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23.05.2012
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Vor EU-Gipfel

FDP-Chef Rösler lehnt Euro-Bonds kategorisch ab

Von Severin Weiland
FDP-Vorsitzender Rösler: "Euro-Bonds reduzieren den notwendigen Reformdruck"
Getty Images

FDP-Vorsitzender Rösler: "Euro-Bonds reduzieren den notwendigen Reformdruck"

Auf dem EU-Gipfel will Frankreich über gemeinsame Staatsanleihen diskutieren. Ein Thema mit Sprengkraft auch für die schwarz-gelbe Koalition in Berlin. FDP-Chef Philipp Rösler lehnt die Einführung von Euro-Bonds strikt ab. Sie würden den Reformdruck in den Krisenländern nur verringern.

Berlin - Es ist eines der strittigsten Finanzierungsmittel: Euro-Bonds. Frankreichs neuer Präsident François Hollande würde gemeinsame Staatsanleihen am liebsten einführen, um mit ihnen gegen die Euro-Krise vorzugehen, auch Italiens Premier Mario Monti liebäugelt mit dieser Idee.

Doch Deutschland lehnt die Einführung von Euro-Bonds vehement ab. Bislang. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag Differenzen mit dem neuen französischen Präsidenten in dieser zentralen Frage eingeräumt. Hollande will auf dem EU- Gipfel in Brüssel einen Antrag zur Einführung der Gemeinschaftsanleihen stellen.

Einen Beschluss dürfte es darüber nicht geben. Das heutige Treffen dient eher einem allgemeinen Gedankenaustausch. Dass Merkel in dieser Frage nachgeben könnte, ist unwahrscheinlich. Denn Euro-Bonds widersprechen nicht nur ihren bisherigen Überlegungen, zunächst den Fiskalpakt einzuführen, dessen Ratifizierung noch aussteht. Sie sind auch ein heißes Eisen in der schwarz-gelben Koalition und würden sie wohl an den Rand eines Bruchs führen.

Gemeinsame Staatsanleihen lehnt nämlich vor allem die FDP ab. Kurz vor dem EU-Treffen in Brüssel schloss der FDP-Vorsitzende und Vizekanzler Philipp Rösler Euro-Bonds mit scharfen Worten aus. "Wir sind uns in der FDP einig, dass Euro-Bonds völlig ungeeignet sind, um Europa wieder auf die Beine zu stellen", erklärte er SPIEGEL ONLINE. "Euro-Bonds verstoßen gegen geltendes Recht und reduzieren den notwendigen Reformdruck in unseren Partnerländern. Europa braucht das genaue Gegenteil: Nur mit strukturellen Reformen schaffen wir Wachstum", so der Bundeswirtschaftsminister.

Rösler machte einen konkreten Vorschlag: "Dazu muss zum Beispiel in den einzelnen Ländern das Renteneintrittsalter an die gestiegene Lebenserwartung angepasst werden. Das ist der richtige Weg." Mit seinen Äußerungen geht Rösler allerdings auf Konfrontationskurs zum neuen französischen Staatspräsidenten Hollande. Dieser ist nicht nur für Staatsanleihen, sondern hatte im Wahlkampf auch versprochen, das Renteneintrittsalter in Frankreich auf 60 Jahre abzusenken.

Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle lehnt aktuell die Einführung von Euro-Bonds ab. Allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt kann sich der Liberale das vorstellen, machte einen solchen Schritt aber von mehreren Punkten abhängig. Wenn der Fiskalpakt und Schuldenbremse eingeführt seien und ein Gleichklang in der europäischen Wirtschaftspolitik erreicht sei, könne man über solche gemeinsamen europäischen Anleihen nachdenken, so Brüderle im Deutschlandfunk. "Aber es kann nicht in einer Phase derzeit sein, wo die Differenzen extrem sind zwischen den Zinssätzen", stellte er klar.

Spaniens Premier skeptisch gegenüber Euro-Bonds

Während die neue Führung in Paris Druck für gemeinsame Staatsanleihen macht und Hollande vor seiner ersten europapolitischen Bewährungsprobe steht, setzte sich Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy vorsichtig davon ab. Der konservative Politiker äußerte sich skeptisch zu den kurzfristigen Erfolgsaussichten für Euro-Bonds. Als schnelle Hilfsmaßnahme seien sie ungeeignet, so der Regierungschef. Dafür seien Zeit und eine Debatte notwendig. Rajoy fordert stattdessen schnelle Lösungen, um die Finanzstabilität zu garantieren - und denkt dabei wohl an neue Hilfen der Europäischen Zentralbank (EZB). Es gebe Entscheidungen, die könnten innerhalb von 24 Stunden umgesetzt werden, sagte Rajoy.

Von deutscher Seite hatte kürzlich Finanzstaatsekretär Steffen Kampeter (CDU) gemeinsamen Staatsanleihen erneut eine Absage erteilt. Es sei "das falsche Rezept zur falschen Zeit mit den falschen Nebenwirkungen". Es bleibe beim deutschen Nein, hatte der Mitarbeiter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versichert und hinzugefügt: "Ich kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erkennen, dass ein solcher Kurswechsel nötig ist." Die Grundlage für eine gemeinsame Fiskalpolitik in Europa sei zunächst der Fiskalpakt, so Kampeter.

mit dpa

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insgesamt 66 Beiträge
1. Diese Eurobonds ...
Pinin 23.05.2012
... darf man nur einführen wenn man sie nicht mehr braucht. Aber heute - das was jetzt stattfindet ist lediglich eine neue Variante der Kriegführung: Krieg hat traditionell den Zweck Resourcen und Arbeitskraft des Gegners [...]
... darf man nur einführen wenn man sie nicht mehr braucht. Aber heute - das was jetzt stattfindet ist lediglich eine neue Variante der Kriegführung: Krieg hat traditionell den Zweck Resourcen und Arbeitskraft des Gegners für sich arbeiten zu lassen. Genaus dasselbe ist jetzt im Gange - nicht mehr militärisch sondern wirtschaftlich. Und das was früher "Gegner" hieß heißt jetzt "Freund der Solidarität fordert". Das Ziel ist aber unverändert - den anderen zu eigenen Gunsten auszubeuten. Und Kollaborateure hat es auch schon immer gegeben.
2.
RogerRabit1962 23.05.2012
An dem Tage, an dem die Differenz zwischen Inflation und Realverzinsung sich noch einen halben Prozentpunkt weiter öffnet, werde ich die restliche Euroliquidität abziehen. An dem Tag an dem der ESM gehebelte [...]
Zitat von sysopAuf dem EU-Gipfel will Frankreich über gemeinsame Staatsanleihen diskutieren. Ein Thema mit Sprengkraft auch für die schwarz-gelbe Koalition in Berlin. FDP-Chef Philipp Rösler lehnt die Einführung von Eurobonds strikt ab. Sie würden den Reformdruck in den Krisenländern nur verringern. Streit um Euro-Bonds: FDP-Chef Rösler lehnt Euro-Bonds strikt ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,834688,00.html)
An dem Tage, an dem die Differenz zwischen Inflation und Realverzinsung sich noch einen halben Prozentpunkt weiter öffnet, werde ich die restliche Euroliquidität abziehen. An dem Tag an dem der ESM gehebelte Anleihenauktionen veranstaltet ebenso. Und auch an dem Tage an dem Eurobonds von der Regierung akzeptiert werden. Die Entscheidungen kann man heute mit einer Nachricht an das Cashmanagement in wenigen Tagen umsetzen. Langfristige Anleihen halten wir seit einiger Zeit schon nicht mehr in Euro.
3. Wowww! Wird da eine Strategie erkennbar?
zeitmax 23.05.2012
In geheimer Absprache mit Merkel nach dem Motto:" Ich würde ja gern umfallen, lieber Francois - aber man läßt mich nicht, wir wären in D nicht mehr regierungsfähig, wenn die FDP abspringt; und vorzeitige Neuwahlen würden [...]
In geheimer Absprache mit Merkel nach dem Motto:" Ich würde ja gern umfallen, lieber Francois - aber man läßt mich nicht, wir wären in D nicht mehr regierungsfähig, wenn die FDP abspringt; und vorzeitige Neuwahlen würden auch nix helfen... Dann gehen wir lieber aus dem Euro raus, damit wir eurer Lösung nicht im weg stehen!" Zu schön, um wahr zu sein? Und Schäuble in Rente,endlich...
4. hm
inqui 23.05.2012
wo wollen Sie denn mit der Liquidität hin? in Dollars? warum nicht einfach Telekomaktien. fast 10% Dividendenrendite ist doch auch nicht schlecht.
Zitat von RogerRabit1962An dem Tage, an dem die Differenz zwischen Inflation und Realverzinsung sich noch einen halben Prozentpunkt weiter öffnet, werde ich die restliche Euroliquidität abziehen. An dem Tag an dem der ESM gehebelte Anleihenauktionen veranstaltet ebenso. Und auch an dem Tage an dem Eurobonds von der Regierung akzeptiert werden. Die Entscheidungen kann man heute mit einer Nachricht an das Cashmanagement in wenigen Tagen umsetzen. Langfristige Anleihen halten wir seit einiger Zeit schon nicht mehr in Euro.
wo wollen Sie denn mit der Liquidität hin? in Dollars? warum nicht einfach Telekomaktien. fast 10% Dividendenrendite ist doch auch nicht schlecht.
5. Rösler ist lieber laut als im Recht
El Plagiator 23.05.2012
Europas Staatsführer wissen alle wie die FDP in Deutschland mitregiert. Das die FDP ab ende nächsten Jahres mit 99% Wahrscheinlichkeit nichts mehr zu sagen hat pfeiffen Spatzen von jedem Regierungsgebäude weltweit. Selbst [...]
Europas Staatsführer wissen alle wie die FDP in Deutschland mitregiert. Das die FDP ab ende nächsten Jahres mit 99% Wahrscheinlichkeit nichts mehr zu sagen hat pfeiffen Spatzen von jedem Regierungsgebäude weltweit. Selbst innerhalb der FDP lässt sich das nicht mehr lange verdrängen und so manchem dürfte schon der Gedanke gekommen sein dass Merkel nachgeben wird was Eurobonds angeht, sobald die Große Koalition wieder da ist. Wenn Rösler von seiner Abschussrampe von Parteiamt wieder mal das alte Lied von mehr Druck auf Schwächer singt ist das nichts weiter als vorausschauende Oppositionsarbeit.

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