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30.01.2013
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Bundestags-Gedenken an Holocaust-Opfer

Lammert kritisiert fehlende Live-Übertragung von ARD und ZDF

dapd

Bundestagspräsident Lammert: Lob für den Sender Phoenix

Weder ARD noch ZDF haben die Holocaust-Gedenkstunde im Bundestag übertragen. Klare Kritik an dieser Entscheidung kam von Bundestagspräsident Lammert - auch der Zentralrat der Juden sprach von einer "eklatanten moralischen Fehlleistung". Die Sender wiesen die Kritik zurück.

Berlin - Bundestagspräsident Norbert Lammert hat ARD und ZDF für ihre Programmentscheidungen kritisiert, die Holocaust-Gedenkstunde des Bundestags nicht zu übertragen. Das ZDF wies die Kritik mit Verweis auf zahlreiche Sendungen zum Thema zurück. Die ARD sah das ZDF in der Verantwortung. Der Zentralrat der Juden warf den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern "Verantwortungslosigkeit" vor.

Lammert sprach während der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus. Er lobte die Live-Übertragung des Senders Phoenix, dem Gemeinschaftskanal von ARD und ZDF. "Noch schöner wäre es", wenn auch die beiden öffentlich-rechtlichen Sender es "wichtig genug" gefunden hätten, das Gedenken "einer breiten Öffentlichkeit im Hauptprogramm öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten zu vermitteln".

Lammert hatte sich schon bei früheren Gelegenheiten kritisch zur Programmgestaltung von ARD und ZDF geäußert. Bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags im Oktober 2009 kritisierte er, dass die beiden Sender stattdessen Serien und Komödien ausgestrahlt hatten.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sprach im RBB von einer "eklatanten moralischen Fehlleistung" der Sender. Die Gedenkstunde wäre eine Gelegenheit gewesen, mit dem Thema Nationalsozialismus auch junge Menschen zu erreichen: "Hier hält eine Zeitzeugin im Bundestag so eine bewegende Rede. Der Bundespräsident ist da, die Kanzlerin, das ganze Kabinett. Und das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit seinen beiden Hauptsendern schaltet sich aus."

ARD-Chefredakteur Thomas Baumann zeigte sich im RBB betroffen von der Kritik. Er verwies zugleich auf eine Vereinbarung zwischen ARD und ZDF, wonach in dieser Woche das ZDF für eine Live-Übertragung aus dem Bundestag zuständig gewesen wäre. Baumann betonte, die ARD habe in den Vorjahren die Gedenkstunde übertragen und hätte dies diesmal auch getan, wenn der Sender zuständig gewesen wäre.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey bestritt, dass sein Sender zu wenig über den Gedenktag berichtet habe. Das ZDF habe "die Themen 'Verbrechen des Nationalsozialismus' und 'Holocaust' in den letzten Tagen sehr auffällig in seinem Programm platziert", erklärte er. Zudem sei auf die Phoenix-Übertragung in den aktuellen ZDF-Sendungen hingewiesen worden. "Als Sonderanstrengung" sei die Gedenkfeier auch im Internetportal zu sehen gewesen. Zudem berichteten die ZDF-Nachrichten über die Gedenkstunde.

lei/AFP

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