18.11.2012
Familienpolitik
Arbeitgeber wollen Elternzeit kräftig kürzen
Mutter mit Kinderwagen in München: Arbeitgeberpräsident drängt auf kürzere Elternzeit
Berlin - Die Arbeitgeberverbände wollen Eltern schneller in die Erwerbstätigkeit zurückholen und deshalb die Elternzeit deutlich kürzen. "Sobald der Ausbau der Kinderbetreuung gewährleistet ist, sollte die Elternzeit stufenweise auf zwölf Monate abgesenkt werden", sagte Dieter Hundt, der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), der "Welt".
Deutschland habe mit bis zu drei Jahren die im europäischen Vergleich längsten Elternzeiten. Dies wirke sich negativ auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus, kritisierte Hundt.
Das Elterngeld, das Eltern bis zu 14 Monate als Lohnersatzleistung beziehen können, nimmt der Arbeitgeberverband ebenfalls ins Visier. "Auch beim Elterngeld sind die Anreize zum Verbleib oder zur zügigen Rückkehr in Beschäftigung zu gering, um Wirkung zu entfalten", sagte der BDA-Präsident. Er forderte, den Bezug von Elterngeld auf maximal ein Jahr zu beschränken.
Dafür erntete Hundt scharfe Kritik von den zuständigen Ministerien. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sagte, wie Eltern in Deutschland die Betreuung ihrer Kinder in den ersten drei Jahren organisieren, sei "Sache der Familien und nicht des BDA und das wird auch so bleiben". Familien seien "nicht ökonomische Verfügungsmasse".
"Kinderfeindliche Äußerungen"
Die bayerische Arbeits- und Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) warf Hundt ein schädigendes Verhalten für die deutsche Wirtschaft vor. "Die kinder- und familienfeindlichen Äußerungen des Arbeitgeberpräsidenten richten schon länger einen enormen Imageschaden für die deutsche Arbeitswelt an und konterkarieren die zahlreichen Bemühungen unserer Arbeitgeber für eine familienfreundliche Arbeitswelt", sagte die Ministerin am Sonntag in München.
Damit beweise Hundt, dass Kinder für ihn "reine Störfaktoren bei der Produktivität einer Gesellschaft" seien, sagte Haderthauer. "Ehrlicher würde der Arbeitgeberpräsident agieren, wenn er gleich die Empfehlung ausgeben würde, auf das Kinderbekommen zu verzichten."
Die Forderungen der BDA beziehen sich auf einen Gesetzesentwurf des Familienministeriums, das die Großelternzeit einführen und die Elternzeit modernisieren will. "Je länger Frauen aus dem Beruf aussteigen, desto schwieriger ist die Wiedereingliederung, desto größer sind die Qualifikationsverluste und desto geringer sind die Karrierechancen", heißt es in dem vorliegenden Positionspapier der Arbeitgeber.
fab/AFP/dapd