Lade Daten...
12.07.2012
Schrift:
-
+

NSU-Affäre

Ausschuss plant Sondersitzung

Der Vorsitzende im NSU-Untersuchungsausschuss Sebastian Edathy
DPA

Der Vorsitzende im NSU-Untersuchungsausschuss Sebastian Edathy

Nach neuen Erkenntnissen zur Aktenvernichtung im Bundesamt für Verfassungsschutz fordert der Untersuchungsausschuss im Bundestag Aufklärung von Innenminister Hans-Peter Friedrich. Eine Sondersitzung des Gremiums ist für nächsten Donnerstag geplant.

Berlin - Der Ausschuss des Bundestags, der die Taten der Terrorgruppe NSU untersucht, will zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Bei dem zweistündigen Treffen soll Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich oder ein Vertreter die Umstände der Aktenvernichtung im Bundesamt für Verfassungsschutz aufklären.

Das Treffen wird unmittelbar vor der Sondersitzung des Bundestags zur Euro-Krise am nächsten Donnerstag stattfinden, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Sebastian Edathy. Die Fraktionen einigten sich am Donnerstag auf das Treffen, Bundestagspräsident Norbert Lammert muss noch zustimmen.

Zuvor war bekannt geworden, dass die Aktenvernichtung nach dem Auffliegen der Zwickauer Terrorzelle im vergangenen November in zwei Schritten erfolgte. Der größte Teil der sieben Akten zur "Operation Rennsteig", die auf die Thüringer Neonazi-Szene abzielte, wurde am 11. November 2011 geschreddert. Ein kleiner Teil nach Angaben Edathys aber erst zwei Tage später - und zwar nachdem die Behördenleitung verfügt habe, die Aktenvernichtung zu stoppen.

Über die Aktenvernichtung in zwei Schritten sei der Ausschuss erst Ende vergangener Woche vom Bundesinnenministerium informiert worden.

Ob die Akten vernichtet wurden, um etwas zu vertuschen, ist bislang noch nicht geklärt. FDP-Obmann Hartfrid Wolff sagte am Donnerstag: "Nach den neuen Meldungen fällt es mir wirklich schwer zu glauben, dass die Akten versehentlich oder zufällig vernichtet wurden."

Das Bundesamt für Verfassungsschutz betonte, das Fehlverhalten Einzelner sei nicht repräsentativ für die Arbeit des Amts mit 2700 Beschäftigten. Seitdem die Terrororganisation NSU entdeckt worden war, habe sich das Amt mit großem Personaleinsatz daran beteiligt aufzuklären.

kha/dpa

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
1. Geheimdienste arbeiten geheim, sonst wären's keine
Calenberg 13.07.2012
Ist schon eine seltsame Diskussion. Ein Geheimdienst arbeitet allgemein im geheimen, also ohne das Wissen über seine Arbeit. Und jetzt kommen da solche Tratschtüten und verlangen, daß man ihnen die Akten und Dokumente über diese [...]
Ist schon eine seltsame Diskussion. Ein Geheimdienst arbeitet allgemein im geheimen, also ohne das Wissen über seine Arbeit. Und jetzt kommen da solche Tratschtüten und verlangen, daß man ihnen die Akten und Dokumente über diese geheim durchgeführten Aktionen und Vorgänge aushändigen soll. Da hätte der Dienst ja auch gleich seine Arbeit bloggen können oder in einer RTL Show öffentlilch vermarkten nach dem Motto "BfV sucht den Super Nazi". Es ist doch völlig klar, dass die Akten, die darüber existieren die komplette Arbeit des Dienstes in dieser Sache zunichte machen, zukünftig wird es gar nicht mehr zu Nachforschungen kommen, wenn der Dienst/ die Dienste gezwungen wären, jeden Vorgang akribisch zu protokollieren und bei Bedarf öffentlich zugänglich zu machen. Wir können natürlich darüber diskutieren, ob wir in Deutschland überhaupt Extremisten geheimdienstlich überwachen sollten. Wenn wir dann mehrheitlich zu dem Schluß kommen, daß wir das nicht wollen, dann können wir die Inlandsdienste auflösen - auch gut. Die Dienste sind ja im übrigen nicht etwas ideelles, sondern dahinter stehen Menschen, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um Informationen zu besorgen. Das sind Menschen, die nicht 9000 Euro im Monat kassieren und dann bei wichtigen Entscheidungen lieber Fußball gucken, als am Arbeitsplatz zu erscheinen. Und dann kommen diese Arbeitsverweigerer aus den Parlamenten und wollen sich auf deren Kosten profilieren und als große Skandalaufklärer gerieren. Ich gehe stark davon aus, daß zukünftig, sollte der Dienst überhaupt erhalten bleiben, viele Operationen und Aktivitäten gar nicht mehr dokumentiert werden. Dann braucht man später auch keine Akten mehr schreddern.
2.
atzlan 13.07.2012
Ja, all die schöne Arbeit wie z.B. die Versorgung der Rechtsterroristen mit Geld wird hier zunichte gemacht ;-) NSU-Ermittlungen: Verfassungsschutz soll Zwickauer Zelle 2000 Mark übergeben haben - SPIEGEL ONLINE [...]
Zitat von Calenberg...Es ist doch völlig klar, dass die Akten, die darüber existieren die komplette Arbeit des Dienstes in dieser Sache zunichte machen, ...
Ja, all die schöne Arbeit wie z.B. die Versorgung der Rechtsterroristen mit Geld wird hier zunichte gemacht ;-) NSU-Ermittlungen: Verfassungsschutz soll Zwickauer Zelle 2000 Mark übergeben haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-ermittlungen-verfassungsschutz-soll-zwickauer-zelle-2000-mark-uebergeben-haben-a-804438.html)
3.
test712 13.07.2012
Na, wenigstens in dem Fall bekommt der Verfassungsschutz mal Entlastung und das ausgerechnet von einem seiner schärfsten Kritiker, nämlich dem Ex-Bundesrichter Schäfer, der die Unabhängige Kommission zu Behördenpannen in [...]
Zitat von atzlanJa, all die schöne Arbeit wie z.B. die Versorgung der Rechtsterroristen mit Geld wird hier zunichte gemacht ;-) NSU-Ermittlungen: Verfassungsschutz soll Zwickauer Zelle 2000 Mark übergeben haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-ermittlungen-verfassungsschutz-soll-zwickauer-zelle-2000-mark-uebergeben-haben-a-804438.html)
Na, wenigstens in dem Fall bekommt der Verfassungsschutz mal Entlastung und das ausgerechnet von einem seiner schärfsten Kritiker, nämlich dem Ex-Bundesrichter Schäfer, der die Unabhängige Kommission zu Behördenpannen in Thüringen leitete: In seinem Bericht bezeichnete er die 2000 Mark über einen Mittelsmann in der Szene als "Erfolg versprechend" und "uneingeschränkt geeignet und angemessen, um das Trio zu fassen" (S.243, Bericht http://www.thueringen.de/imperia/md/content/tim/veranstaltungen/120515_schaefer_gutachten.pdf). Ansonsten hat er aber genug Dresche für die Verfassungsschützer übrig gehabt - die sächsische Regierung ahnte wahrscheinlich im voraus, warum sie Thüringens Angebot ablehnte, ihre Arbeit auch gleich mit von ihm untersuchen zu lassen...
4. 11.11.11
muenchhausen6000 17.07.2012
Was wirklich bemerkenswert ist: Kölner Beamte arbeiten am 11.11. und schreddern Akten. Normalerweise ist doch dort keiner mehr nüchtern und hat schon mehrmals die verzehrten fetten Berliner ausgekotzt. Das dort einige Schlapphüte [...]
Was wirklich bemerkenswert ist: Kölner Beamte arbeiten am 11.11. und schreddern Akten. Normalerweise ist doch dort keiner mehr nüchtern und hat schon mehrmals die verzehrten fetten Berliner ausgekotzt. Das dort einige Schlapphüte zu dieser Zeit an einem Aktenschredder gestanden haben sollen, zeugt doch von Mut und todesverachtender Hingabe für ihren Vorgesetzten. Normalerweise wird so eine Leistungsbereitschaft doch immer belohnt.

Empfehlen

Verwandte Themen

Video

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter RSS
alles zum Thema Verfassungsschutz
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten