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Politik

Microsoft-Gründer bei der SPD

Genosse Gates

Ein Hauch von Welt weht durch Potsdam: Zum Abschluss ihrer Klausur hatten die Sozialdemokraten Microsoft-Gründer Bill Gates zu Gast. Dabei überraschte der US-Amerikaner mit ein paar linken Bekenntnissen.

DPA
Montag, 28.01.2013   14:37 Uhr

Potsdam/Berlin - Es soll wieder gerechter zugehen in Deutschland. Das hat sich die SPD fest vorgenommen für den Fall, dass sie in ein paar Monaten doch die Bundestagswahl gewinnen sollte. Ob Stadtentwicklung, Renten oder Bildung - für die neue soziale Balance wollen die Sozialdemokraten ordentlich Geld in die Hand nehmen.

Da passt es gut, dass bei der SPD-Jahresauftaktklausur in Potsdam an diesem Morgen ein Mann zu Gast war, der sich nicht nur mit Geld ziemlich gut auskennt, sondern auch im Ruf steht, ein Gespür für Gerechtigkeit zu haben. Die Rede ist von Bill Gates. Microsoft-Gründer, Milliardär, Philanthrop.

Dass der Stargast aus Übersee den Genossen die Ehre erwies, erfüllt die Partei mit einem gewissen Stolz, was verständlich ist, kann die SPD in diesen Tagen ein bisschen Glanz doch durchaus gebrauchen. Und damit der Augenblick etwas länger anhält, holte manches Vorstandsmitglied, kaum dass Gates im hoch abgesicherten Inselhotel angekommen war, sein Mobiltelefon heraus, um sich ein Andenken zu knipsen. Manch anderer geriet mit Blick auf Gates' Firmenhintergrund ins Grübeln. "Darf man Bill Gates mit einem iPhone fotografieren?", twitterte Hessens Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel.

Gates gegen Schuldenbremse

Ein Stündchen nahm sich der Software-Guru für den nicht-öffentlichen Plausch mit den Sozialdemokraten Zeit, ein Vorgespräch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück inklusive.

Darin, so verriet Gabriel später in der größeren Vorstandsrunde, habe Gates vor den Risiken der von Steinbrück so geschätzten Schuldenbremse gewarnt. Kurzer Applaus von all jenen Sozialdemokraten, die mit der Schuldenbremse auch nichts anfangen können. "Aber der Parlamentarischen Linken der SPD wollte er trotzdem nicht beitreten", schob Gabriel Teilnehmern zufolge hinterher. Lacher.

Nur Gates schaute dem Vernehmen nach etwas verwirrt. Parlamentarische Linke?

Locker sei es gewesen, war hinterher zu hören, aber durchaus auch konzentriert. Gates, der keinen übersteigerten Wert auf sein Äußeres legt und sich damit neben dem einen oder anderen Spitzengenossen ganz gut einreihte, sprach über sein Lieblingsthema: die Entwicklungspolitik.

"Von Milliardären wie ihm wollen wir ein bisschen Geld holen"

Über seine Stiftung, mit der er Gesundheitsprojekte in Afrika und Asien fördert, verlor er kein Wort. Stattdessen warnte er davor, Gelder für die globale Entwicklungszusammenarbeit zu kürzen. Auch die Finanztransaktionssteuer befürwortete er, was den Sozialdemokraten besonders gut gefiel. Genosse Gates.

Die Stimmung war offenbar so harmonisch, dass Gabriel am Ende ein wenig Wasser in den Wein träufeln musste. "Nur damit kein Missverständnis entsteht", sagte er dem Vernehmen nach. "Von Milliardären wie ihm wollen wir natürlich ein bisschen Geld holen." Da war Gates aber schon wieder verschwunden.

Nicht nur Gabriel wird sich gefreut haben über den Besuch des Amerikaners. Auch für Steinbrück war es ein angenehmer Termin. Denn Gates hatte - das ist ungewöhnlich dieser Tage - auch ein paar wohlwollende Worte über den Kanzlerkandidaten zu sagen. "Ich kenne Peer aus der Zeit, als er Finanzminister war, das war eine enorm produktive Zeit in der internationalen Entwicklung, als es neue Finanzierungsstrategien, neues globales Engagement und Kooperation gab", sagte er in einem Interview mit dem Online-Portal der SPD. "Dabei möchte ich Peer für seine führende Rolle danken."

Das kam bei Steinbrücks Leuten gut an. "Bill kann durchaus öfter kommen", sagt einer aus seinem Umfeld.

vme

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