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13.06.2012
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Besuch bei Hollande

Brüderle kritisiert Paris-Besuch der SPD-Spitze

FDP-Fraktionschef Brüderle: "Europa braucht jetzt ein deutliches Signal aus Deutschland"
DPA

FDP-Fraktionschef Brüderle: "Europa braucht jetzt ein deutliches Signal aus Deutschland"

Mitten im Streit um den Fiskalpakt fliegt die SPD-Spitze nach Paris, um mit Frankreichs Präsident Hollande ein Zeichen für Börsensteuer zu setzen. Bei Schwarz-Gelb sorgt das für Unmut. FDP-Fraktionschef Brüderle wirft den Sozialdemokraten Taktiererei vor.

Berlin - Es ist ein ungewöhnlicher Termin. Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank Walter Steinmeier werden am frühen Mittwochabend von Frankreichs Staatspräsident François Hollande empfangen. Nicht in der Zentrale der Sozialisten in Paris, sondern demonstrativ im Elysée-Palast. Das Treffen soll ein Zeichen von Gemeinsamkeit sein - zwischen den deutschen Sozialdemokraten und den französischen Sozialisten. Und auch ein Signal setzen für das rot-grüne Lieblingsprojekt: die Einführung der Finanztransaktionssteuer. Die drei deutschen Sozialdemokraten wollen unmittelbar nach dem Fiskalpakt-Spitzentreffen im Kanzleramt mit einem Charterflieger nach Paris reisen.

In der schwarz-gelben Koalition allerdings wird gegen das medienwirksame Treffen der Troika in Frankreichs Hauptstadt vorab gestichelt. "Ich würde mich freuen, wenn das Trio von der SPD seiner Verantwortung hier in Deutschland nachkäme und die Zustimmung zum Fiskalpakt nicht länger aus reinen parteitaktischen Gründen verzögerte. Europa braucht jetzt ein deutliches Signal aus Deutschland", sagte der Fraktionschef der FDP im Bundestag, Rainer Brüderle, am Mittwoch SPIEGEL ONLINE.

Die französische Zeitung "Le Monde" berichtet unterdessen, dass Kanzleramt habe das Umfeld von Hollande gebeten, auf einen gemeinsamen Pressetermin mit der SPD-Spitze zu verzichten. Eine Bestätigung für den Bericht gab es allerdings weder in Paris noch in Berlin.

Die Bundesregierung will den Fiskalpakt noch im Juni verabschieden. Weil dafür aber Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat nötig sind, braucht sie die Unterstützung der Opposition. Und diese fordert für ihre Zustimmung eine Steuer auf Börsengeschäfte. Auch die Bundesländer pokern mit, sie fürchten höhere Kosten.

Kaum jemand rechnet damit, dass es an diesem Mittwoch in der Spitzenrunde der Opposition mit Kanzlerin Angela Merkelschon eine endgültige Lösung gibt. Zuletzt stockten die Gespräche zwischen Koalition und Opposition über eine gemeinsame Abstimmung von ESM-Rettungsschirm und Fiskalpakt noch vor der Sommerpause im Bundestag gestockt. SPD und Grüne, so hieß es aus der schwarz-gelben Koalition, wollten offenbar mit dem Streit über die Finanzmarktsteuer weiter Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Am Dienstagabend traf sich die Arbeitsgruppe Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium, um über das Thema Wachstum zu sprechen.

Zuletzt hatte die SPD Bemerkungen von Kanzleramtschef Ronald Pofalla und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Schäuble kritisiert, die eine Einführung der Steuer noch vor den Bundestagswahlen im Herbst 2013 in Zweifel gezogen hatten. Nach Informationen des SPIEGEL hatte Pofalla in kleiner Runde erklärt, vor der nächsten Bundestagswahl werde es diese Steuer nicht geben. Daher könne man der SPD ruhig entgegenkommen.

Steinmeier erklärte nun, das Gespräch in Paris diene auch dem Zweck, über die Einführung der Finanztransaktionssteuer zu reden. "Nach den Erfahrungen der letzten Tage und Wochen können wir es nicht der Bundesregierung überlassen, alleine das Gespräch mit den europäischen Partnern zu suchen." Daher werde die SPD mit ihren Möglichkeiten versuchen, an der Meinungsbildung mitzuwirken und europäische Partner für ihren Kurs zu finden. Dazu gehöre auch die Besteuerung der Finanzmärkte. Wenn das auf Ebene aller 27 EU-Staaten und auf der Ebene der Euro-Zone insgesamt noch nicht möglich sei, müsse der Weg der verstärkten Zusammenarbeit gegangen werden. Dafür seien neun Staaten nötig. "Wir sprechen mit den Staaten, die dazu im Prinzip bereit sein könnten, dazu auch mit Frankreich", begründete Steinmeier den Zweck der Kurzvisite in Paris.

Neben FDP-Fraktionschef Brüderle hatte zuvor auch die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, die Reise der SPD-Politiker kommentiert: "Ich hoffe sehr, dass die Sozialdemokraten, egal wohin sie reisen, sich ihrer Verantwortung gegenüber der deutschen Bevölkerung bewusst sind und überall auch deutsche Interessen vertreten."

sev/Reuters/dapd

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insgesamt 26 Beiträge
1.
kulturtüte 13.06.2012
Wann merkt der Spiegel endlich, dass der Bundeswirtschaftsminister nicht Wolfgang Schäuble sondern Philipp Rösser ist?
Wann merkt der Spiegel endlich, dass der Bundeswirtschaftsminister nicht Wolfgang Schäuble sondern Philipp Rösser ist?
2.
klaus47112 13.06.2012
werter Herr Brüderle, auch ich wünsche mir dass die "Troika" ihre Verantwortung gegenüber den Menschen in Deutschland wahrnimmt! Und somit den ESM Kompromisslos ablehnt! Auf eine von der FDP durchlöcherte FTS [...]
Zitat von sysopFDP-Fraktionschef Brüderle wirft den Sozialdemokraten Taktiererei vor. SPD-Spitze bei Hollande: Brüderle kritisiert Frankreich-Besuch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,838462,00.html)
werter Herr Brüderle, auch ich wünsche mir dass die "Troika" ihre Verantwortung gegenüber den Menschen in Deutschland wahrnimmt! Und somit den ESM Kompromisslos ablehnt! Auf eine von der FDP durchlöcherte FTS die nur auf Brosamen vom Tische der Finanzmafia abzielt kann man verzichten! Was wir brauchen ist eine wirksame Regulierung die die Zockergeschäfte unterbindet! Die eigentliche Krankhiet muß bekämpft werden und nicht nur an den Symptomen laboriert werden!
3. Unglaublich
Attila2009 13.06.2012
Was geht Brüderle das überhaupt an ? Wir haben Reisefreiheit und die FDP wird sicher nicht zu entscheiden haben wer mit wen spricht. Wohl aber schwant ihn Böses dass Hollande Einfluss nehmen könnte auf die SPD Männer und sein [...]
Was geht Brüderle das überhaupt an ? Wir haben Reisefreiheit und die FDP wird sicher nicht zu entscheiden haben wer mit wen spricht. Wohl aber schwant ihn Böses dass Hollande Einfluss nehmen könnte auf die SPD Männer und sein "Fiskalpakt" nun doch landet wo es hingehört. Auf dem Müll. Brüderle redet von Verantwortung ?Ausgerechnet der ? Manchmal ist Verantwortung einfach auch das Vermeiden einer Dummheit. Ob die SPD Troika dazu fähig ist darf aber bezweifelt werden.
4. Das alte Lied
Hugh 13.06.2012
---Zitat--- die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, die Reise der SPD-Politiker kommentiert: "Ich hoffe sehr, dass die Sozialdemokraten, egal wohin sie reisen, sich ihrer Verantwortung [...]
---Zitat--- die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, die Reise der SPD-Politiker kommentiert: "Ich hoffe sehr, dass die Sozialdemokraten, egal wohin sie reisen, sich ihrer Verantwortung gegenüber der deutschen Bevölkerung bewusst sind und überall auch deutsche Interessen vertreten." ---Zitatende--- Es ist das alte Lied, schon in der Kaiserzeit haben die "Konservativen" von den Sozialdemokraten als "Vaterlandslosen Gesellen" geredet. Als ob es nicht die Sozialdemokratie wäre, die Deutschland immer wieder aus dem Schlamassel raus ziehen musste, in den es die "Konservativen", bar aller moralischen Grundsätze, hinein geritten haben.
5.
Flari 13.06.2012
Das ist natürlich eine absolute Geschmacklosigkeit, wenn jemand ausser schwarz/gelb mit dem französischen Präsidenten Gespräche führt. Und das ggf. auch noch taktisch! Die Wahlkampfhilfe von Merkel für Nicolas Sarkozy war [...]
Zitat von sysopMitten im Streit um den Fiskalpakt fliegt die SPD-Spitze nach Paris, um mit Frankreichs Präsident Hollande ein Zeichen für Börsensteuer zu setzen. Bei Schwarz-Gelb sorgt das für Unmut. FDP-Fraktionschef Brüderle wirft den Sozialdemokraten Taktiererei vor. SPD-Spitze bei Hollande: Brüderle kritisiert Frankreich-Besuch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,838462,00.html)
Das ist natürlich eine absolute Geschmacklosigkeit, wenn jemand ausser schwarz/gelb mit dem französischen Präsidenten Gespräche führt. Und das ggf. auch noch taktisch! Die Wahlkampfhilfe von Merkel für Nicolas Sarkozy war auch etwas ganz anderes..

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