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15.11.2012
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Ärger ums Geld

Kuschelkonferenz kommt Piraten teuer zu stehen

Von
SPIEGEL ONLINE

Pirat Ponader und Mitorganisatorin Simon (auf der Flauschcon): Ärger ums Geld

8000 Euro für Dekoration, 5800 für Schäden am Hallenboden: Eine kleine Anti-Shitstorm-Konferenz kommt die Piraten teuer zu stehen - die Kosten haben sich plötzlich mehr als verzehnfacht. Der Schuldige scheint ausgemacht. In der chronisch klammen Partei kommt das Finanzdesaster nicht gut an.

Hamburg - Die Piraten hatten sich richtig Mühe gegeben. Ein großes Bällebad mit rund 17.000 bunten Kugeln hatten sie aufgebaut, cremefarbene Sofas aufgestellt, Liegestühle vor Fototapeten drapiert. Eine Wohlfühllandschaft für geplagte Freibeuter.

Im September lud die streiterprobte Partei zur "Flauschcon", einer Konferenz zur Verbesserung der innerparteilichen Kommunikation. Ganz entspannt wollte man über den miesen Umgangston in der Partei reden - selbst den Boden in der angemieteten Bielefelder Mehrzweckhalle hatte man extra mit orangefarbenem Teppich ausgelegt.

Es war eine schöne Veranstaltung: Der politische Geschäftsführer, Johannes Ponader, sprang immer wieder ins Bällebad, seine Vorgängerin Marina Weisband schlummerte auf einer Couch, es gab Workshops und Panel-Diskussionen. Es kamen zwar etwas weniger Piraten als erhofft, aber nun gut. Jetzt, gut zwei Monate später, kommt offenbar das dicke Ende der Kuschelkonferenz.

Seit Wochen bohren Piraten immer wieder bei den Organisatoren wegen der Kosten nach. Am Dienstag machte dann ein internes Abrechnungsprotokoll die Runde. Demnach liegen die Kosten nicht bei den veranschlagten 2400 Euro, sondern bei 28.000 Euro. Unter anderem sind nun 8500 Euro für "Dekomaterial" veranschlagt. Dazu ein "Bällebad im Wert von 2975,00 Euro". Und dann Hotelkosten für 1800 Euro. So weit, so teuer. Und als ob das noch nicht genügen würde, ist auch ein "Bodenbeschichtungsschaden durch falschen Teppichkleber ca. 5000 Euro" vermerkt.

Eine Posse aus der Provinz? Sicherlich. Peanuts? Vielleicht. Doch in der klammen Piratenpartei sorgt die Kostenexplosion für Irritationen. Die Zahlungsmoral unter Parteimitgliedern ist mies, die Freibeuter können es sich nicht leisten, ihre Vorständler zu bezahlen. Auch für den Bundestagswahlkampf muss die Partei knausern.

Geld ist immer knapp, und nun das. Dass für eine nette, aber nicht notwendige Veranstaltung, die Kosten explodieren, lässt die wenigsten Piraten kalt. "Das mit den Kosten der "Flauschcon" ist doch ein Witz oder", twitterte etwa der frühere Generalsekretär Wilm Schumacher am Mittwoch.

Falsche Visitenkarten als "Eventmanager der Piratenpartei"

Wer hat Schuld? Der Landesverband Nordrhein-Westfalen, in dessen Hoheitsgebiet die "Flauschcon" stattfand, machte am Mittwochnachmittag mit einer Stellungnahme seinem Ärger Luft. Dort stehen andere Zahlen als in dem Abrechnungsprotokoll. Verschiedene Rechnungen seien an den Vorstand herangetragen worden, doch man sehe sich nicht in der Pflicht, sie zu bezahlen. Es geht um offene Summe von 13.030 Euro. Immerhin wolle man den Schaden bei der Verlegung des Teppichs bei der Versicherung einreichen.

Die Konferenz wurde von einem Team organisiert, das unabhängig von festen Parteistrukturen gearbeitet hat. Ein Mitglied des Orga-Teams, so stellen es die Kollegen dar, hatte mehrere teure Anschaffungen als Spenden bei seinen Kollegen angekündigt, nun seien allerdings Rechnungen dafür gestellt worden. Davon wurde die Partei kalt erwischt.

Das betreffende Mitglied soll als "Eventmanager der Piratenpartei Deutschland" aufgetreten sein, sich sogar entsprechende Visitenkarten gedruckt haben. Er soll auch für die hohen Hotelkosten verantwortlich sein. Seine Mitorganisatoren schöpften offenbar keinen Verdacht - das Orga-Team wollte nichts öffentlich zum Vorfall sagen, man müsse es erst noch intern aufarbeiten.

Der Betroffene meldet sich zu Wort

Der Landesvorstand erreicht nach eigenen Angaben den 23-jährigen Veranstaltungskaufmann seit Wochen nicht. Laut Landesvorsitzendem Sven Sladek soll er auf eigene Faust gehandelt haben. Allerdings soll der Mann auch bei anderen Veranstaltungen der Piraten mit ähnlichem Gebaren aufgefallen sein.

Am Donnerstagabend meldete sich der betroffene Veranstaltungskaufmann bei SPIEGEL ONLINE. Er betonte, er sehe sich zu Unrecht am Pranger. "Ich habe den Mist mitverzapft, aber auch andere haben Fehler gemacht", sagte er und berichtete von schlechter Organisation im Orga-Team. Die offenen Rechnungen in der Höhe von 13.030 Euro "werde er aber zur Not selbst bezahlen".

Beim Landesverband will man mit dem Finanzdesaster nichts zu tun haben. Einige im Vorstand schüttelten auch die Köpfe über die Organisatoren der Kuschelkonferenz. Der Landesvorsitzende Sladek sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir hatten mit der Organisation der "Flauschcon" nicht viel zu tun, uns wurde jedoch ständig versichert, man kriege das schon hin." Weiter sagte Sladek: "In der Zukunft müssen wir solche Events professioneller aufziehen."

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insgesamt 149 Beiträge
1.
frubi 15.11.2012
In Bayern lässt eine Justizministerin einen Mann zu unrecht in der Klapse verrotten, die Partei zeigt ihr undemokratisches Gesicht mit Anrufen bei der ÖRA und bei SPON wird seit 2 Wochen über die Piraten berichtet, als [...]
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINE8000 Euro für Dekoration, 5800 für Schäden am Hallenboden: Eine kleine Anti-Shitstorm-Konferenz kommt die Piraten teuer zu stehen - die Kosten haben sich plötzlich mehr als verzehnfacht. Der Schuldige scheint ausgemacht. In der chronisch klammen Partei kommt das Finanzdesaster nicht gut an. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/flauschcon-konferenz-der-piraten-sorgt-fuer-finanz-aerger-a-867288.html
In Bayern lässt eine Justizministerin einen Mann zu unrecht in der Klapse verrotten, die Partei zeigt ihr undemokratisches Gesicht mit Anrufen bei der ÖRA und bei SPON wird seit 2 Wochen über die Piraten berichtet, als wäre diese Partei irgendjemandem etwas schuldig. Kann dieses sinnlose Bashing über jeder kleinere Meldung einmal aufhören? Kritische Berichterstattung gerne aber das ist wirklich lächerlich. Schreibt doch einmal über Frau Merk und ihre Lügengeschichten, die wirklich schaden anrichten. Die Piraten schaden doch niemandem, außer sich selber.
2. Zurücklehnen und zuschauen ...
stefanbodensee 15.11.2012
Offensichtlich erleben wir gerade einen Schnellkursus in 'wie demontiere ich meine Partei schnellstmöglich', selten einen solchen Haufen von größtenteils realitätsfremden Warmduschern und nichtssagenden Gaga-Plaudertaschen [...]
Offensichtlich erleben wir gerade einen Schnellkursus in 'wie demontiere ich meine Partei schnellstmöglich', selten einen solchen Haufen von größtenteils realitätsfremden Warmduschern und nichtssagenden Gaga-Plaudertaschen erlebt. Nun ja, das dürfte auch bald überstanden sein, wenn es in dieser Taktung weitergeht ...
3.
deus-Lo-vult 15.11.2012
Die Piraten schaffen sich ebenso selbst ab, wie die FDP. Dabei hatte ich auf eine ernsthafte, neue Partei gehofft. Schade.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINE8000 Euro für Dekoration, 5800 für Schäden am Hallenboden: Eine kleine Anti-Shitstorm-Konferenz kommt die Piraten teuer zu stehen - die Kosten haben sich plötzlich mehr als verzehnfacht. Der Schuldige scheint ausgemacht. In der chronisch klammen Partei kommt das Finanzdesaster nicht gut an. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/flauschcon-konferenz-der-piraten-sorgt-fuer-finanz-aerger-a-867288.html
Die Piraten schaffen sich ebenso selbst ab, wie die FDP. Dabei hatte ich auf eine ernsthafte, neue Partei gehofft. Schade.
4. Alles genau wie
eisbaerchen 15.11.2012
bei den etablierten Parteien, nur ein paar Nummern kleiner...Aber mal ehrlich, das da Hotelkosten für 1800 Euro erwähnt werden, ist sowas von lachhaft in der Grössenordnung..wenn solche Grössenordnungen schon finanzielle [...]
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINE8000 Euro für Dekoration, 5800 für Schäden am Hallenboden: Eine kleine Anti-Shitstorm-Konferenz kommt die Piraten teuer zu stehen - die Kosten haben sich plötzlich mehr als verzehnfacht. Der Schuldige scheint ausgemacht. In der chronisch klammen Partei kommt das Finanzdesaster nicht gut an. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/flauschcon-konferenz-der-piraten-sorgt-fuer-finanz-aerger-a-867288.html
bei den etablierten Parteien, nur ein paar Nummern kleiner...Aber mal ehrlich, das da Hotelkosten für 1800 Euro erwähnt werden, ist sowas von lachhaft in der Grössenordnung..wenn solche Grössenordnungen schon finanzielle Probleme macht, dann Tschüss Piraten, ihr seid schon am Ende bevor ihr richtig angefangen habt...
5. Bällebad
verinet 15.11.2012
das Wichtigste bei "Piraten" Veranstaltungen scheint das Vorhandensein eines Bällebades zu sein.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINE8000 Euro für Dekoration, 5800 für Schäden am Hallenboden: Eine kleine Anti-Shitstorm-Konferenz kommt die Piraten teuer zu stehen - die Kosten haben sich plötzlich mehr als verzehnfacht. Der Schuldige scheint ausgemacht. In der chronisch klammen Partei kommt das Finanzdesaster nicht gut an. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/flauschcon-konferenz-der-piraten-sorgt-fuer-finanz-aerger-a-867288.html
das Wichtigste bei "Piraten" Veranstaltungen scheint das Vorhandensein eines Bällebades zu sein.

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