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09.02.2013
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Annette Schavan

Ein richtiger Rücktritt - leider

Ein Kommentar von
Foto: dapd

Annette Schavan ist so, wie sich die meisten Menschen einen Politiker wünschen: seriös, unaufgeregt, uneitel. Doch ihr Rücktritt war notwendig - weder sie noch die Kanzlerin hätten einen Verbleib im Amt erklären können.

Es ist ja richtig, der politische Skandal ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Früher gingen Minister wie Franz-Josef Strauß, weil sie das Parlament belogen hatten. Andere mussten hinschmeißen, weil sie in handfeste Schwarzgeldaffären verwickelt waren. Heute zerlegt es Annette Schavan, weil sie in einer länglichen Doktorarbeit vor 30 Jahren beim Zitieren wohl ein bisschen zu lax vorgegangen ist. Ach Gott, möchte man da sagen. Haben wir in Deutschland keine anderen Sorgen?

Die Frage muss erlaubt sein. Man kann den Rücktritt von Annette Schavan für übertrieben halten. Klar. Natürlich muss auch die Frage erlaubt sein, wer angesichts solcher "Skandale" überhaupt noch Lust verspürt, hierzulande Politiker zu werden. Ja, auch das ist eine gute Frage. Aber am Ende ist es doch ganz einfach: Annette Schavan musste gehen. Es ist richtig. Und sie hatte keine andere Wahl.

Schavan hat keine großen Erfolge vorzuweisen. Aber sie hat ihr Haus ruhig und unaufgeregt geführt, man kann sie mit gutem Recht als seriös bezeichnen. Sie ist so, wie sich die meisten Bürger - zumindest in der Theorie - ihre Politiker wünschen. Sie macht kein Tamtam, sie hält sich von jeder Form von aufregenden Schlagzeilen fern, sie meidet Attacken gegen ihre Gegner und kontert selbst die härtesten Angriffe mit stoischer Ruhe. Dafür verdient sie Respekt.

Sie mussten die Notbremse ziehen

Die Zitierfehler in ihrer Arbeit wären verzeihlich, wenn sie, sagen wir, Umweltministerin wäre. Aber eine Bildungsministerin, der die eigene Alma Mater die Doktorwürde aberkennt, ist eben nicht mehr tragbar. In Deutschland entstehen jedes Jahr Tausende Doktorarbeiten. Viele dienen dem ernsten wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, andere sollen vor allem die Karriere des Verfassers befördern. Die Arbeiten unterliegen strengen Regeln. Wer soll diese Regeln künftig noch befolgen, wie sollen diese Regeln durchgesetzt werden, wenn im Fall der obersten Bildungspolitikerin beide Augen zugedrückt würden? Eben: niemand.

Schavan wusste das. Angela Merkel wusste das. Sie mussten die Notbremse ziehen.

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Annette Schavan: Das Aus für Merkels Vertraute

Merkel und Schavan haben rational gehandelt, wie es eben ihre Art ist. Ein Durchhalten war politisch erkennbar nicht möglich: Die Opposition hätte das Thema als Wahlkampfmunition genutzt, die Wissenschaft hätte sich über die Causa Schavan heillos zerstritten. Das konnte die Kanzlerin nicht gebrauchen. Und das wollte sich wohl auch Schavan nicht antun.

Merkel hätte die Sache auch innerparteilich nicht durchgehalten. Die letzten Fans des gestrauchelten Stars Karl-Theodor Guttenberg wollten Rache. Es war Schavan, die einst Guttenbergs akademische Verfehlungen mit deutlichen Worten kritisierte und damit seinen Abgang beschleunigte. Nun musste Merkel den Zorn dieser Fans fürchten. Auch deshalb gab sie nach.

Das Netz kann gnadenlos sein

Der Fall Schavan hat aber noch eine weitere Dimension: Die Ministerin wurde letztlich durch den anonymen Schwarm im Netz zu Fall gebracht. Ein einzelner Plagiatsjäger zeigte sich dabei besonders eifrig, ließ nicht locker und zwang so die Universität Düsseldorf zum Handeln. Würde es das Netz nicht geben, Schavan wäre wohl immer noch munter im Amt. Es ist eine Laune der Geschichte, Politiker-Pech, dass sie nun auf diese Weise von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

Das Netz kann gnadenlos sein. Es verändert die Politik, es übernimmt die Deutungshoheit, entscheidet über Wohl und Wehe von Ministern. Es löst Debatten aus und bringt Affären ins Rollen. Das mögen all jene bedauern, die bislang die Deutungshoheit über Politik innehatten. Das kann erschreckende Ausmaße annehmen. Das ermahnt jeden einzelnen von uns zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen im Netz.

Aber eins ist auch klar: Diese Entwicklung ist unumkehrbar.

Forum

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insgesamt 551 Beiträge
1. Schadenfreude
bazzu 09.02.2013
Als gerade fertiggewordener Student freue ich mich von Herzen über diesen Rücktritt. eine erfreuliche Demütigung für eine der Politiker, die die beschämenden und idiotischen Realitäten an heutigen öffentlichen [...]
Als gerade fertiggewordener Student freue ich mich von Herzen über diesen Rücktritt. eine erfreuliche Demütigung für eine der Politiker, die die beschämenden und idiotischen Realitäten an heutigen öffentlichen Universitäten und die extreme soziale Selektion an diesen zum Teil mitzuverantworten hat. Herrlich.
2.
Rido 09.02.2013
Ich finde es kommt immer ein wenig auf die persönliche Schmerzgrenze an. Klar kann man auch in einem politischen Amt bleiben, nach so einer doch eher harmlosen Geschichte. Wenn ich daran denke was andere angestellt haben ist [...]
Ich finde es kommt immer ein wenig auf die persönliche Schmerzgrenze an. Klar kann man auch in einem politischen Amt bleiben, nach so einer doch eher harmlosen Geschichte. Wenn ich daran denke was andere angestellt haben ist das doch hier schon was anderes. Aber auf der anderen Seite hat sie als Bildungsministerin eine Vorbildfunktion. Wer als Minister für Bildung bei einer Doktorarbeit betrügt sollte schon zurücktreten. Hmm. Na gut in Bayern hat Otto Wiesheut besoffen einen Menschen tot gefahren und wurde danach Verkehrsminister. Ein anderer hat Schwarzgeld angenommen und schwarze Kassen verwaltet und wurde Finanzminister. Herr Schäuble. Da ist das mit der Doktorarbeit doch ein eher kleines Vergehen. Aber immerhin macht die Kanzlerin Nägel mit Köpfen und beendet diese Geschichte damit. Schöner würde ich einen wenig aufgeregten Umgang mit dem Thema begrüßen. War der Rücktritt zwingend nötig? Nicht unbedingt. War er besser für das Amt und das Ansehen des Amtes? Ja, mit Sicherheit.
3. Ich kriegs kotzen...
alexunmacht 09.02.2013
...wenn ich sowas höre. Sie machte saubere politische Arbeit, was würde nun die aberkennung daran ändern? Würde sie plötzlich schlechter arbeiten? Andere suchen doch nur bei anderen Fehler um von ihren eigenen ab zu [...]
...wenn ich sowas höre. Sie machte saubere politische Arbeit, was würde nun die aberkennung daran ändern? Würde sie plötzlich schlechter arbeiten? Andere suchen doch nur bei anderen Fehler um von ihren eigenen ab zu lenken... Schöne grüße an alle Partein ;)
4. Uneitel?
fatherted98 09.02.2013
...wei kommt er Nelles darauf? Egal...die Lobhudellei kann ich nicht verstehen. Schavan hat fuer das Bildungssystem in Deutschland rein gar nichts getan. Ihr einziges Interesse war die Foerderung von Bildungseliten...die Breite [...]
...wei kommt er Nelles darauf? Egal...die Lobhudellei kann ich nicht verstehen. Schavan hat fuer das Bildungssystem in Deutschland rein gar nichts getan. Ihr einziges Interesse war die Foerderung von Bildungseliten...die Breite Masse war ihr egal...und auch die Elitenfoerderprogramme sind weitgehend gescheitert...man fragt sich was diese Frau eigentlich den ganzen Tag ueber gemacht hat in den letzten 10 Jahren..? Die Lobrede von Merkel...sie haben in LEHRE und Bildung viel geleistet...was denn...in der beruflichen Lehre hat sich in den letzten 10 Jahren rein gar nix veraendert...jedenfalls nix was von Frau Shavan ausgegangen waere. Die neue ist nicht besser...aber man soll ja nicht vorschnell urteilen. Meiner Meinung nach ist das Ministerium komplett ueberfluessig und gehoert dem Familienministerium zugeschlagen...ebenso wie das Wirtschaftsministerium total ueberfluessig ist und dem Finanzministerium zuzuschlagen waere und das Entwicklungsministerium dem Aussenministerium...3 Minister eingespart, ganz geschweige von den vielen Staatssekretaeren und anderen Sesselpupsern die sich auf unsere Kosten einen lockeren Lenz machen....und tschuess Shavan....das was ich wirklich bedauere ist dass sie jetzt einen Haufen Kohle von uns bekommt fuer noch mehr nix tun....
5. stimmt
tart 09.02.2013
frauen hängen nicht so sehr an ihren posten wie männer.....gut so! ein positives beispiel! wer fehler macht in hohen ämtern muss konsequenzen ziehen. wobei auch ich finde das gerade sie einen guten job gemacht hat.
frauen hängen nicht so sehr an ihren posten wie männer.....gut so! ein positives beispiel! wer fehler macht in hohen ämtern muss konsequenzen ziehen. wobei auch ich finde das gerade sie einen guten job gemacht hat.

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