Lade Daten...
27.01.2013
Schrift:
-
+

FDP-Politiker Kubicki zur Sexismus-Debatte

"Nachts an der Hoteltür einer Journalistin zu klopfen, wäre kein Skandal"

DPA

Brüderle, Kubicki: Der bekennende Macho aus Schleswig-Holstein schützt das FDP-Urgestein

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach den Sexismus-Vorwürfen schweigt Rainer Brüderle. Dafür zeigt sich Parteikollege Wolfgang Kubicki solidarisch. Der FDP-Vorsitzende in Schleswig-Holstein verteidigt den Fraktionschef und spricht übers Anbaggern: "Ich flirte für mein Leben gern."

Hamburg - Man ahnt, dass den Polit-Haudegen Rainer Brüderle die aktuelle Debatte um angeblich unangemessene Bemerkungen gegenüber einer "Stern"-Journalistin nicht kaltlässt. Doch bisher schweigt der FDP-Fraktionschef beharrlich, auch am Sonntag in Düsseldorf bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Veröffentlichung der Vorwürfe. "Sie können uns schlagen, beschimpfen, mit Dreck bewerfen, aber sie können uns unsere Überzeugungen nicht nehmen", sagte er beim Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen Liberalen lediglich. Konkreter wurde Brüderle nicht.

Dabei wüsste man allzu gern, ob die Geschichte ("Sie können ein Dirndl auch ausfüllen" usw.) wahr ist. Denn nur dann ließen sich gesicherte Schlüsse über das Frauenbild des FDP-Urgesteins Brüderle ziehen. Immerhin hat der Artikel und ein Bericht von SPIEGEL-ONLINE-Reporterin Annett Meiritz im SPIEGEL über ähnliche Erfahrungen mit Mitgliedern der Piratenpartei eine deutschlandweite Debatte über den alltäglichen Sexismus ausgelöst.

Aber zum Glück gibt es noch Wolfgang Kubicki. Den Chef der Liberalen in Schleswig-Holstein kontaktieren Journalisten immer gern, wenn sie knackige Zitate für eine Geschichte brauchen. Kubicki ist ein Garant für Schlagzeilen.

Die "Bild am Sonntag" ("BamS") hat den häufig als Querdenker titulierten Kubicki nun zum Fall Brüderle interviewt. Der 60-Jährige sollte sie nicht enttäuschen. Denn Kubickis Antworten offenbaren eine, nun ja, interessante Haltung in Fragen der beruflichen Zusammenarbeit von Politikern und Journalistinnen.

"Sie sind bekennender Macho. Was reden Sie denn so abends an der Hotelbar mit jungen Journalistinnen?", fragte die "BamS": Kubicki: "Ich flirte für mein Leben gern, künftig aber sicher nicht mehr mit Kolleginnen von Ihnen. Denn ich möchte vermeiden, dass eine Journalistin, die ich anflirte, dies später als sexuellen Übergriff versteht und anprangert." Auch gibt Kubicki offenkundig zu, dass er Journalistinnen auch angebaggert habe. "Aber immer in charmanter Art", wie er betont. Anbaggern und charmant? Passt das überhaupt zusammen?

Auch er selbst sei angebaggert worden, führte Kubicki, der in dritter Ehe verheiratet ist, dann weiter aus. "Aber eindeutige Angebote habe ich leider nicht erhalten." Auf die Frage, was er denn von einem nächtlichen Klopfen an der Hotelzimmertür halte, erwidert der Politiker: "Wenn man nicht eingeladen ist, würde ich das für unangemessen halten. Ein Skandal wäre es aber auch nicht."

Es wäre zu viel verlangt, von jemandem mit so einer Einstellung zu erwarten, dass er die möglicherweise angebaggerte "Stern"-Journalistin in Schutz nimmt. Klar bezieht Kubicki Stellung für seinen "Bruder im Geiste"-Parteikollegen Brüderle. "Hier soll ein Hoffnungsträger der FDP mutwillig beschädigt werden", sagt Kubicki. Hier sei eine Geschichte zu einem Skandal aufgeblasen worden, der keiner ist.

Nur, Aussagen wie "Sie haben viel Holz vor der Hütte" - so viel muss Kubicki dann doch zugeben -, seien "eher geschmacklos", wenn man sich nicht wirklich gut kennt.

Verständlich. Das ist ja nun wirklich nicht charmant.

yes

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 256 Beiträge
1. Altherrenwitzchen
tulius-rex 27.01.2013
Die zwei kommen sich wohl besonders toll vor. Zwei, die ungehindert und brutal gegen politisch Andersdenkende austeilen, geben hier die Sensibelchen. Aber das gilt für die gesamte Partei, die ihren Kompass und ihre politische [...]
Die zwei kommen sich wohl besonders toll vor. Zwei, die ungehindert und brutal gegen politisch Andersdenkende austeilen, geben hier die Sensibelchen. Aber das gilt für die gesamte Partei, die ihren Kompass und ihre politische Legitimation mit Westerwelle und allen heutigen Nachfolgern verloren hat.
2. So lange es Politiker...
donadoni 27.01.2013
...wie Wolfgang Kubicki und Sabine Leutheusser in der FDP gibt, ist es mir um diese Partei nicht bange, auch wenn die laufende Kampagne von STERN, Roth und Schwarzer und Co. das Ziel der FDP-Schädigung haben. Es ist alles sehr [...]
...wie Wolfgang Kubicki und Sabine Leutheusser in der FDP gibt, ist es mir um diese Partei nicht bange, auch wenn die laufende Kampagne von STERN, Roth und Schwarzer und Co. das Ziel der FDP-Schädigung haben. Es ist alles sehr durchsichtig. Dieses Land braucht eine Partei, die den Transferstaat verhindert und die arbeitenden Menschen nicht immer noch mehr benachteiligt, damit Wohltaten ausgeteilt werden. Irgendwann würden bei Rot/Grün alle Transferempfänger sein, bis es nichts mehr zu verteilen gibt. Man fragt sich, wieviele Artikel noch zu dem "Fall Himmelreich" geschrieben werden. Brüderle hat nichts falsch gemacht, allerdings sollte er sich jetzt mal melden. Schweigen werte ich in diesem Fall nicht so vorteilhaft, weil man Roth, Schwarzer und Co. das Feld überlässt. Der FDP sei zugerufen: Kopf hoch, bei der BTW gibt es mindestens 8%.
3. Flirten verboten!
Walther Kempinski 27.01.2013
Die Frauen beklagen sich inzwischen schon, dass wir Männer verweichlicht sind und daher schnappen sie sich oftmals die Machos, die auf solche Diskussionen keinen Bock haben. Ich selbst traue mich schon lange nicht mehr, auf eine [...]
Die Frauen beklagen sich inzwischen schon, dass wir Männer verweichlicht sind und daher schnappen sie sich oftmals die Machos, die auf solche Diskussionen keinen Bock haben. Ich selbst traue mich schon lange nicht mehr, auf eine Frau zuzugehen. Ganz abgesehen von den astronomischen Maßstäben, mit denen wir Männer von den Frauen taxiert werden (gilt sicher oftmals auch anders herum) ist die Gefahr inzwischen so groß einen Prozeß an den Hals zu bekommen, so dass man sich nicht mehr traut initiativ eine Frau zu umwerben (oder auf gut deutsche anzubaggern). Das Problem ist oftmals auch recht gemischt. Es gibt viele Frauen, die mögen es schlchtweg angebaggert zu werden. Der Ton macht hierbei die Musik. Allerdings gibt es auch viele Frauen, die sehr schnell pikiert oder empört sind, dass man es gewagt hat, sie nur eine Sekunde zu lange angeschaut zu haben. Ist nicht so einfach, daraus allerdings eine neue FDP-Bashing Kampagne zu basteln, nur weil die FDP mal wieder an der 10% gekratzt haben, halte ich für extrem durchschaubar und berechnend.
4.
schaeferlonsee 27.01.2013
Warum wartet die junge Dame ein Jahr, um diesen ungeheuerlichen Angriff zu veröffentlichen?
Warum wartet die junge Dame ein Jahr, um diesen ungeheuerlichen Angriff zu veröffentlichen?
5. Wen haben die sich als Spitzenkandidaten bestimmt?
BettyB. 27.01.2013
Kann es noch peinlicher werden? Wieso sollten Frauen und auch testesterongesteuerte Männer nicht wissen, wer die FDP in den Wahlkampf führt. Nach Kubicki wäre das ja wohl entgegen seiner Wortwahl direkt eine Wahlwerbung für die [...]
Kann es noch peinlicher werden? Wieso sollten Frauen und auch testesterongesteuerte Männer nicht wissen, wer die FDP in den Wahlkampf führt. Nach Kubicki wäre das ja wohl entgegen seiner Wortwahl direkt eine Wahlwerbung für die FDP und zumal für ihn. Weshalb würde er sich sonst überhaupt dazu melden, er, der wohl weiss auf welcher Menschen Stimme vertrauen kann...

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

VIDEO

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter RSS
alles zum Thema Sexismus-Debatte
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten