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24.01.2013
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Bundeswehr im Ausland

Regierung will zügig Kampfdrohnen anschaffen

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AP

Es ist ein heikler Kurswechsel: Erstmals spricht sich die Merkel-Regierung klar für die Anschaffung bewaffneter Drohnen aus - bisher werden unbemannte Flugobjekte nur zum Spähen verwendet. Die Aufrüstung soll Bundeswehrsoldaten im Ausland mehr Sicherheit durch "glaubhafte Abschreckung" bringen.

Berlin - Die Bundesregierung hat sich Forderungen aus der Bundeswehr angeschlossen und will für künftige Auslandseinsätze zügig Kampfdrohnen anschaffen. Aus den Einsatzerfahrungen der Bundeswehr werde deutlich, dass bewaffnete Aufklärung "als Schutz bei plötzlich auftretenden gravierenden Lageänderungen unbedingt erforderlich ist", heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Die Antwort liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Im Gegensatz zu unbewaffneten Drohnen könnten scharfe Flugroboter erkannte Ziele "reaktionsschnell, präzise und skalierbar bekämpfen", heißt es. "Außerdem werden durch die Fähigkeit gegnerische Kräfte einer ständigen und für sie nicht prognostizierbaren Bedrohung ausgesetzt und in ihrem Handlungsspielraum eingeengt." Die Bewaffnung könne einen Sicherheitsgewinn durch "glaubhafte Abschreckung" bringen. Als mögliches Modell nennt die Bundesregierung auch die "Predator"-Drohne, die vor allem von den USA eingesetzt wird.

Damit rückt die von der Luftwaffe seit längerem geforderte tiefgreifende Veränderung in der Drohnenflotte näher. Bislang setzt Deutschland, anders als etwa die USA, nur unbewaffnete Drohnen ein. Zur Luftaufklärung in Afghanistan least das Berliner Verteidigungsministerium von einem israelischen Konsortium das Modell "Heron 1", zudem werden Drohnen des heimischen Herstellers Rheinmetall eingesetzt. Der Vertrag mit dem israelischen Konsortium läuft noch bis Ende 2014. Seit längerem sucht die Bundeswehr nach einem Nachfolgesystem.

Das klare Plädoyer der Bundesregierung dürfte die grundsätzliche Debatte über die Beschaffung von Kampfdrohnen wieder aufleben lassen. Im vergangenen Jahr hatte der Inspekteur der Luftwaffe, Karl Müllner, für Ärger gesorgt, als er kurz nach seinem Amtseintritt vehement den Kauf von bewaffneten Flugsystemen forderte.

Die Bundesregierung hatte sich damals noch zurückhaltend geäußert und stets betont, vor einer Entscheidung eine "breitere Diskussion" im Parlament anzustreben. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich grundsätzlich offen für den Erwerb bewaffneter Drohnen gezeigt. "Flugzeuge dürfen Waffen tragen. Warum also sollen unbemannte Flugsysteme das nicht dürfen?", sagte er in einem Interview mit der "Welt". "Die neuen Waffen haben da einen großen Vorteil: Sie sind zielgenauer. Und je besser man zielen kann, desto weniger Schäden gibt es", so de Maizière.

Ausufernde Spionage - oder notwendige Technik?

Mit ihren Plänen berührt die Bundesregierung ein heikles Feld. Schon der Einsatz unbewaffneter Drohnen ist in Berlin umstritten. Gegner halten das weltweit, aber auch in Deutschland stetig wachsende Interesse an unbemannten Flugrobotern für ein Zeichen ausufernder Spionage. Noch schärfer ist die Kritik am Einsatz von Kampfdrohnen. Der sich seit Jahren intensivierende und völkerrechtlich fragwürdige Drohnenkrieg der USA wird selbst von manchem Sicherheitspolitiker als abschreckendes Beispiel einer offensiven Nutzung unbemannter Flugsysteme gesehen.

Während man in der Union und in der SPD den Einsatz von Drohnen für sicherheitspolitisch geboten hält, gibt es bei den Grünen, den Linken, aber auch in den Reihen der FDP Widerstände gegen die Pläne.

"Der Drohnen-Strategie der Bundeswehr trete ich vehement entgegen", sagt der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko. "Auch die Aufrüstung mit Aufklärungsdrohnen sehe ich kritisch." Er fürchtet, dass diese nicht nur bei Auslandseinsätzen Anwendung finden. Im Rahmen der Amtshilfe könnten diese auch im Innern eingesetzt werden, glaubt Hunko.

Die Bundesregierung widerspricht. Unbemannte Flugobjekte aller Art hätten "nicht den Zweck, eskalierend zu wirken", heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Sie würden auch künftig "ausschließlich im Rahmen ihres verfassungsgemäßen und mandatierten Auftrags eingesetzt werden".

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insgesamt 458 Beiträge
1.
bewusst_sein 24.01.2013
Aber im Bundesverteidigungsministerium Milliarden einsparen wollen. Gekürzt wird bei Sold und Ausbildung von Soldaten. Gaga-Politik at it's finest.
Zitat von sysopAPEs ist ein heikler Kurswechsel: Erstmals spricht sich die Merkel-Regierung klar für die Anschaffung bewaffneter Drohnen aus - bisher werden unbemannte Flugobjekte nur zum Spähen verwendet. Die Aufrüstung soll Bundeswehr-Soldaten im Ausland mehr Sicherheit durch "glaubhafte Abschreckung" bringen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesregierung-draengt-auf-einsatz-bewaffneter-drohnen-a-879547.html
Aber im Bundesverteidigungsministerium Milliarden einsparen wollen. Gekürzt wird bei Sold und Ausbildung von Soldaten. Gaga-Politik at it's finest.
2. ....ein mutiger schritt....
Mesrine 24.01.2013
oder in anderen worten: vor dem monitor zu sitzen und unschuldige menschen per knopfdruck auszulöschen ist an feigheit nicht zu überbieten und sowas beschwert sich dann, wenn der gegner sich - ebenso feige - unerkannt in die [...]
oder in anderen worten: vor dem monitor zu sitzen und unschuldige menschen per knopfdruck auszulöschen ist an feigheit nicht zu überbieten und sowas beschwert sich dann, wenn der gegner sich - ebenso feige - unerkannt in die luft sprengt. ganz arm.
3. Könnte gut sein
beschwingt 24.01.2013
Sicher werden bei dieser Meldung bei so Manchem einige "Warnlampen" angehen. - Solche Waffensysteme können jedoch einen wertvollen Beitrag zum Schutz unserer Soldaten im Einsatz leisten. Wenn man diese schon in [...]
Zitat von sysopAPEs ist ein heikler Kurswechsel: Erstmals spricht sich die Merkel-Regierung klar für die Anschaffung bewaffneter Drohnen aus - bisher werden unbemannte Flugobjekte nur zum Spähen verwendet. Die Aufrüstung soll Bundeswehr-Soldaten im Ausland mehr Sicherheit durch "glaubhafte Abschreckung" bringen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesregierung-draengt-auf-einsatz-bewaffneter-drohnen-a-879547.html
Sicher werden bei dieser Meldung bei so Manchem einige "Warnlampen" angehen. - Solche Waffensysteme können jedoch einen wertvollen Beitrag zum Schutz unserer Soldaten im Einsatz leisten. Wenn man diese schon in solche "Einsätze" entsendet, sollte auch der bestmöglichen Mittel zur Verfügung stehen. Zur Erinnerung: Noch vor wenigen Jahren musste sich die Bundeswehr in Kundus aufgrund politischer Entscheidungen den "Luxus" leisten, ohne schwere Waffen auszuharren, während die Taliban Nacht für Nacht Artillerieraketen zum Einsatz brachten. Es kommt halt immer darauf an, wie man solche Drohnen einsetzt. Wie man es nicht machen sollte, leben andere vor - hoffen wir, das wir nicht die gleichen Fehler begehen.
4.
rainer_daeschler 24.01.2013
Vor allem will die Bundeswehr mehr Ausland.
Zitat von sysopAPEs ist ein heikler Kurswechsel: Erstmals spricht sich die Merkel-Regierung klar für die Anschaffung bewaffneter Drohnen aus - bisher werden unbemannte Flugobjekte nur zum Spähen verwendet. Die Aufrüstung soll Bundeswehr-Soldaten im Ausland mehr Sicherheit durch "glaubhafte Abschreckung" bringen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesregierung-draengt-auf-einsatz-bewaffneter-drohnen-a-879547.html
Vor allem will die Bundeswehr mehr Ausland.
5. Sparen!
rudi_1957 24.01.2013
Im Vergleich zu einem Kampfjet, sündteurer Pilotenausbildung usw. spart das natürlich schon. Vor allem wenn jeder, der schon mal Flight Simulator gespielt hat, mit den Dingern umgehen kann. Oder sollen die etwa nebenher [...]
Im Vergleich zu einem Kampfjet, sündteurer Pilotenausbildung usw. spart das natürlich schon. Vor allem wenn jeder, der schon mal Flight Simulator gespielt hat, mit den Dingern umgehen kann. Oder sollen die etwa nebenher gekauft werden?

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Die wichtigsten Drohnentypen

"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS

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