete mir ein Rucksacktourist, eine "Rue de President Luebcke". Die dazugehörige [...]
Ein Bundespräsident, der endlich mal wieder diese Gegend besucht, macht sich unsterblich. In N´Djamena (Tschad) gibt es, so berichtete mir ein Rucksacktourist, eine "Rue de President Luebcke". Die dazugehörige legendäre Anrede erspare ich mir...
4. Ironie des Schicksals
flieder2 24.02.2012
Tja, ihr lieben Buerger von Burkina Faso! Wir sind leider im Moment viel zu sehr mit uns selbst beschaeftigt. Der erste Ruecktritt erfolgte weil der BP zu realistisch und pragmatisch war und von den Medien deswegen [...]
Tja, ihr lieben Buerger von Burkina Faso! Wir sind leider im Moment viel zu sehr mit uns selbst beschaeftigt. Der erste Ruecktritt erfolgte weil der BP zu realistisch und pragmatisch war und von den Medien deswegen abgeschossen wurde, der zweite umgab sich allzusehr mit dem Hauch der Korruption und Vetternwirtschaft. Koennt ihr vermutlich nicht verstehen aber so ist das nun mal in Deutschland. Ich empfehle Herrn Gauck als ersten Auslandsbesuch Burkina Faso und danach wuhlen wir in seiner Vergangenheit herum um ihm zu diskreditieren oder verdrehen seine Aussagen ins Laecherliche bis er ermuedet sein Amt aufgibt.
5.
murun 24.02.2012
Genau! Sie mögen die Entscheidung für den neuen Bundespräsidenten nicht, also trifft das auch für Mehrheit der Deutschen zu! So ist es, und soll es sein! (°!°). An Gauck: Als erstes einen Trip nach Burkina Faso planen, das [...]
Zitat von wika... Und wenn sich hier schon keine Mehrheit echte Mehrheit in der Bevölkerung für unseren inszenierten Super-Gauck findet, vielleicht sollten wir ihn dann als Dauerleihgabe gleich ganz nach Burkina Faso entsenden … (°!°)
Genau! Sie mögen die Entscheidung für den neuen Bundespräsidenten nicht, also trifft das auch für Mehrheit der Deutschen zu! So ist es, und soll es sein! (°!°). An Gauck: Als erstes einen Trip nach Burkina Faso planen, das ist der BP den Leuten dort nun mehr als schuldig... ;-)

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Wer wählt den Bundespräsidenten?
Die Bundesversammlung, die sich aus den Abgeordneten des Bundestages und einer gleichen Zahl von Wahlmännern beziehungsweise -frauen aus den Ländern zusammensetzt. Letztere werden von den Länderparlamenten entsprechend den jeweiligen politischen Stärkeverhältnissen gewählt. Derzeit gehören dem Parlament 620 Abgeordnete an. Die Bundesversammlung umfasst somit 1240 Wahlleute.
Wie wird gewählt?
Das Staatsoberhaupt wird geheim und ohne vorherige Aussprache gewählt. Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Die Wiederwahl ist einmal möglich. Wählbar ist jeder Deutsche, sofern er das 40. Lebensjahr vollendet hat. Sollte kein Bewerber im ersten oder zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, reicht im dritten Wahlgang die relative Mehrheit. Drei Mal waren bislang drei Wahlgänge erforderlich: 1969 bei Gustav Heinemann, 1994 bei Roman Herzog und 2010 bei Christian Wulff.
Wann wird gewählt?
Laut Gesetz muss die Bundesversammlung spätestens 30 Tage vor dem Ende der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammentreten. Sollte eine Amtszeit verfrüht enden muss die Bundesversammlung spätestens dreißig Tage später den Nachfolger wählen. Als spätester Termin für die Neuwahl kommt somit der 18. März in Frage. Einberufen wird die Versammlung vom Bundestagspräsidenten.
Wer hat die Mehrheit?
Die parteipolitische Mehrheit der Bundesversammlung muss nicht identisch sein mit den Mehrheitsverhältnissen im Bundestag. Nach Berechnungen des Portals wahlrecht.de hätte Schwarz-Gelb derzeit nur eine Mehrheit von zwei bis vier Stimmen in der Bundesversammlung. Da SPD und Grüne mit im Boot sind, gilt die Wahl von Joachim Gauck als sicher.

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