10.01.2013
Streit um Zuschussrente
Von der Leyen mahnt CSU zur Vertragstreue
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: "Gehe davon aus, dass die CSU vertragstreu bleibt"
Berlin - Die CSU stellt sich quer. Die geplante Zuschussrente für Geringverdiener - die sogenannte Lebensleistungsrente - lehnt sie kategorisch ab; in einem neuen Grundsatzpapier hat sie diese Haltung nun bekräftigt. Die Erklärung kommt nur Wochen, nachdem sich die Spitzen von Union und FDP im November im Koalitionsausschuss auf das Vorhaben geeinigt hatten.
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat das Projekt gegen Widerstände in Union und FDP durchgeboxt. Sie beharrt am Donnerstag auf der getroffenen Entscheidung: "Ich gehe davon aus, dass die CSU vertragstreu zum jüngsten Beschluss des Koalitionsausschusses steht. Wer jahrzehntelang gearbeitet, vorgesorgt und in die Rentenversicherung eingezahlt hat, der muss auch am Ende von seiner Rente leben können."
Ministerin von der Leyen will Mini-Renten von Geringverdienern aufstocken. Niedrige Renten sollten aufgestockt werden, und zwar aus Steuermitteln, sofern die Ruheständler 40 Jahre lang Beiträge gezahlt und privat vorgesorgt haben. Diese Lebensleistungsrente soll knapp oberhalb der staatlichen Grundsicherung von durchschnittlich 707 Euro monatlich für arme Rentner liegen. Die Zusatzrente soll es nur geben, wenn das Einkommen des Ehepartners oder Lebensgefährten geprüft und nicht zu hoch ist.
Die CSU hält dagegen. Der Beschluss des Koalitionsauschusses habe "mehr Fragen als Antworten" aufgeworfen, so Max Straubinger, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Es sei noch völlig unklar, wie sich verhindern lasse, dass langjährig Teilzeitbeschäftigte mit einer Mini-Rente in den Genuss der Zusatzrente kommen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". In dem Grundsatzpapier heiße es: "Wir tragen keine neue Leistung mit, die Versicherungs- und Fürsorgeleistungssysteme miteinander vermischt. Bedarfsprüfung und gesetzliche Rente vertragen sich nicht." Die CSU fordert zudem bessere Rentenleistungen für ältere Mütter gibt.
Der Widerstand der CSU gegen diese Rente gefährdet nach Informationen des Blattes auch andere Teile des Rentenpakets. Die geplante Reform drohe endgültig zu scheitern.
Die Liberalen wollen das Paket dagegen nicht gefährden. Sollten CDU und CSU sich nicht einigen können, "müssen die weiteren Punkte, bei denen schon seit langem Einigkeit besteht, gleichwohl auf den Weg gebracht werden", so Heinrich Kolb, der Vize-Fraktionschef der FDP im Bundestag. Dies betreffe unter anderem die Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente sowie die Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten für Rentner.
In den kommenden Wochen wollen Union und FDP eine Lösung in dem Streit finden.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Aufstockung der Minirenten solle mit Beitragsgeldern aus der Rentenkasse bezahlt werden. Tatsächlich soll sie ausschließlich aus Steuermitteln finanziert werden. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, Ihn zu entschuldigen.
kgp/dpa