19.05.2012
Attacke auf Merkel
SPD-Chef Gabriel fordert Neuwahlen
Parteivorsitzender Sigmar Gabriel (SPD): Freude nach dem Wahlerfolg in NRW
Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Wahldebakel der CDU in Nordrhein-Westfalen, dem TV-Ausraster von CSU-Chef Horst Seehofer und dem umstrittenen Rauswurf ihres Umweltministers Norbert Röttgen hat sich nun auch SPD-Chef Sigmar Gabriel drastisch zu Wort gemeldet. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" forderte er Neuwahlen.
Angesicht des Zustands der schwarz-gelben Koalition sei ein solcher Schritt sinnvoll, erklärte der SPD-Vorsitzende: Merkel versuche erst gar nicht, in inhaltlichen Fragen Führung zu übernehmen. "Das ist ein Armutszeugnis." Seit zwei Jahren träfen Union und FDP in keinem wichtigen Politikfeld mehr Entscheidungen. "Es wäre für Deutschland gut, wenn diese Selbstblockade der Bundesregierung endlich durch Neuwahlen beendet würde." Aber selbst dazu fehle Union und FDP die Kraft.
Seine Aussage machte Gabriel unter anderem am Rauswurf des Bundesumweltministers Norbert Röttgen fest. Der CDU-Mann hatte sich nach dem Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen geweigert, selbst zurückzutreten. Daraufhin griff die Kanzlerin hart durch. Es sei bezeichnend, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel "durch die Demütigung eines alten Weggefährten Stärke zu zeigen versucht", kritisierte Gabriel.
Auch in den eigenen Reihen häufen sich die Vorwürfe gegen Merkel. "Bei allen Fehlern von Norbert Röttgen darf die Niederlage in Nordrhein-Westfalen nicht allein auf landespolitische Gegebenheiten zurückgeführt werden", sagte der hessische CDU-Fraktionschef und Kopf des konservativen CDU-Flügels, Christean Wagner, dem Magazin "Focus". Nötig sei eine Profilschärfung: "Wir müssen uns auf unser C besinnen und klare wirtschaftsliberale Akzente setzen." Nordrhein-Westfalens Vize-Parteichef Armin Laschet mahnte die schwarz-gelbe Koalition im Bund, wieder Tritt zu fassen.
In den vergangenen Tagen hatten auch mehrere anderer Parteimitglieder ihre Kanzlerin kritisiert. Der CDU-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hingegen verteidigte die Entlassung des Umweltministers. "Die Energiewende ist eine unheimlich wichtige und auch schwierige Aufgabe, da sie so viele Facetten umfasst - da muss der zuständige Minister ganz stark sein", sagte er der "Bild am Sonntag".
Mit Blick auf Röttgen, der als NRW-Spitzenkandidat nur 26,3 Prozent für die CDU erreicht hatte, fügte er hinzu: "Nach so einer Wahlniederlage und der Aufgabe des Vorsitzes des größten Landesverbandes der CDU ist das sicherlich erst einmal sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich."
irb/dapd/dpa