23.04.2012
Rechtsextremismus
Grünen-Politiker attestieren Piraten Abgrenzungsproblem
Grünen-Politiker Beck: "Schuldig, wenn sie sie auch in der Partei dulden"
Berlin - Mehrere Grünen-Politiker haben den Umgang der Piratenpartei mit Rechtsextremen scharf kritisiert. Zwar habe die übergroße Mehrheit der Parteimitglieder mit Rechtsextremismus nichts am Hut, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Doch hätten die Piraten "ein echtes Abgrenzungsproblem. Denn viele von ihnen glauben, jede Meinung gelten lassen zu müssen, selbst in der eigenen Partei, auch wenn sie diese Meinung selbst ekelhaft finden."
Beck zufolge versuchen Rechtsextremisten, die Piratenpartei zu unterwandern. Das sei bei einer neuen Partei nicht überraschend, daran seien die Piraten auch nicht schuld. "Schuldig machen sie sich nur, wenn sie sie auch in der Partei dulden", sagte der Grünen-Politiker.
Grünen-Chefin Claudia Roth forderte die Piraten auf, ihre fundamentalen Werte "glasklar und unmissverständlich demokratisch" zu definieren. In Richtung Rechtsextremismus müsse eine unverrückbare Grenze gezogen werden, so Roth in der "Welt".
Um den Umgang der Piratenpartei mit Rechtsextremismus wird seit geraumer Zeit diskutiert. Befeuert wurde die Debatte am Sonntag durch den parlamentarischen Geschäftsführer der Piratenfraktion in Berlin, Martin Delius, der den Aufstieg der Piraten mit dem der NSDAP verglich.Grünen-Chefin Roth bezeichnete die Äußerung als "ungeheuerliche Grenzüberschreitung". Offenbar sei die Piratenpartei ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gewachsen.
Der Vergleich von Delius hatte auch in den eigenen Reihen für große Empörung gesorgt. Die Emotionen schlugen so hoch, dass Bundesvize Bernd Schlömer mit mahnenden Worten eingriff: "Zusammenhalten Piraten!!" Delius zog wegen der heftigen Reaktionen schließlich seine Kandidatur für den Bundesvorstand der Partei zurück.
Delius' Worte sind schon der zweite NSDAP-Vergleich eines führenden Piraten binnen einer Woche. Der Berliner Landeschef Hartmut Semken hatte sich mit teilweise drastischen Worten gegen den Ausschluss von Piraten ausgesprochen, die rechtsradikale Positionen vertreten. Unter anderem argumentierte er, die letzte Partei, die mit der gezielten Verfolgung von Personen "einen Riesenerfolg" erzielt habe, sei die NSDAP gewesen. Auch Semken entschuldigte sich, er hält sich einen möglichen Rücktritt offen. Was bleibt, ist der Eindruck, einige Funktionäre der Partei hätten weder Temperament noch Wortwahl im Griff.
anr/AFP/dapd