17.08.2012
Grünes Wahl-Spitzenduo
Göring-Eckardt will ein bisschen kandidieren
Von Florian Gathmann
Grünen-Politikerin Göring-Eckardt: Will Teil eines Spitzenteams für die Bundestagswahl sein
Berlin - Macht sie's? Oder lieber nicht? Katrin Göring-Eckardt hat eine Antwort gegeben, die niemanden so richtig überrascht, der die Grünen-Politikerin kennt: Die Bundestagsvizepräsidentin geht einen halben Schritt in Sachen Spitzenkandidatur. Sie wolle "mit aller Kraft und allen meinen Möglichkeiten in einem Grünen-Spitzenteam kämpfen", schreibt Göring-Eckardt in einer Erklärung, die sie am Freitagnachmittag auf ihrer Homepage veröffentlichte.
Das ist insofern nur ein Schrittchen, weil ein Spitzenteam eigentlich nicht mehr zur Debatte steht: Nach aktuellem Stand wollen die Grünen mit einem Duo in den kommenden Bundestagswahlkampf ziehen. Für den Fall, dass sich mehr als zwei ernsthafte Bewerber dafür melden, hat man eine Urwahl vorgesehen. Genau das ist jetzt der Fall, denn die Parteivorsitzende Claudia Roth und Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin haben ihre Kandidatur angekündigt.
Doch von einer Urwahl hält Göring-Eckardt nichts, "denn sie bedeutet Beschäftigung mit uns selbst und verlängert einen Prozess, der uns schon in den letzten Monaten alles andere als gut getan hat." Außerdem, so schreibt sie, sei eine Urwahl "übrigens auch keine Mutprobe".
Nach Meinung vieler ist sie eben doch eine Art Mutprobe. Jedenfalls wenn man nicht Jürgen Trittin heißt. Würde er gemeinsam mit Parteichefin Roth und Göring-Eckardt bei einer Urwahl antreten, gälte Trittin als gesetzt. Zwar gehört er formal dem linken Lager an, aber Trittin wird inzwischen flügelübergreifend geschätzt.
Göring-Eckardt müsste in einer Urwahl wohl bangen
Die beiden Frauen müssten allerdings bangen - und wohl vor allem Göring-Eckardt. Roth hat sich als langjährige Vorsitzende zwar auch einige Feinde gemacht und wird von manchen im Lager der sogenannten Reformer als unerträgliche Retro-Linke gesehen, aber sie ist fest verwurzelt bei den Grünen. Dagegen galt Göring-Eckardt zunächst als Zögling von Joschka Fischer - zu Zeiten von Rot-Grün führte die Thüringerin einige Jahre die Bundestagsfraktion an - , seither hat sie als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland vor allem außerhalb der Partei auf sich aufmerksam gemacht.
Ganz zu schweigen von dem Szenario, wenn auch noch Renate Künast ins Kandidaten-Rennen einsteigen würde: Dann würde es für Göring-Eckardt wohl noch kniffliger, weil sie und Künast sich gegenseitig im Realo-Lager Konkurrenz machten. Ob die Bundestagsfraktionschefin allerdings antritt, ist noch offen.
Katrin Göring-Eckardts Erklärung vom Freitag ist wohl so zu verstehen: Sie möchte Spitzenkandidatin sein - scheut aber die direkte Auseinandersetzung mit den anderen Bewerbern. So richtig kann Göring-Eckardt jetzt allerdings nicht mehr zurück, daher wohl auch dieser Satz: "Eine Urwahl ist eine Möglichkeit, zu SpitzenkandidatInnen zu kommen, der ich mich nicht verweigere."
Aber erst mal möchten sie und ihre Unterstützer alles dafür tun, dass es erst gar nicht dazu kommt. Daher die Rede vom Spitzenteam. "Ich trete gern in einem Team an, das alle unsere Stärken zusammenbringt, das unsere Schwächen minimiert und so viele Menschen wie möglich anspricht und überzeugen kann für den Politikwechsel", heißt es in Göring-Eckardts Papier. Es komme nicht darauf an, "wie viele Menschen unsere Politik herausgehoben vertreten, sondern dass sie es gut machen und sich gegenseitig ergänzen".
Ihre Unterstützer loben die Team-Idee
"Ich fände es richtig, eine gemeinsame Lösung herbeizuführen", sagt Dieter Janecek, Landeschef der bayerischen Grünen und einer der größten Unterstützer von Göring-Eckardt. Zu dieser Gruppe gehört auch Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer. "Ein Team, bei dem Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt dabei sind, finde ich gut", sagt er. "Das wird viele Menschen ansprechen." Also weg mit der Idee vom Spitzen-Duo? Göring-Eckardts formuliert es so: Der Bundesvorstand solle sich "entschließen, mit einem Teamvorschlag in den Länderrat am 2. September zu gehen, um Lähmung und Selbstbeschäftigung zu beenden".
Dass es dazu kommt, ist allerdings schwer vorstellbar. Zumal selbst im Realo-Lager schon zwei Spitzenkandidaten als einer zu viel gelten, so sieht es beispielsweise Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Und Fraktionschef Trittin stellte zuletzt im SPIEGEL klar, dass es für ihn keine Alternative zu einem Duo gibt.
Und nun sollen es drei, vier oder vielleicht sogar fünf Kandidaten sein? Wäre dann vielleicht auch Parteichef Cem Özdemir, der sich frühzeitig aus dem Rennen genommen hatte, mit im Team? So liest sich jedenfalls Göring-Eckardts Idee von einem "Spitzenteam mit Frauen und Männern unterschiedlicher Generationen, mit je eigenen Geschichten und inhaltlichen Schwerpunkten".
Ohne Zweifel hat ihre Erklärung neuen Schwung in die Spitzenkandidaten-Debatte gebracht. Mehr Klarheit allerdings nicht.