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19.07.2012
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CSU zur Euro-Krise

"Spanien muss für seine Banken haften"

Parteichef Seehofer, Generalsekretär Dobrindt: "Geld nur gegen Reformen"
dapd

Parteichef Seehofer, Generalsekretär Dobrindt: "Geld nur gegen Reformen"

Bisher steht die CSU in der Euro-Krise treu zur Kanzlerin. Das gilt auch, wenn der Bundestag nun über die Spanien-Hilfen abstimmt. Doch es grummelt in der Partei. Im Interview warnt Generalsekretär Dobrindt vor direkten Bankenhilfen - und beklagt griechische Verhältnisse in den deutschen Ländern.

SPIEGEL ONLINE: Herr Dobrindt, der Bundestag ruft wegen der Spanien-Hilfen zur Sondersitzung. Steht die Kanzlermehrheit?

Alexander Dobrindt: Wir haben in der Vergangenheit immer die Mehrheit bekommen, die wir gebraucht haben. Für die Spanien-Hilfen brauchen wir die einfache Mehrheit.

SPIEGEL ONLINE: Solange SPD und Grüne mit an Bord sind, können Sie natürlich beruhigt sein.

Dobrindt: Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass die Opposition immer zu vernünftigen Entscheidungen in der Europapolitik kommt. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die SPD gerne die sozialistische Internationale über die deutschen Interessen stellt und dafür auch skurrile Wallfahrten ihrer Troika zu Frankreichs Chefsozialisten Hollande einsetzt.

SPIEGEL ONLINE: Spanien soll für seine Banken bis zu 100 Milliarden Euro bekommen. Die Regierung beteuert, der spanische Staat hafte dafür. Aussagen von ESM-Chef Klaus Regling konnte man anders deuten. Reicht Ihnen die Zusage von Angela Merkel?

Dobrindt: Für uns zählt das Wort der Kanzlerin. Es gilt der Grundsatz der strikten Konditionalität. Es darf nicht davon abgewichen werden, dass es Bankenhilfen nur gegen Auflagen gibt. Und der spanische Staat muss für seine Banken gerade stehen.

SPIEGEL ONLINE: Der letzte EU-Gipfel hat den Weg für direkte Bankenhilfen geebnet. Die CSU war irritiert. Wo ist Ihre neue rote Linie in der Euro-Krise?

Dobrindt: An der roten Linie hat sich nichts geändert: Wir wollen keine Vergemeinschaftung der Schulden, Geld gibt es nur gegen strenge Reformen, und die Leistungsfähigkeit Deutschlands darf nicht überfordert werden. Das gilt auch für die Zukunft.

SPIEGEL ONLINE: Also wird die CSU auch direkten Bankenhilfen aus dem ESM zustimmen?

Dobrindt: Nochmal: keine Hilfen ohne Auflagen. Dabei bleibt es. Ich sehe nicht, wie da ein Weg zu direkten Bankenhilfen gehen könnte.

SPIEGEL ONLINE: Sie fordern den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Wann wird sich diese Haltung in der Bundesregierung durchsetzen?

Dobrindt: Griechenland fehlt offensichtlich die Kraft, seine Reformen innerhalb des Euro-Systems durchzusetzen. Also sollte es eine Chance außerhalb der Euro-Zone bekommen. Die EU kann den Griechen auch ohne Euro Hilfestellung geben, mit einer späteren Wiedereintrittsperspektive in die Euro-Zone wäre das ein tragfähiges Angebot.

SPIEGEL ONLINE: Auch in Deutschland müssen die Reichen den Armen helfen. Bayern will gegen den Länderfinanzausgleich klagen. Man wirft ihnen vor, die Solidarität mit den anderen Ländern aufzukündigen.

Dobrindt: Unsolidarisch sind diejenigen, die sich darauf verlassen, dass Bayern ihre maroden Haushalte über die nächsten Jahre und Jahrzehnte mitfinanziert. Bayern dagegen hat nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt, wir zahlen auch alte Schulden zurück. Diese Anstrengungen kann man auch von anderen Bundesländern verlangen. Wir zahlen inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Länderfinanzausgleichs. Das ganze System ist aus dem Ruder gelaufen.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem steht Bayern alleine da, die anderen Geberländer wollen nicht mitklagen. Gibt Ihnen das nicht zu denken?

Dobrindt: Hessen und Baden-Württemberg haben immer gesagt, dass auch sie mit dem Länderfinanzausgleich unzufrieden sind. Ich gehe davon aus, dass sich beide Länder unserem Anliegen anschließen werden.

SPIEGEL ONLINE: Das heutige System wurde vom damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber mit ausgehandelt. Im Bundestag stimmte 2001 auch Horst Seehofer zu. Die SPD lästert, die CSU klage gegen sich selbst.

Dobrindt: Vor elf Jahren hatten die Nehmerländer zugesagt, alles zu unternehmen, um aus ihrer Malaise herauszukommen. Diese Zusagen wurden nicht eingehalten. Die Schere ist sogar größer geworden. Bayern war auch mal Nehmerland, aber wir haben uns angestrengt, sind als einziges Land vom Nehmer- zum Geberland geworden. Heute zahlen wir aus unserem 46-Milliarden-Euro-Etat eine Milliarde alte Schulden zurück, müssen aber gleichzeitig fast 3,7 Milliarden in den Länderfinanzausgleich geben. Das System bestraft die, die sich anstrengen, und belohnt jene, die sich nicht anstrengen.

SPIEGEL ONLINE: Sie hacken vor allem auf dem größten Nehmerland Berlin herum. Zieht das Spiel fleißige Bayern gegen faule Preußen einfach besonders gut im bayerischen Landtagswahlkampf?

Dobrindt: Einspruch. Wir haben in den vergangen zwei Jahren immer wieder betont, dass der Länderfinanzausgleich korrigiert werden muss, und haben dazu Verhandlungen angeboten. Die Schuldenländer mit ihrer griechischen Hängematten-Finanzpolitik wie Berlin und jetzt auch Nordrhein-Westfalen haben sich dem verschlossen, deswegen müssen wir jetzt den Klageweg gehen. Jetzt ist Ende der Fahnenstange.

SPIEGEL ONLINE: Besteht noch die Chance, dass Sie auf die Klage verzichten, wenn es wieder Bewegung gibt?

Dobrindt: Wir haben lange genug verhandelt, jetzt bereiten wir die Klage vor. Die Nehmerländer sind aber nicht gehindert, jederzeit ein tragfähiges Verhandlungsangebot vorzulegen.

Das Interview führte Philipp Wittrock.

Forum

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insgesamt 26 Beiträge
1.
Rodelkoenig 19.07.2012
Tja. Die CSU ist halt schon im Wahlkampf und muss nun ein bisschen hie und da auf den Busch klopfen. Man muss bedenken, dass die CSU in Bayern viel zu verlieren hat. Man hat gesehen, welcher CDU-Filz und welche Machenschaften in [...]
Tja. Die CSU ist halt schon im Wahlkampf und muss nun ein bisschen hie und da auf den Busch klopfen. Man muss bedenken, dass die CSU in Bayern viel zu verlieren hat. Man hat gesehen, welcher CDU-Filz und welche Machenschaften in Ba-Wü nach 50 Jahren CDU-Alleinherrschaft so alles ans Tageslicht getreten sind, als erstmals neue Leute in die Akten von Behörden und Ministerien schauen konnten. In Bayern würde das gleiche passieren. Nach 50 Jahren CSU-Alleinherrschaft hat sich auch da eine Menge Filz, Korruption und Kungelei angesammelt, was sofort auffliegt, wenn plötzlich neue Leute in die Büros und Ministerien einziehen. Es würde mich nicht wundern, wenn die neuen Minister dann leere Aktenschränke vorfinden würden, so wie es teilweise in Ba-Wü und auch bei Wulff der Fall war. Die CSU in Bayern abgewählt und in der Oppositionsrolle. Das wär's doch. Ich hoffe, dass ich das eines Tages noch erlebe.
2. optional
jehudi 19.07.2012
Viel Erfolg! Aber das Leistungsprinzip ist leider mittlerweile nicht mehr in der Denke der meiste MEnschen,,,, Ich hoffe auf eine baldige schlechte Zeit, die mal wieder alle auf den Boden der Realität bringt...
Viel Erfolg! Aber das Leistungsprinzip ist leider mittlerweile nicht mehr in der Denke der meiste MEnschen,,,, Ich hoffe auf eine baldige schlechte Zeit, die mal wieder alle auf den Boden der Realität bringt...
3. Trau - schau - wem
vielfeindvielehr 19.07.2012
Genau, der Beschenkte haftet für sein Geschenk, ausserdem Spanien alles solches ist sowieso in der Hand derjenigen, die bei den Banken auch das Sagen haben, also der Fall erledigt. Trotzdem ein Tipp als mehrjähriger [...]
Genau, der Beschenkte haftet für sein Geschenk, ausserdem Spanien alles solches ist sowieso in der Hand derjenigen, die bei den Banken auch das Sagen haben, also der Fall erledigt. Trotzdem ein Tipp als mehrjähriger Steuerzahler in Spanien, bevor man die XXK-Millarden überweist, sollte unser Innenminister (oder Westerwelle ?) nochmals überprüfen, ob auch mit allen süd- und mittelamerikanischen Staaten ein aktualisiertes Auslieferungsabkommen besteht, besonders für "Kapital - Verbrecher".
4. ....
mm01 19.07.2012
"Spanien muss für seine Banken haften" Spanien wird *NICHT* für seine Banken haften: "Wer haftet für mögliche Milliarden-Kredite an europäische Banken? Die jeweiligen Staaten, sagt Finanzminister Schäuble. [...]
"Spanien muss für seine Banken haften" Spanien wird *NICHT* für seine Banken haften: "Wer haftet für mögliche Milliarden-Kredite an europäische Banken? Die jeweiligen Staaten, sagt Finanzminister Schäuble. Doch der künftige Chef des Rettungsschirms ESM widerspricht, Klaus Regling sieht das Risiko bei den Geldgebern - also auch bei Deutschland." http://forum.spiegel.de/f22/haftung-fuer-bankenhilfen-esm-chef-regling-widerspricht-schaeuble-65884.html
5. Lieber Rodelkoenig ...
ichbinmalweg 19.07.2012
... das mag ja alles sein, was sie beschreiben, aber mit der grundsätzlichen Thematik des spanischen Bankenhaftung hat es primär nichts zu tun. Der Begriff von Dobrindt der "griechischen Hängemattenpolitik" wird [...]
Zitat von RodelkoenigTja. Die CSU ist halt schon im Wahlkampf und muss nun ein bisschen hie und da auf den Busch klopfen. Man muss bedenken, dass die CSU in Bayern viel zu verlieren hat. Man hat gesehen, welcher CDU-Filz und welche Machenschaften in Ba-Wü nach 50 Jahren CDU-Alleinherrschaft so alles ans Tageslicht getreten sind, als erstmals neue Leute in die Akten von Behörden und Ministerien schauen konnten. In Bayern würde das gleiche passieren. Nach 50 Jahren CSU-Alleinherrschaft hat sich auch da eine Menge Filz, Korruption und Kungelei angesammelt, was sofort auffliegt, wenn plötzlich neue Leute in die Büros und Ministerien einziehen. Es würde mich nicht wundern, wenn die neuen Minister dann leere Aktenschränke vorfinden würden, so wie es teilweise in Ba-Wü und auch bei Wulff der Fall war. Die CSU in Bayern abgewählt und in der Oppositionsrolle. Das wär's doch. Ich hoffe, dass ich das eines Tages noch erlebe.
... das mag ja alles sein, was sie beschreiben, aber mit der grundsätzlichen Thematik des spanischen Bankenhaftung hat es primär nichts zu tun. Der Begriff von Dobrindt der "griechischen Hängemattenpolitik" wird doch aufgrund der Vorgänge, die Sie beschreiben doch nicht fälscher, oder doch??? Die CSU in der Oppositionsrolle in Bayern??? Never ever!!! Auch wenn ich da Vorteile drin sehen könnte, glaube ich das nicht. Das Problem der CSU ist doch, nicht mehr die absolute Mehrheit zu haben; für andere Bundesländer sind das doch Traumzustände, von der Bundesregierung ganz zu schweigen. Aber das Banken Geld erhalten ohne das Spanien reformiert, was ist schlecht daran??? Die Jungs haben die ganzen Reformen, die wir schmerzhaft durchleben und durchleben werden, einfach noch vor sich. Da sind die jetzt nicht so scharf drauf, außer natürlich auf das "leichte und schnelle" Geld. Man sollte sich dafür hüten seine Entscheidungen davon abhängig zu machen, welches Parteibuch der Proklamator trägt. Das verengt eher die Sicht auf die Dinge. Grüße aus München

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