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25.02.2012
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Gauck-Wahl

Merkels heimlicher Sieg

Ein Debattenbeitrag von Gerd Langguth
dapd

Der Theologe und die Kanzlerin: Joachim Gauck ist für Angela Merkel eine gute Wahl

Wieso hat die Kanzlerin gegenüber der FDP nachgegeben, wieso hat sie sich für Joachim Gauck als Kandidaten für das höchste Staatsamt ausgesprochen? Was zunächst wie eine Schlappe wirkte, ist in Wahrheit ein kluger Schachzug Angela Merkels.

Angela Merkel hat in ihrem politischen Leben bislang nur drei Niederlagen einstecken müssen, davon zwei in ihrer Oppositionszeit: 1991 verlor sie die Wahl zur Landesvorsitzenden der Brandenburgischen CDU, 2002 musste sie Edmund Stoiber bei der CDU-Kanzlerkandidatur den Vortritt lassen, und am vergangenen Sonntag schließlich wurde ihr die Nominierung Joachim Gaucks für das Amt des Bundespräsidenten quasi aufgezwungen. Aber Merkel hat aus ihren Niederlagen gelernt - und wird möglicherweise auch jetzt als heimliche Siegerin dastehen.

Als die Fast-All-Parteien-Koalition aus CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen am Sonntagabend das Podium zur Pressekonferenz im Kanzleramt betraten, sprachen manche von einer herben Niederlage für Angela Merkel. Und vorgeblich haben sie Recht. Ausgerechnet Philipp Rösler und die Umfrage-schwindsüchtige FDP hatten sie düpiert.

Alle wollten - zumindest offiziell - einen überparteilichen Kandidaten - und trotzdem war die Nominierung des zukünftigen Bundespräsidenten Parteipolitik pur:

Was hat Merkel zu ihrer Kursänderung bewogen?

Noch immer sinnt man darüber, wieso die Kanzlerin gegenüber der FDP nachgab, denn sie hatte sich zuvor beharrlich gegen Joachim Gauck als Kandidaten für das höchste Staatsamt ausgesprochen - heute ist klarer, warum. Merkel wird ein langes Gedächtnis haben. Da nach aktuellen Umfragen weder eine rot-grüne Mehrheit und erst recht keine CDU/CSU-FDP-Koalition zustande kommen würden, wird sich Merkel Röslers Ausbruch aus der Koalitionsdisziplin merken, zumal sie schon längst auf der Suche nach eine neuen Koalition sein dürfte.

Gauck ist ein Präsident, der viel konservativer sein dürfte als seine Vorgänger. Er wird Merkel auch keine besonderen politischen Probleme bescheren, außer dass er sie als Redner ab und zu in den Schatten stellen dürfte. Es ist zudem zweifelhaft, ob sich die FDP mit diesem wahltaktischen Manöver aus ihrer desolaten Lage befreien kann.

Wahrscheinlich ist diejenige, die in der Bevölkerung am meisten davon profitiert, eher die Kanzlerin. Nach den aktuellen Umfragen des "ZDF-Politbarometers" geht jedenfalls die Mehrheit der Deutschen davon aus, dass Merkel gestärkt aus der Kandidatennominierung hervorgeht. Nur 29 Prozent sind der Meinung, dass Angela Merkel dadurch politisch geschwächt ist, 65 Prozent glauben das nicht (weiß nicht: 6 Prozent). Merkel kann also zufrieden sein, denn sie hat aus einer vermeintlichen Niederlage vielleicht sogar einen Sieg gemacht.

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insgesamt 157 Beiträge
1. Merkel's Bonus
audumbla 25.02.2012
Frau Merkel musste Gauck nehmen, auch wenn es ihr gegen den Strich ging, aber es ist doch völlig schnuppe, wer gewonnen oder verloren hat. Hoffentlich haben wir bald einen von den meisten Deutschen geachteten Bundespräsidenten [...]
Frau Merkel musste Gauck nehmen, auch wenn es ihr gegen den Strich ging, aber es ist doch völlig schnuppe, wer gewonnen oder verloren hat. Hoffentlich haben wir bald einen von den meisten Deutschen geachteten Bundespräsidenten der die beiden letzten uns vergessen macht.
2. Ja logo
Europa! 25.02.2012
Natürlich passt Gauck in das Konzept der Kanzlerin. Sie hat eine alte Judoregel befolgt: Lass dich zu etwas zwingen, was du ohnehin wolltest. Ob das alles den Bürgern zu viel protestantisches Preußen ist, hängt davon ab, [...]
Zitat von sysopdapdScheitern als Chance: Angela Merkel macht den dritten Versuch, einen geeigneten Kandidaten für das höchste Staatsamt zu finden. Diesmal kommt es darauf an, die Opposition klug einzubinden. Wenn die Kanzlerin alles richtig macht, könnte sie sogar gestärkt aus dem Präsidentendebakel hervorgehen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817526,00.html
Natürlich passt Gauck in das Konzept der Kanzlerin. Sie hat eine alte Judoregel befolgt: Lass dich zu etwas zwingen, was du ohnehin wolltest. Ob das alles den Bürgern zu viel protestantisches Preußen ist, hängt davon ab, wen die Parteien zur nächsten Bundestagswahl präsentieren. Ein de Maiziere, ein Steinbrück, ein Steinmeier, ein Trittin, ein Gisy - das reicht vielleicht nicht. Da müssen schon auch noch eine von der Leyen, eine Schröder, eine Nahles und eine Wagenknecht ran. Und ganz viele neue Talente, die wir vielleicht noch gar nicht kennen.
3. Falsche Rücksicht
Marita 25.02.2012
Vielleicht war alles ja auch nur ein Missverständnis: Merkel meinte aus Rücksicht auf ihre - vor allem katholischen - Parteifreunde, Gauck nicht unterstützen zu können. Und ihre Parteifreunde meinten, man könne Merkel keinen [...]
Vielleicht war alles ja auch nur ein Missverständnis: Merkel meinte aus Rücksicht auf ihre - vor allem katholischen - Parteifreunde, Gauck nicht unterstützen zu können. Und ihre Parteifreunde meinten, man könne Merkel keinen Gesichtsverlust zumuten, wenn man nach Wulff jetzt zu Gauck umschwenken würde. So könnte es sein, dass Merkel insgeheim gar nicht so unglücklich über das Vorpreschen der FDP war. Indizien dafür: Gauck sprach von der "Zuneigung" Merkels für ihn. Ein starkes Wort. Und auch Rösler deutete an, er habe den Eindruck gebabt, Merkel sei gar nicht so sehr gegen Gauck gewesen.
4. Jamaika?
emil tischbein 25.02.2012
"Jamaika" soll aus Rot, Grün und Gelb bestehen? Da hat der Autor - neben einigen anderem - wohl die Farben durcheinandergebracht. Und auch ansonsten ist seine Dialektik - auf die er nach dieser Woche [...]
"Jamaika" soll aus Rot, Grün und Gelb bestehen? Da hat der Autor - neben einigen anderem - wohl die Farben durcheinandergebracht. Und auch ansonsten ist seine Dialektik - auf die er nach dieser Woche überbordender Interpretationsversuche keinen Exklusivanspruch hat - schon sehr merkwürdig. Vielmehr ist es so, daß sich Mutti an diesem Abend in ihrer Listigkeit verstrickt hat. Vieles, was bei ihr vordergründig als "Klugheit" daherkommt, ist reines Machtdenken und den Punkt hat Rösler mit dem Rücken an der Wand durch Zufall mal erwischt. Neben Gauck wird ihre Prinzipienlosigkeit künftig offenbar und das ist (endlich) auch gut so!
5. Hü Hott..
allmendinger_ 25.02.2012
Ist es der Spiegelredaktion nicht langsam peinlich ? Entsprechend zur Berichterstattung über die Lage in Deutschland - einen Tag Top, am anderen FLOP - geht es jetzt mit Merkel und Gauck weiter ! Ich erinnere mich da an diesen [...]
Ist es der Spiegelredaktion nicht langsam peinlich ? Entsprechend zur Berichterstattung über die Lage in Deutschland - einen Tag Top, am anderen FLOP - geht es jetzt mit Merkel und Gauck weiter ! Ich erinnere mich da an diesen Artikel Neuer Präsident Gauck: Merkels größte Schmach - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816392,00.html) ;) "Merkels größte Schmach Angela Merkel verkauft das Tauziehen um den künftigen Bundespräsidenten als kluges Einlenken, doch in Wahrheit hat ihr die Personalie Gauck die bitterste Niederlage ihrer Amtszeit eingebracht. FDP, SPD und Grüne haben das Machtspiel gewonnen - die Kanzlerin ist massiv geschwächt. "

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