11.12.2012
CSU-Chef
Seehofer lästert über Guttenberg und Röttgen
CSU-Chef Seehofer: Ein paar Gedanken über "Glühwürmchen"
München - Das Jahr geht allmählich zu Ende, da darf man ja ein bisschen bilanzieren - Horst Seehofer jedenfalls hat bei einem traditionellen Weihnachtsessen der CSU mit Journalisten am Montagabend ungewöhnlich offen geplaudert. Seine Bilanz war eher eine Abrechnung, zumindest als es um Ex-Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ging.
Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident verglich die beiden mit "Glühwürmchen", deren Leuchten nicht von langer Dauer ist. Ihm seien bodenständige Menschen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lieber, fügte er hinzu - und verzichtete darauf, Vertraulichkeit für seine Äußerungen festzulegen. "Es ist alles frei", sagte Seehofer.
Seehofer bezweifelte ferner mit deutlichen Worten, dass dem Berliner Koalitionspartner FDP das Eintreten für eine Abschaffung der Praxisgebühr in der Wählergunst spürbar hilft. Er sagte mit Blick auf das anhaltende Umfragetief der Liberalen: "Was hat ihnen denn die Praxisgebühr gebracht? Zwei Milliarden zum Kamin raus!"
Bislang wurde eine Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro pro Quartal bei Arztbesuchen erhoben. Sie brachte rund zwei Milliarden Euro im Jahr, wird aber auf Druck der FDP zum Januar 2013 abgeschafft. Seehofer sagte dazu: "Zehn Euro in drei Monaten - das registriert überhaupt keiner." Die CSU habe der Forderung der Liberalen nur zugestimmt, weil sie Teil eines "Pakets" der schwarz-gelben Koalition war - "das wir aber anders geschnürt hätten".
Mit dem Zustand der eigenen Partei zeigte sich Seehofer weitgehend zufrieden. In seiner Rede sagte er mit Blick auf das CSU-Debakel bei der bayerischen Landtagswahl vor vier Jahren: "Wir haben eine Menge seit dem Herbst 2008 bewerkstelligt." Und Seehofer fügte hinzu: "Wir sind jetzt wirklich sehr flott und frisch unterwegs." Allerdings sei dies "nicht überall" so richtig verstanden worden.
Bereits im Mai hatte Seehofer für Schlagzeilen gesorgt, als er ein zunächst inoffizielles Nachgespräch zu einem Interview mit ZDF-Moderator Claus Kleber mit den Worten freigab: "Sie können das alles senden". Darin attackierte der CSU-Chef insbesondere den bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gescheiterten CDU-Spitzenkandidaten Röttgen.
hen/dapd