26.11.2012
Personenkult in der NRW-CDU
Bilderstreit der Bosse
Von Jörg Diehl, Düsseldorf
CDU-Mitgliederzeitung "Bei uns in NRW": 28 Fotos des Parteichefs auf 48 Seiten
"Bei uns in NRW" heißt das Mitgliedermagazin der nordrhein-westfälischen CDU, das klingt einträchtig und harmonisch, doch die Novemberausgabe der Postille sorgt für gehörigen Ärger. Vom Titel des Heftchens nämlich blickt der Parteivorsitzende Armin Laschet, er trägt Helm und Schutzbrille, dazu einen grauen Kittel, im Hintergrund lodert das Feuer eines Hochofens. Das Problem aber ist: Die folgenden 47 Seiten zeigen 27 weitere Fotos des Politikers.
So viel Laschet ist manchem in der Partei deutlich zu viel. Karl-Josef Laumann etwa, der einflussreiche CDU-Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag, machte unlängst bei einer Parteiveranstaltung seinem Unmut Luft. "Es hat kräftig gerummst", sagte ein Kreisvorsitzender der "WAZ". Andere Lokalgrößen ärgerten sich demnach über einen vermeintlichen "Personenkult" und kritisierten die "übertriebene Selbstdarstellung" des Chefs. Ein Sprecher der Fraktion räumte ein, es habe eine "Meinungsverschiedenheit" gegeben. Die Sprecherin der Partei nannte es hingegen "Abstimmungsprobleme auf Arbeitsebene".
Die Bilder in dem Heft, das Laschets neuer Generalsekretär Bodo Löttgen verantwortet, zeigen einen omnipräsenten Landesvorsitzenden: Laschet als einfühlsamer Gesprächspartner, als zupackender Arbeiterführer und geistreicher Redner. Laumann hingegen taucht gerade einmal auf drei Aufnahmen auf, zwei davon sind Gruppenfotos unter anderem mit Armin Laschet. "Darüber haben sie sich in die Wolle gekriegt", sagte ein CDU-Bezirksvorsitzender SPIEGEL ONLINE.
Schwierige Balance
Die Posse, so nebensächlich sie auch erscheinen mag, zeigt ziemlich plastisch, wie schwierig die Balance zwischen Partei und Fraktion für die nordrhein-westfälischen Christdemokraten geworden ist. Die Doppelspitze aus Laschet und Laumann war eine Notlösung, geboren aus der krachenden Niederlage des Norbert Röttgen, als niemand die Kraft aufbrachte, die demoralisierten Truppen vollständig hinter sich zu versammeln.
Laschet und Laumann verkörpern ganz unterschiedliche Flügel in dem mit 150.000 Mitgliedern größten Landesverband der Partei. Der Aachener Laschet steht für die großstädtische, bürgerlich-liberale CDU und hat wohl auch in Berlin einflussreiche Fürsprecher. Allerdings haftet dem gelernten Journalisten, 51 Jahre alt, der Makel an, vor zwei Jahren die Wahlen sowohl zum Fraktionsvorsitzenden (gegen Laumann) als auch zum Parteichef (gegen Röttgen) verloren zu haben.
Der Münsterländer Laumann hingegen, ein gelernter Maschinenschlosser, vertritt die ländlich-konservative CDU. Der 55-Jährige gibt sich volkstümlich, geht gern auf Schützenfeste und in die Bierzelte. Er pflegt zudem eine derbe Sprache und poltert auch schon einmal kräftig. Seine rhetorischen Möglichkeiten sind indes begrenzt. Viele in der Partei fürchten daher, Laumann könnte neben dem eloquenten Christian Lindner eine schlechte Figur abgeben und die Oppositionsführerschaft gegen Rot-Grün am Rhein einbüßen.
Immer wieder wurden in den vergangenen Monaten Gerüchte lanciert, denen zufolge Laumann eine Position in Berlin anstrebe. Der Westfale hat diese Spekulationen jedoch stets mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen: Er habe eine Aufgabe in Düsseldorf zu erfüllen, tönte er. Inzwischen darf man davon ausgehen, dass von seiner Arbeit im Landtag künftig auch verstärkt in der Mitgliederzeitschrift der nordrhein-westfälischen CDU berichtet werden wird - in Wort und Bild.
