18.05.2012
Flughafen-Debakel
Wowereit bestreitet politischen Druck auf Airport-Planer
Bürgermeister Wowereit im Verkehrsausschuss: "Ambitionierte Zeitpläne"
Berlin - Es ist eine Blamage für die Hauptstadt, erst mehr als neun Monate nach dem ursprünglichen Stichtag wird der neue Berliner Flughafen eröffnet. Nun stellt sich die Frage nach der politischen Verantwortung. Dazu musste sich der Berliner Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) in einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses äußern. Er wies den Vorwurf zurück, politischer Druck habe zu einem zu knappen Zeitplan für den Bau des Hauptstadtflughafens geführt.
Der Eröffnungstermin am 3. Juni sei Mitte 2010 von Experten vorgeschlagen worden, nicht von Politikern, sagte der Regierende Bürgermeister am Freitag im Abgeordnetenhaus. Die Anschuldigung, es habe sich um einen "politischen Termin" gehandelt, sei abstrus. "Aber wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Zeitpläne ambitioniert sind", fügte Wowereit hinzu.
Die für den 3. Juni geplante Eröffnung war vier Wochen vor dem Datum mit der Begründung abgesagt worden, die Brandschutzanlage sei nicht fertig. Der Aufsichtsrat verschob den ersten Start vom Willy-Brandt-Flughafen nun auf den 17. März 2013. Wowereit ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft.
Wowereit hatte das neue Datum mit mehreren Faktoren begründet: So hätten die zuständigen Behörden mitgeteilt, dass die zunächst eingeplanten Übergangslösungen beim Brandschutz nicht mehr genehmigt würden. Zudem eigne sich ein Termin im Winter wegen Wetterrisiken nicht für die Inbetriebnahme.
Tegel und Schönefeld müssen länger herhalten
"Wir werden alles tun, um den Flughafen zum Erfolg zu führen", versicherte Wowereit. Die Passagiere müssten keine Angst vor der Absage von Flügen haben. Die Fluggesellschaften Lufthansa, Airberlin und Easyjet hätten angekündigt, ihre erweiterten Flugpläne auch ohne den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg umsetzen zu wollen. "Es wird keine oder wenige Änderungen geben", sagte Wowereit. Die Passagiere müssten lediglich von einem "anderen Ort" starten, in Frage kommen die alten Flughäfen Tegel und Schönefeld.
Als Konsequenz aus dem Debakel um die geplatzte Eröffnung verliert Chefplaner Manfred Körtgen seinen Posten. Der 59-Jährige habe als Verantwortlicher für das Bauprojekt Probleme damit gehabt, "die Dinge rechtzeitig zu erkennen", sagte Wowereit.
jok/dpa