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05.02.2013
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Peer Steinbrück auf Auslandsreise

Kurz mal wieder Krisenmanager

Aus Dublin und London berichtet
DPA

Peer Steinbrück: "Wir haben noch Zeit"

Endlich keine innenpolitischen Querelen: Im Ausland will Peer Steinbrück seine angekratzte Kanzlerkandidatur aufpolieren. Wo er auch auftritt, gibt es nur ein Thema: Die Euro-Krise. Dem SPD-Mann gefällt es. Es ist alles ein bisschen wie früher.

Ginge es nach Peer Steinbrück, könnte das hier noch Stunden weitergehen. Es ist kurz vor acht Uhr am Montagabend, der SPD-Kanzlerkandidat steht auf einer Bühne der vornehmen London School of Economics. Steinbrück hat schon eine gute Stunde gesprochen, er hat die Euro-Krise erklärt und anschließend ein paar gescheite Einwürfe pariert. Aber jetzt muss Schluss sein. Findet zumindest der Moderator: "Ich glaube, wir haben keine Zeit mehr."

"Doch, wir haben noch Zeit", ruft Steinbrück ins Mikrofon: "Mein nächster Termin ist erst morgen früh um zehn." Heiterkeit unter den rund 500 Studenten.

Ach, wenn es doch immer so einfach wäre. Steinbrück ist auf Europa-Tour, erst Dublin, jetzt London, später geht es weiter nach Athen und Den Haag. Das ist alles nicht wirklich weit weg von zu Hause, aber die Distanz ist doch groß genug, um all die Probleme, die ihm daheim das Leben schwer machen, einen Moment lang vergessen zu können. Für ein paar Tage interessiert sich niemand für Nebeneinkünfte oder mangelnde Machtperspektiven. Stattdessen kann er endlich mal wieder das machen, was er am liebsten macht: Über die Schuldenkrise reden und über Bankenregulierung und die Rettung des Kontinents. Das tut gut.

Seine Auftritte waren zuletzt nicht immer glücklich verlaufen, aber hier fühlt er sich wohl. Die Rolle des Krisenerklärers liegt ihm. Im Hörsaal der LSE spricht er frei, mal deutsch, mal englisch. Er mahnt, die Ursachen der Krise nicht zu vergessen, erinnert an die Politik des billigen Geldes, die Fixierung auf Quartalszahlen und den Deregulierungswettlauf, der auch von ökonomischen Universitäten vorangetrieben worden sei. "Natürlich nicht von der LSE", witzelt er.

Aber man dürfe die Krise eben auch nicht allein ökonomisch begreifen. Es gehe um mehr als nackte Zahlen, sagt Steinbrück. Das Misstrauen der Bürger wachse, die Demokratie stehe auf dem Spiel. Längst habe die Krise vergessen geglaubte Ressentiments wieder aufleben lassen. In Deutschland würden sie schon sagen: "Die Griechen sollen ihre Inseln verkaufen. Die Akropolis nehmen wir nicht, weil sie kaputt ist." Die Stimmung im Saal ist gut, ernstes Thema hin oder her.

Die Tücken bei Auslandsreisen

Es ist ein souveräner Auftritt, so wie er überhaupt souverän auftritt auf dieser Reise. Das ist nicht selbstverständlich, denn ein Auslandstrip eines Kandidaten kann seine Tücken haben. Nicht erst seit Mitt Romney weiß man, dass einiges schief gehen kann. Und wirklich gut vorbereitet war auch Steinbrücks Tour nicht. Keiner seiner engen Vertrauten begleitet ihn, fast alle sind pünktlich zu seinem Abflug in den Urlaub gefahren. Außerdem wirken Steinbrücks Reiseziele ein wenig willkürlich. In seiner Partei hätten sich manche gewünscht, dass ihn seine erste Auslandstour nach Frankreich führt. Oder wenigstens nach Polen.

Aber Irland, England, Griechenland und Holland? "Es gibt in all diesen Ländern ein Interesse daran, wie sich eine SPD-geführte Bundesregierung europapolitisch verhalten wird", sagt er. Das muss reichen als Begründung. Hauptsache weg.

Es ist ein bisschen wie früher. Auch damals, als 2008 die Banken riesige Löcher in ihren Bilanzen fanden und die Weltwirtschaft an den Rand des Absturzes brachten, war Steinbrück als Finanzminister viel in diesen Staaten unterwegs. Er war wichtig. Die Krise hat ihn groß gemacht. So groß, dass er sich hier niemandem mehr vorstellen muss. Man kennt ihn noch. Auch das fühlt sich gut an. Jedenfalls sicher besser, als im Ortsverein Eschenbach die Rente mit 67 verteidigen zu müssen.

Das Programm ist voll, ein Termin jagt den anderen. In London trifft er Gewerkschafter, den Chef der britischen Bankenaufsicht und Ed Miliband, den Vorsitzenden der Labour Party. In Dublin, tags zuvor, trifft Steinbrück den Vizeministerpräsidenten, andere Kabinettsmitglieder und ein paar Journalisten. "Gentlemen", ruft er, als er zu den Pressevertretern an den Frühstückstisch kommt. Erst dann bemerkt er, dass auch eine Frau anwesend ist. "Oh, one lady", sagt er. "Flexiquote!"

Ein Vorwort für Struck?

Natürlich geht es bei dieser Reise auch um Wahlkampf. Die Bilder, wie er auf der Weltbühne tanzt, sind wichtig in diesen Tagen. Seht her, nicht nur die Kanzlerin ist auf außenpolitischem Parkett zu Hause, ich bin es auch - so lautet die Botschaft. Da muss Steinbrück gar nicht viel weiter sagen. Angela Merkel erwähnt er in seinen öffentlichen Gesprächen nicht ein einziges Mal namentlich. Und auch mit Kritik an ihrer Regierung geht er spärlich um, wirft der Koalition allenfalls mal indirekt vor, mit den Kosten der Krise unehrlich umzugehen und in Europa zu stark auf Konsolidierung zu setzen und zu wenig auf Wachstum.

Ganz an der Innenpolitik kommt er freilich nicht vorbei. Kurz vor seinem Auftritt an der LSE am Montagabend trifft er auf knapp zwei Dutzend Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung. Einen von ihnen erkennt er wieder, Steinbrück hat ihn vor ein paar Jahren schon einmal an der LSE getroffen. "Oh, vierzigstes Semester, was?" Ein paar Lacher, dann geht es um Niedersachsen-Wahl, die Energiewende und Angela Merkel.

Ein Stipendiat meldet sich, er hat eine letzte Frage. Er arbeite an einem Gedenkbuch für Peter Struck, sagt er. Ob Steinbrück nicht ein Vorwort schreiben wolle? Der Kanzlerkandidat schaut etwas verdutzt.

"Wenn ich das Vorwort nicht vor dem 22. September schreiben muss, weil ich bis dahin einen Halbtagsjob habe, der mich ziemlich in Anspruch nehmen wird", sagt Steinbrück, "dann komme ich darauf zurück."

Forum

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insgesamt 79 Beiträge
1. Mich interessiert ob Mr. Steinreich ...
herbert 05.02.2013
weiterhin fuer seine Vortraege satt kassiert und sich die privaten Taschen vollstopft? Es ist eine Frechheit wenn der SPD Steinbrueck einen auf Sozial macht und selber sich nicht daran haelt. Ich hoffe nur, der deutsche [...]
Zitat von sysopDPAEndlich keine innenpolitischen Querelen: Im Ausland will Peer Steinbrück seine angekratzte Kanzlerkandidatur aufpolieren. Wo er auch auftritt, gibt es nur ein Thema: Die Euro-Krise. Dem SPD-Mann gefällt es. Es ist alles ein bisschen wie früher. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-auf-auslandsreise-a-881481.html
weiterhin fuer seine Vortraege satt kassiert und sich die privaten Taschen vollstopft? Es ist eine Frechheit wenn der SPD Steinbrueck einen auf Sozial macht und selber sich nicht daran haelt. Ich hoffe nur, der deutsche Michel hat begriffen, dass dieser Sozi ein Kapitalist pur ist.
2. den soll einer verstehen
900 05.02.2013
einerseits soo geschäftig, andererseits Kanzler werden wollend ... Ich glaube, der weiß, dass er nicht Kanzler wird/ werden muss, da die große Koalition schon beschlossen ist.
einerseits soo geschäftig, andererseits Kanzler werden wollend ... Ich glaube, der weiß, dass er nicht Kanzler wird/ werden muss, da die große Koalition schon beschlossen ist.
3.
alcowe 05.02.2013
Die Eurokrise ist nicht lösbar, Ungleichgewichte überall, zurzeit werden die größten Finanzblasen der Geschichte geschaffen die jedoch auf einen Schlag implodieren werden. In dem gesammten Artikel findet sich nichts als [...]
Die Eurokrise ist nicht lösbar, Ungleichgewichte überall, zurzeit werden die größten Finanzblasen der Geschichte geschaffen die jedoch auf einen Schlag implodieren werden. In dem gesammten Artikel findet sich nichts als leeres Geschwätz und keinerlei Information. Ob man hier noch an freie Medien glauben möchte... fällt schwer.
4. warum so negativ?
Sgt.Moses 05.02.2013
Steinbrück ist im Ausland ein geschätzter Redner. Seine Ausführungen zur Krise wären allemal interessanter und aussagekräftiger gewesen als diese Fortsetzung des Steinbrück-bashings!!! Ganz billige Wahlkampfnummer !
Steinbrück ist im Ausland ein geschätzter Redner. Seine Ausführungen zur Krise wären allemal interessanter und aussagekräftiger gewesen als diese Fortsetzung des Steinbrück-bashings!!! Ganz billige Wahlkampfnummer !
5. Wie Früher ?
hasimen 05.02.2013
... ja, klar - auch die Vortragshonorare sind wieder wie früher ! Passt scho´. Deswegen auch nur noch Auslandsauftritte, denn wenn es zu Hause brennt läßt sich bei den Nachbarn prima die Vortragsknete abgraben. Merkt ja [...]
... ja, klar - auch die Vortragshonorare sind wieder wie früher ! Passt scho´. Deswegen auch nur noch Auslandsauftritte, denn wenn es zu Hause brennt läßt sich bei den Nachbarn prima die Vortragsknete abgraben. Merkt ja keiner, oder ? Eigennutz geht vor !!!

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