13.05.2012
Wahlschlappe
Röttgen gibt Amt als Chef der NRW-CDU ab
Christdemokrat Röttgen: Zurück nach Berlin
Düsseldorf - Norbert Röttgen gibt sein Amt als Chef der Landes-CDU in NRW auf. "Dieser Wahltag ist für die CDU Nordrhein-Westfalen und für mich persönlich ein bitterer Tag", sagte er kurz nach 18 Uhr. "Es ist eine eindeutige klare Niederlage, die wir heute erlitten haben." Er wolle nichts beschönigen, die Schlappe sei "eindeutig, umfassend und klar" und "sie tut richtig weh". Die Niederlage sei zuerst seine eigene. Der Wahlkampf sei auf ihn ausgerichtet gewesen. Noch im kommenden Monat soll es einen Landesparteitag geben, auf dem er nicht wieder antreten werde.
Schon vor der Wahl hatte es in der NRW-CDU rumort, auch wenn es keinen öffentlichen Aufstand gab. Doch das Ergebnis von diesem Sonntag ist ein historisch schlechtes - deutlich niedriger als 2010. Schon damals waren es nur 34,6 Prozent. Eine Große Koalition ist ebenfalls vom Tisch.
Röttgen hatte am Mittag in seinem Wohnort Königswinter-Stieldorf seine Stimme abgegeben. Hand in Hand mit Ehefrau Ebba kam er zehn Minuten später als angekündigt zum Wahllokal in der Grundschule des Ortes vor den Toren Bonns. "Wir haben Wahlkampf gemacht, jetzt entscheiden die Bürgerinnen und Bürger", sagte Röttgen, der ohne Krawatte in Jeans und schwarzem Sakko auftrat. Auf weitere Fragen ging er nicht ein.
Oft wurde Röttgen als "Kronprinz" von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehandelt, galt als "Muttis Klügster" im Kabinett. Tatsächlich war er es, der gegen Widerstände in der schwarz-gelben Koalition den Atomausstieg vorantrieb. Er gilt als Modernisierer in seiner Partei und Türöffner zu den Grünen. Den Konservativen in seiner Partei ist er suspekt. Ein volksnaher Straßenwahlkämpfer zum Anfassen ist Röttgen nicht. Er wirkt nüchtern, kommt eher als "Klassenprimus" denn als "Landesvater" rüber.
Der Landtag hatte sich im März nach nur zwei Jahren aufgelöst, weil die rot-grüne Minderheitsregierung ihren Haushalt für 2012 nicht durch das Parlament bringen konnte. Wegen der gut 13,2 Millionen Wahlberechtigten gilt die Wahl in NRW auch als "kleine Bundestagswahl".
ffr/dpa/dapd