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30.01.2013
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Sexismus-Vorwurf

Brüderle entschuldigt sich nicht bei "Stern"-Reporterin

dapd

FDP-Fraktionschef Brüderle: "Persönliche Entscheidung"

Er zieht es vor zu schweigen: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will sich nicht zu den Sexismus-Vorwürfen einer "Stern"-Reporterin äußern - und sich auch nicht bei ihr entschuldigen. Erstmals nach dem Erscheinen der Anschuldigungen begegneten sich die beiden bei einem Termin in Berlin.

Berlin - FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat eine öffentliche Klarstellung oder Entschuldigung gegenüber der "Stern"-Redakteurin Laura Himmelreich abgelehnt. "Ich bitte einfach, meine persönliche Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen", sagte er am Mittwoch. Er habe sich bisher nicht zum Thema geäußert und werde es weiterhin auch nicht tun.

Brüderle hatte wie üblich sein Pressefrühstück abgehalten, zu dem er in Sitzungswochen des Bundestags Journalisten einlädt. An diesem nahm auch Himmelreich teil, mit dabei war auch ihr "Stern"-Kollege Axel Vornbäumen. Es war die erste Begegnung nach Erscheinen ihres Artikels über den FDP-Fraktionschef.

Himmelreich hatte ein Porträt über Brüderle geschrieben und ihm darin Sexismus vorgeworfen. Konkret ging es um ihre Begegnung mit dem Politiker am 5. Januar 2012, dem Vorabend des traditionellen Dreikönigstreffens der FDP in Stuttgart. Brüderle habe dabei unter anderem zur ihr gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Der Text war in der vergangenen Woche kurz nach der Kür des FDP-Politikers zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Bundestagswahl erschienen - und hatte eine heftige Debatte ausgelöst.

Brüderle gab seine Ablehnung auch nicht auf, als ein Journalist auf Himmelreichs Anwesenheit hinwies und fragte, ob er sich bei ihr privat entschuldigen wolle. "Ich werde weiterhin keinen Kommentar abgeben", entgegnete der Liberale.

"Herr Brüderle muss das klarstellen"

Zu einer persönlichen Begegnung zwischen Brüderle und Himmelreich kam es nicht. Brüderle verließ den Raum erst, nachdem die Autorin gegangen war und den Aufzug betreten hatte. Auf weitere Nachfragen von Journalisten meinte Brüderle am Mittwoch, es sei in der Demokratie legitim, dass öffentliche Diskussionen geführt werden. "Sexismus ist eine Debatte, die läuft." Zum konkreten Fall werde er aber nach wie vor nichts sagen.

Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hatte zuvor den Druck auf den liberalen Spitzenpolitiker erhöht. "Herr Brüderle muss die Vorwürfe klarstellen, er muss sich endlich erklären", sagte sie SPIEGEL ONLINE. "Wenn alles wirklich so passiert ist, wie beschrieben, hat Herr Brüderle eine deutliche Grenze überschritten." Es könne nicht sein, dass die FDP eine Art Wagenburg baue. "Brüderle verschanzt sich hinter seinen Verteidigern. Er lässt seine Parteifreunde den Eindruck erwecken, als sei er das Opfer. Das ist einer liberalen Partei nicht würdig."

Parteichef Philipp Rösler und führende Liberale stärkten Brüderle den Rücken. "Die Vorwürfe gegen ihn sind durchsichtig und haltlos. Das ist eine Kampagne gegen die gesamte FDP", sagte der Vorsitzende der Partei dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Eine gesellschaftliche Debatte über Sexismus sei dennoch notwendig, sagte Rösler. "Denn es gibt offenbar ein breites Bedürfnis, darüber zu diskutieren, aber bitte auf der Sachebene und nicht mit aggressiver Polemik."

heb/sev/dpa/AFP

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insgesamt 432 Beiträge
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Karl_Lauer 30.01.2013
Kehren wir nun auf die Sachebene zurück in dem Wissen dass Rainer Brüderle ein schmieriger Unsympath ist der einfach nicht weiß wie man sich benimmt.
Zitat von sysopdapdEr zieht es vor zu schweigen: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will sich nicht zu den Sexismus-Vorwürfen einer Stern"-Reporterin äußern - und sich auch nicht bei ihr entschuldigen. Erstmals nach dem Erscheinen der Anschuldigungen begegneten sich die beiden bei einem Termin in Berlin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-fraktionschef-bruederle-lehnt-entschuldigung-bei-reporterin-ab-a-880508.html
Kehren wir nun auf die Sachebene zurück in dem Wissen dass Rainer Brüderle ein schmieriger Unsympath ist der einfach nicht weiß wie man sich benimmt.
2. Anstand
prof.unrat 30.01.2013
Anstand verkommt zu einem Fremdwort. Was ist daran so verwerflich, wenn man sich für sein schlechtes, distanzloses Benehmen entschuldigt? Dieser Mann hat keine Größe.
Anstand verkommt zu einem Fremdwort. Was ist daran so verwerflich, wenn man sich für sein schlechtes, distanzloses Benehmen entschuldigt? Dieser Mann hat keine Größe.
3. Ohne einen Funken Anstand
rhodensteiner 30.01.2013
Das finde ich traurig, dass sich der Mann nicht mal zu einer Entschuldigung aufraffen kann. Wenn man (Mann) sich betrunken, einer Frau gegenüber daneben benommen hat, dann ist das schlicht eine Frage des Anstands Brüderle [...]
Zitat von sysopdapdEr zieht es vor zu schweigen: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will sich nicht zu den Sexismus-Vorwürfen einer Stern"-Reporterin äußern - und sich auch nicht bei ihr entschuldigen. Erstmals nach dem Erscheinen der Anschuldigungen begegneten sich die beiden bei einem Termin in Berlin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-fraktionschef-bruederle-lehnt-entschuldigung-bei-reporterin-ab-a-880508.html
Das finde ich traurig, dass sich der Mann nicht mal zu einer Entschuldigung aufraffen kann. Wenn man (Mann) sich betrunken, einer Frau gegenüber daneben benommen hat, dann ist das schlicht eine Frage des Anstands Brüderle ist ja nicht der erste Mann dem das passiert ist, aber seine Weigerung, lässt ihn nun erst recht wie einen üblen Chauvinisten dastehen.
4. Herr Brüderle - well done!
wibbeline 30.01.2013
Für den "stern" wird dieser Fall nicht ins Himmelreich führen.
Zitat von sysopdapdEr zieht es vor zu schweigen: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will sich nicht zu den Sexismus-Vorwürfen einer Stern"-Reporterin äußern - und sich auch nicht bei ihr entschuldigen. Erstmals nach dem Erscheinen der Anschuldigungen begegneten sich die beiden bei einem Termin in Berlin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-fraktionschef-bruederle-lehnt-entschuldigung-bei-reporterin-ab-a-880508.html
Für den "stern" wird dieser Fall nicht ins Himmelreich führen.
5.
dig 30.01.2013
Bravo!
Bravo!

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