10.07.2012
Altkanzler Schröder
"Dem Euro fehlt der Unterbau"
Altkanzler Schröder (im Jahr 2011): "Dem Euro fehlt der Unterbau"
München - Einst bezeichnete er den Euro als "kränkelnde Frühgeburt", nun hat sich Gerhard Schröder in der schwersten Krise der Gemeinschaftswährung optimistisch geäußert. Der Altbundeskanzler sieht in der Schuldenkrise eine positive Entwicklung. "Ich bin Optimist. Die Krise ist überwindbar", sagte Schröder am Dienstag dem Bayerischen Fernsehen.
Laut dem Sozialdemokraten besteht das eigentliche Problem darin, dass "diese Währung nie den Unterbau bekommen hat, den sie eigentlich braucht." Nun werde aber "endlich Ernst gemacht mit der Koordination von Wirtschafts- und Finanzpolitik - und ich hoffe, auch von Sozialpolitik". Denn dies sei "notwendig, wenn man den Euro auf Dauer stabilisieren will", sagte Schröder in der "Münchner Runde". Aus dem Interview, das am Dienstagabend um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, veröffentlichte der Sender vorab Schröders Aussagen.
Dass die Entscheidung, Griechenland trotz schlechter Daten den Beitritt zur Euro-Zone zu gewähren, in Schröders Amtszeit als Kanzler fiel - darüber sagt Schröder, zumindest in den vorab veröffentlichen Passagen, freilich nichts.
Zur Mahnung von Bundespräsident Joachim Gauck an die Bundeskanzlerin, sie solle die Krisenpolitik besser erklären, sagte Merkels Vorgänger: Es sei keineswegs nur Sache der Kanzlerin, sondern "auch die Sache des Bundespräsidenten".
Für den Kurs von Angela Merkel (CDU) in der Krise fand Sozialdemokrat Schröder eher warme Worte. "Ich gehöre nicht zu ihren schärfsten Kritikern. Ich kenne mich ein bisschen aus, wie europäische Entscheidungen zustande kommen. Das ist nicht so einfach." Zu den Ergebnissen des EU-Gipfels in Brüssel sagte er, "doch das, was jetzt beschlossen worden ist - unter dem Druck der Südländer - das hätte ihr Konzept sein müssen. Und das hätte man eher machen können, dann wäre es billiger und nicht so teuer geworden".
Schröders generelles Urteil über den Zustand der Bundesregierung fällt schlechter aus. Das Kabinett scheine sich vor allem mit sich selbst zu beschäftigen. Als Beispiele nannte er den Streit über das Betreuungsgeld und das neue Meldegesetz. Der Altkanzler fügte hinzu: "Gut, ich habe auch nicht immer nur meisterlich gehandelt, auch gelegentlich nur als Geselle, aber diese handeln sehr häufig bestenfalls als Auszubildende."
fab/dapd