13.07.2012
Marine-Unfall
Eltern von toter "Gorch Fock"-Kadettin klagen in Karlsruhe
Die "Gorch Fock" in Kiel (Archivbild): Das Segelschulschiff wird derzeit saniert
Aachen - Vor vier Jahren stürzte ihre Tochter als Kadettin der "Gorch Fock" in die Nordsee und starb, noch immer kämpfen die Eltern um eine juristische Aufarbeitung des Falls: Sie wollen jetzt mit einer Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht Ermittlungen gegen die Führung des Marine-Schulschiffs erzwingen.
Ihr Anwalt Rainer Dietz sagte, die Beschwerdeschrift sei in Karlsruhe bereits eingereicht worden. Die Eltern wollten erreichen, dass gegen den früheren Kapitän und den Arzt der "Gorch Fock" wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt werde.
Die Offiziersanwärterin Jenny B. war während einer Nachtwache 15 Kilometer vor Norderney in die Nordsee gestürzt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem tragischen Unglück, konnte die Ursache aber nicht abschließend klären. In einem anderen Fall war 2010 eine Kadettin aus der Takelage zu Tode gestürzt.
Die Kadettin sei laut Musterungsakten für den Dienst an Deck untauglich gewesen, trotzdem habe der Arzt sie dort Dienst tun lassen, sagte Dietz. "Durch diese Pflichtwidrigkeit hat er das Risiko extrem gesteigert." Dem Kapitän werfen die Eltern vor, dass die junge Frau bei Windstärke sieben und 15 Grad Wassertemperatur keine Schwimmweste getragen hatte und ungesichert war.
Die Eltern hatten zuvor die Anklage vor dem Oberlandesgericht erzwingen wollen, waren aber gescheitert. Damit werde der im Grundgesetz verankerte effektive Rechtsschutz verletzt, begründete Dietz die Beschwerde. Daneben komme der Staat seiner Verpflichtung nicht nach, den Tod umfassend und unvoreingenommen zu untersuchen.
Die "Gorch Fock" war im vergangenen Jahr aus dem Betrieb genommen worden - Auslöser für diesen Schritt waren Berichte über unhaltbare Zustände an Bord des Schiffes sowie der jüngste tödliche Sturz der Offiziersanwärterin. Das Verteidigungsministerium hält allerdings an dem Schiff fest. Derzeit wird die "Gorch Fock" saniert, für Januar 2013 ist bereits die erste Ausbildungsfahrt mit überarbeitetem Ausbildungskonzept vorgesehen.
hen/dpa/dapd