21.05.2012
Schuldenkrise
Bundesregierung sperrt sich gegen Euro-Bonds
Streit um Euro-Bonds: "Offene und freimütige Debatte"
Berlin - Am Mittwoch wollen die EU-Staaten in Brüssel über die Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise beraten. Vor dem Gipfel sind die Fronten hinsichtlich der Einführung von Euro-Bonds verhärtet. Frankreich und Italien wollen diese gemeinsamen Anleihen einführen - Deutschland sperrt sich weiterhin.
"Euro-Bonds zum jetzigen Zeitpunkt signalisieren zu niedrige Zinsen und nehmen den Druck auf die Anpassung der europäischen Volkswirtschaften", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), am Montag im "Deutschlandfunk". Euro-Bonds seien ein "Rezept zur falschen Zeit".
Ähnlich äußerte sich der Koalitionspartner FDP. "Wir unterstützten die Frau Bundeskanzlerin weiter hart und kompromisslos, Euro-Bonds in Europa nicht einzuführen," sagte Generalsekretär Patrick Döring. Die Liberalen seien dagegen, dass die Haftung für Staatsschulden der einzelnen Euro- und EU-Länder auf alle verteilt würden. "Eine gemeinsame Verschuldung und ein gemeinsames Zinsniveau wären schädlich."
Monti lädt zu Gesprächen nach Rom
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt gemeinsame Anleihen der Euroländer bisher strikt ab. Gemeinsame Staatsanleihen der Eurozone seien kein Mittel zur Bewältigung der aktuellen Krise, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin.
Da sich Deutschland zu sehr günstigen Konditionen an den Kapitalmärkten finanzieren kann, würden laut Experten zusätzliche Milliardenkosten anfallen, falls Berlin Schulden mit anderen Staaten zusammen aufnehmen würden. Berlin ist auch deshalb gegen Euro-Bonds, weil sie zu nachlassender Budgetdisziplin in der Eurozone führen könnten. Höhere Zinsen auf Staatsanleihen gelten vielen Ökonomen als die einzigen Daumenschrauben, die Regierungen dazu zwingen können, ihre Schulden abzubauen.
Der neue französische Staatspräsident François Hollande und der italienische Ministerpräsident Mario Monti wollen das heikle Thema nach Angaben aus Diplomatenkreisen am Mittwoch auf die Agenda heben. Es wird eine "offene und freimütige Debatte" erwartet, wie es im diplomatischen Sprachgebrauch heißt. Endgültig entschieden wird aber erst beim regulären Gipfel am 28. und 29. Juni.
Unklar bleibt, wie Hollandes Pläne im Detail aussehen. Bisherigen Aussagen zufolge will sich der Sozialist im Elysée-Palast für solche Anleihen zur Finanzierung von Wachstumsprojekten für die konjunkturell weithin angeschlagenen EU-Länder einsetzen.
Noch vor dem regulären EU-Gipfel im Juni will Italiens Regierungschef Mario Monti angesichts des wieder aufflammenden Streits um Euro-Bonds Deutschland, Spanien und Frankreich an einen Tisch bringen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa hat er Merkel, Hollande und den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy nach Rom eingeladen. Dabei sollen die Regierungschefs eine gemeinsame Position abstecken, schreibt die italienische Agentur unter Berufung auf Teilnehmer des G8-Gipfels in Camp David.
syd/dpa/Reuters