04.08.2012
Ziercke-Nachfolge
Innenminister findet keinen neuen BKA-Chef
BKA-Chef Ziercke (im Juni): Nachfolger verzweifelt gesucht
Berlin/München - Das Bundesinnenministerium hat nach den Querelen um den Wechsel an der Spitze der Bundespolizei laut einem Zeitungsbericht neue Personalsorgen: Die seit Monaten laufende Suche nach einem Nachfolger für den Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, blieb nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" bislang erfolglos.
Ziercke war am 18. Juli 65 Jahre alt geworden. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte Zierckes Amtszeit bereits im Januar einmal verlängert, weil er insbesondere nach dem Skandal um die rechtsextremistische Mordserie keinen Wechsel an der BKA-Spitze wollte. Das Amt führt die Ermittlungen zur Zwickauer Terrorzelle.
Ziercke ist seit 2004 BKA-Präsident. Da er aus Altersgründen früher oder später abgelöst werden muss, suchten Spitzenbeamte des Ministeriums insbesondere unter führenden Polizeibeamten der Bundesländer nach geeigneten praxiserprobten Kandidaten, schreibt die Zeitung. Bislang habe sich in diesem Kreis aber kein geeigneter Anwärter gefunden. Die Idee, Helmut Teichmann, den Chef des Leitungsstabs im Verteidigungsministerium, zum neuen BKA-Chef zu ernennen, wurde laut dem Bericht verworfen.
Nun wird offenbar diskutiert, dass Friedrich Zierckes Amtszeit noch ein zweites Mal ausdehnen könne. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sprach sich für einen Verbleib Zierckes an der BKA-Spitze aus. "Man sollte seine Amtszeit um ein weiteres Jahr oder auch zwei Jahre verlängern", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Er erlebe bei Ziercke keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit.
Innenminister Friedrich hatte in den vergangenen Monaten die Leiter von vier zentralen Sicherheitsbehörden ausgetauscht und Beamte aus seinem Haus in die Spitzenpositionen ernannt.
Zuletzt gab es Ärger um die Entlassung von Bundespolizei-Chef Matthias Seeger, dem mit Dieter Romann einer von Friedrichs Referatsleitern im Innenministerium nachfolgte. Seeger hatte Friedrich öffentlich attackiert, von einem "würdelosen Vorgang" gesprochen.
Trotz der Querelen um Bundespolizei und Verfassungsschutz haben 57 Prozent der Deutschen nach wie vor Vertrauen in die deutschen Sicherheitsbehörden. Das ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Focus". Immerhin 30 Prozent bezeichneten ihr Vertrauen in die Behörden aber als "eher schwach", neun Prozent sogar als "sehr schwach".
fab/dpa