18.01.2013
Rösler unter Druck
Brüderle fordert rasche Neuwahl des FDP-Chefs
Brüderle, Rösler: "Über ungelegte Eier diskutiere ich nicht"
Düsseldorf/Hamburg/Berlin - Das politische Schicksal von FDP-Chef Philipp Röslers könnte sich schneller entscheiden als erwartet. Bundestags-Fraktionschef Rainer Brüderle hat eine baldige Neuwahl des Parteivorsitzenden gefordert - unabhängig vom Ausgang der Niedersachsen-Wahl am Sonntag. Er könne sich vorstellen, dass es einen vorgezogenen Parteitag gibt, sagte Brüderle im ARD-"Morgenmagazin". Es mache keinen Sinn, "dass man das zu lange rausschiebt". Geplant ist der Parteitag bislang für Mai.
Brüderle insistierte in dem Interview, es spreche "einiges dafür, die Wahlentscheidung vorzuziehen". Auch einen Terminkorridor für einen rascheren Parteitag nannte er: "Es wäre möglich etwa Anfang März oder Ende Februar."
Gleichzeitig beteuerte Brüderle seine Loyalität zum Parteivorsitzenden: "Ich stehe hinter Philipp Rösler." Der FDP-Fraktionschef fügte hinzu, er halte es nicht "für sehr wahrscheinlich", dass Rösler nach der Wahl am Sonntag von sich aus zurücktrete. Er erwarte zudem, die FDP-Präsidiumssitzung am Morgen nach der Wahl werde "weniger spektakulär sein, als viele erwarten". Allerdings wich er der Frage aus, ob er gegebenenfalls als Parteichef zur Verfügung stehe. "Über ungelegte Eier diskutiere ich nicht", sagte Brüderle.
Rösler selbst hat wenige Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen Fehler eingeräumt. "Natürlich habe ich in den ersten Monaten als Vorsitzender auch meinen Kurs gesucht, die eine oder andere Entscheidung hätte ich anders treffen sollen", sagte Rösler der "Rheinischen Post". "Die Ausrichtung einer Partei lässt sich nicht per Knopfdruck ändern", fügte Rösler hinzu. Mit den Themen Wachstum, Schuldenabbau, Bildungspolitik und Bürgerrechten sei die FDP aber jetzt auf dem richtigen Kurs. Die Kritik der vergangenen Wochen und Monate an seiner Person nehme er nicht persönlich, sagte Rösler der Zeitung. "Ich bin für meine Gelassenheit bekannt", ergänzte er.
Mehrheit der Bürger will Rücktritt Röslers
Über Brüderle äußerte sich Rösler lobend. Brüderle sei ein großartiger Fraktionsvorsitzender und werde als "starke Stimme der Liberalen im Bundestagswahlkampf gebraucht". Die unterschiedlich intonierten Auftritte von ihm und Brüderle beim Dreikönigstreffen in Stuttgart bezeichnete er als vorbildlich. "Die Arbeitsteilung in Stuttgart hat gezeigt: Wir ergänzen uns gut", sagte Rösler. Brüderle hatte beim Dreikönigstreffen eine mitreißende Rede gehalten und Rösler, dessen Auftritt als schwach bewertet wurde, die Show gestohlen.
Die Wahl in Niedersachsen an diesem Sonntag gilt als entscheidend für die Zukunft Röslers. Falls die FDP dort schlecht abschneiden oder gar den Wiedereinzug in den Landtag verpassen sollte, wird seine Ablösung vom Parteivorsitz erwartet.
fdi/dpa/AFP/dapd/Reuters