04.05.2012
Piraten-Logbuch
Auf dem Weg zur Macht
Piraten Torge Schmidt und Ulrich König: Umarmung nach Geschacher um Fraktionsposten
In Videos, Fotos und Tweet für Tweet: In kurzen Logbuch-Einträgen berichtet SPIEGEL ONLINE über das Piratenleben von Ulrich König. Am Wahlkampfstand, beim Parteitag und, vielleicht, im neuen Kieler Landtag - in diesem Blog können Sie den Aufstieg des Jungpolitikers chronologisch miterleben.
Montag, 21. Mai. Zweifache Wahlniederlage. Erdung nach dem Höhenflug
Sechs Piraten sind in den Landtag Schleswig-Holstein eingezogen. Heute steht die Wahl des Fraktionsvorsitzenden und des Parlamentarischen Geschäftsführers an. Uli König hat sich für beide Ämter beworben. Vergeblich. Der Versuch, einen Posten in der Fraktion zu ergattern, endet für ihn ziemlich ernüchternd.
Fraktionsvorsitzender der Piratenpartei wird der Jurist Patrick Breyer. Zum Parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion wird Torge Schmidt gewählt.
Dienstag, 15. Mai. Albig oder nicht? Gespräch mit SPD-Landeschef
Ausgerechnet bei den technikbegeisterten Piraten: Erst funktioniert die Tonaufzeichnung nicht - dann platzt auch noch ein Handwerker ins Zimmer, um die Fensterscheiben zu kontrollieren. Dabei spricht die Piraten-Fraktion gerade mit dem SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner über die Wahl Torsten Albigs zum Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Denn die Kür des SPD-Spitzenkandidaten könnte äußerst knapp ausfallen.
Nur eine Stimme Mehrheit hat die geplante Regierungskoalition aus SPD, Grüne und SSW, der Partei der dänischen Minderheit. Das Zünglein an der Waage: die Abgeordneten der Piraten-Partei. Die könnten sich durchaus vorstellen, den SPD-Spitzenkandidaten zu unterstützen. Vorausgesetzt die künftige Regierung spricht sich in ihrem Koalitionsvertrag gegen die Vorratsdatenspeicherung aus. "Ich bin gegen Überwachungsstaat, ich bin gegen Generalverdacht", versichert SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner während der Diskussion. Über alles Weitere müsse "man reden".
Mittwoch, 9. Mai. Der neue Arbeitsplatz
12.15 Uhr: Knapp vier Wochen vor der konstituierenden Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Landtags am 5. Juni lernen Uli König und seine fünf zukünftigen Fraktionskollegen das Kieler Landeshaus von innen kennen. Noch fehlen Stühle und Tische im Plenarsaal. Auch das Piratenbüro ist noch ein Provisorium. Mit Blick auf die Kieler Förde bereiten sich die Piraten nun auf ihre parlamentarische Arbeit vor. Eine "Dagegenpartei" wollen sie nicht sein, sagt Königs Parteikollege Sven Krumbeck. Man werde "guten Anträgen" zustimmen - egal, ob aus Regierung oder Opposition.
Am 12. Juni können die Piraten ihre parlamentarische Zwanglosigkeit erstmals unter Beweis stellen. Dann will sich Sozialdemokrat Torsten Albig zum neuen Ministerpräsidenten wählen lassen. Seine geplante Regierungskoalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) hätte eine hauchdünne Mehrheit von nur einer Stimme. Vor allem bei der SPD ruft das Erinnerungen an den "Heide-Mörder" wach, den unbekannten Abweichler, der die Wahl von Heide Simonis im Jahr 2005 scheitern ließ. Dass die Piraten für Albig stimmen werden, schließt Landeschef Torge Schmidt nicht aus. Man werde sich die Inhalte ansehen. Eine Vorratsdatenspeicherung beispielsweise sei mit den Piraten nicht zu machen. SPD-Landeschef Stegner habe schon angerufen.
Montag, 7. Mai. Einen Tag nach der Wahl. Pressekonferenz. Erstes Resümee
11.00 Uhr: Pressekonferenz in der "Pumpe". Auf die Journalisten warten belegte Brötchen und müde Piraten. Die meisten haben viel zu wenig geschlafen, denn die Wahlparty ging bis spät in die Nacht und am frühen Morgen waren schon die ersten Besprechungen angesetzt. Uli König ist seit sechs Uhr unterwegs, aber der frischgebackene Landtagsabgeordnete freut sich trotzdem über den Presseandrang.
19.00 Uhr: Uli König nimmt sich einen Moment Ruhe. Im Auto blickt er auf seinen ersten Tag als gewählter Pirat zurück. Und merkt, dass er über all der Arbeit ganz vergessen hat zu essen.
Sonntag, 6. Mai. Wahltag. Stimmabgabe. Besuch im Landtag. Jubeln. Feiern
22.23 Uhr: In der Kieler "Pumpe" wird getanzt. Die Piraten feiern sich, ihren Wahlerfolg und die vergangenen, arbeitsreichen Monate.
18.20 Uhr: Kurz nach seinem ersten Live-Interview kann sich Uli König endlich etwas entspannen. "Geiles Gefühl", sagt der Pirat und dankt seinen Wählern.
18.14 Uhr: Interview mit dem Nachrichtensender Phoenix. Uli König gibt sich kämpferisch: "Wir wollen hier einen neuen Politik-Stil einführen!"
17.30 Uhr: König und die Piraten dürfen den Landtag erst betreten, wenn die erste Hochrechnung ihren Einzug bestätigt. Also warten sie im Eingangsbereich - mit sehr viel Presse.
17.05 Uhr: Plötzlich kommt alles anders als geplant. Uli König soll mit in den Landtag fahren. Eigentlich wollte er in der "Pumpe" Sekt für seine Mitstreiter ausschenken, aber daraus wird jetzt nichts. Die Spitzenkandidaten der schleswig-holsteinischen Piraten machen sich kurz vor 18 Uhr gemeinsam auf den Weg - denn erst wenn feststeht, dass sie in den Landtag gewählt wurden, dürfen sie diesen auch betreten. Für Uli König steht gleich nach der ersten Hochrechnung ein Interview bei dem Nachrichtsender Phoenix an.
Uli König bei der Stimmabgabe in Kiel
Sonntag, 6. Mai. Mittwoch, 2. Mai. Vier Tage bis zur Wahl. Pressetermin. Aufputschmittel holen
Fotografen in Kiel: Knipsende Journalisten geknipst von Piraten
Getränkewagen: Aufputschmittel für die Piraten
Dienstag, 1. Mai. Fünf Tage bis zur Wahl. Gegen Neonazis demonstrieren
Im schleswig-holsteinischen Neumünster demonstrieren etwa 2000 Menschen gegen einen Neonazi-Aufmarsch. Uli König und seine Mitstreiter sind bereits am frühen Morgen angereist. Sie hängen Plakate mit Opferzahlen des Holocaust an der Marschroute der Neonazis auf. "Weg der Schande" nennen sie ihre Aktion, die sie in einem Video dokumentieren.
Zu rechtsextremen Positionen in den eigenen Reihen hat sich die Piratenpartei lange nicht eindeutig positioniert. Manche sehen darin einen Grund für die leicht fallenden Umfragewerte. Auf dem Bundesparteitag in Neumünster setzen die Piraten schließlich ein eindeutiges Zeichen gegen Rechtsextremisten in ihrer Partei.
Montag, 30. April. Sechs Tage bis zur Wahl. Zuhören
Vorstandssitzung der Piraten Schleswig-Holstein. Uli König ist nur als Zuhörer dabei. Die Protokolle der Piraten-Sitzungen gibt es im Netz.
Sonntag, 29. April. Eine Woche bis zur Wahl. Bundesparteitag. Baden gehen
Balla-Balla: Uli König im Bällebad auf dem Bundesparteitag der Piraten
Samstag, 28. April. Acht Tage bis zur Wahl. Auf dem Bundesparteitag
König auf dem Parteitag: Noch ein Schluck, dann weiter abstimmen
Pressekonferenz: Uli König (4. v. r.) und die schleswig-holsteinischen Piraten auf dem Bundesparteitag
Freitag, 27. April. Neun Tage bis zur Wahl. Infostand in Kiel. Döner essen
In der Kieler Fußgängerzone wirbt Uli König für die Piraten, verteilt Broschüren und Buttons. Praktische Tipps gibt's auch, zum Beispiel wo der Stand der FDP zu finden ist - denn die Konkurrenz verteilt bunte Wahlkampfgeschenke.
Döner mit Soße: Pirat Uli König dokumentiert sein Wahlkampf-Menü
Donnerstag, 26. April. Zehn Tage bis zur Wahl. Stammtisch
Vor ein paar Jahren passten sie noch an einen Tisch - nun kommen Woche für Woche mehr Menschen zu dem offenen Stammtisch der Piraten. "Das ist der absolute Oberhammer", sagt Uli König. Sogar die Presse besucht inzwischen die Diskussionsrunden.
Freitag, 20. April. 16 Tage bis zur Wahl. Schietwetter
Kieler Wetter: Wahlkampf im Hagelschauer
Uli König, Piraten-Kandidat auf Listenplatz 3. Ein Porträt.