24.06.2012
Bundeswehr-Pannen
Giftige Gase auf Prestige-Schiffen der deutschen Marine
Korvette "Magdeburg": Offenbar technische Probleme im Maschinenraum
Berlin - In den Maschinenräumen der fünf neuesten Korvetten der Deutschen Marine entstehen giftige Gase. Das berichtet die "Bild am Sonntag". Demnach müssen Besatzungsmitglieder dort ständig Atemschutzmasken tragen. Bekannt wurde das Problem dem Bericht zufolge, als am Sonntag vergangener Woche Marine-Inspekteur Axel Schimpf anlässlich der Kieler Woche zu einer dreistündigen Ausfahrt auf die Korvette "Braunschweig" eingeladen hatte.
Mit an Bord waren demnach der Wehrbeauftragte des deutschen Bundestags, Hellmut Königshaus, und die SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels und Karin Evers-Meyer. Bei der Begehung des Schiffs hätten die Politiker von den Soldaten zufällig vom "Gasproblem" im Maschinenraum erfahren. Der Wehrbeauftragte habe jetzt eine Überprüfung eingeleitet.
Nach Informationen der Zeitung stellte die Marine bei einer Schadstoffuntersuchung der Raumluft bei den Antriebsdieselmotoren fest, dass in Teilen des Maschinenraums eine überhöhte Belastung durch Formaldehyd besteht. Die Chemikalie ist krebserregend und stammt offenbar aus Material, das in der Isolierung der Abgassysteme eingebaut wurde. Bei der Erhitzung durch die heißen Abgase im Maschinenraum werde Formaldehyd freisetzt, berichtet das Blatt.
Die fünf 1,2 Milliarden Euro teuren Schiffe hätten seit Jahren Probleme: Defekte Getriebe, Klimatechnik und Software mussten demnach ausgetauscht werden. Allein der Austausch der Getriebe dauerte ein Jahr länger als geplant. Danach absolvierten die Schiffe Testfahrten zwar problemlos. Die Übernahme der Korvetten durch die Marine verzögerte sich dennoch erneut, weil die Wehrtechnische Dienststelle in Eckernförde nur ein Prüfer-Team hatte.
Der SPD-Verteidigungsexperte Bartels forderte, dass "die Pannenserie aufgeklärt wird und die Werften die neuen Fehler schnell beheben".
ulz/AFP/dpa
