Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Lebensmittelskandal

Niebel will Pferdefleisch an Arme verteilen

Erst forderte ein CDU-Abgeordneter, aussortierte Lasagne mit Pferdefleisch an Bedürftige zu verteilen - jetzt unterstützt Entwicklungsminister Dirk Niebel den Vorschlag. "Wir können gute Nahrungsmittel nicht einfach wegwerfen", sagt der FDP-Politiker.

DPA

Bundesminister Niebel: "Es gibt leider Menschen, bei denen es finanziell eng ist"

Samstag, 23.02.2013   11:59 Uhr

Berlin - Soll die zurückgezogene Lasagne mit Pferdefleisch an Arme verteilt werden? Ja, sagt Entwicklungsminister Dirk Niebel. "Über 800 Millionen Menschen weltweit hungern. Und auch in Deutschland gibt es leider Menschen, bei denen es finanziell eng ist, selbst für Lebensmittel", sagte der FDP-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Ich finde, da können wir hier in Deutschland nicht gute Nahrungsmittel einfach wegwerfen."

Damit spricht sich erstmals ein prominenter Politiker für den Vorschlag aus. Zuvor hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer angeregt, aus den Läden genommene Produkte wie Lasagne mit undeklarierten Pferdefleischanteilen nicht voreilig zu vernichten.

Er schlug vor, die Produkte, die nicht gesundheitsgefährdend seien, korrekt zu deklarieren und Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen. In der "Bild"-Zeitung ließ er sich nun beim Essen einer Lasagne zeigen, bei deren Marke in Stichproben Pferdefleisch gefunden worden war. "Ich kann keinen Unterschied zu anderer Lasagne feststellen", sagte er dem Blatt. Der Vorschlag löste Empörung aus, Hilfsorganisationen lehnen den Vorstoß als "respektlos gegenüber Bedürftigen" ab.

"Menschen zweiter Klasse"

Die Evangelische Kirche (EKD) warnte allerdings vor der voreiligen Vernichtung der Pferde-Lasagne. Prälat Bernhard Felmberg sagte: "Lebensmittel zu vernichten, die ohne Risiko genießbar wären, ist ähnlich schlimm wie Etikettenschwindel."

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bezeichnete den Vorschlag des CDU-Abgeordneten dagegen als menschenverachtend und unwürdig. "Das ist eine Beleidigung für Menschen mit wenig Einkommen. Ich erwarte, dass er sich dafür entschuldigt", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Die Produkte, die schadstoffhaltiges Fleisch enthalten können, müssen entsorgt werden."

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast erklärte: "Hinter der absurden Idee von Fischer steht, dass es beim Essen Menschen zweiter Klasse gibt. Wir wollen aber gute Qualität für alle."

Bis Freitagabend wurde in Deutschland in 67 Fällen Pferdefleisch in falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen, berichtet die "Bild am Sonntag". Sie beruft sich auf Angaben des Verbraucherschutzministeriums. Ein Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte dem Blatt, bisher seien von den Kontrollbehörden der Länder insgesamt 830 Analysen auf Pferde-DNA gemacht worden.

An der Spitze bei den positiven Labortests steht demnach Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder sind Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).

Die Tests der Länderbehörden dauerten weiter an. Ministeriumssprecher Holger Eichele sagte, dass bisher bei keiner Analyse das für Menschen gesundheitsschädliche Pferdemedikament Phenylbutazon nachgewiesen worden sei.

heb/AFP

insgesamt 701 Beiträge
meineidbauer 23.02.2013
1.
Das ist eine hervorragende Idee. Gegen Pferdegfleisch ist nichts, aber auch gar nichts einzuwenden, solange es nicht mit Medikamenten belastet bzw. frei von anderen Schadstoffen ist. Man darf jedoch gespannt sein, wieviele [...]
Zitat von sysopDPAErst forderte ein CDU-Abgeordneter, aussortierte Lasagne mit Pferdefleisch an Bedürftige zu verteilen - jetzt unterstützt Entwicklungsminister Dirk Niebel den Vorschlag. "Wir können gute Nahrungsmittel nicht einfach wegwerfen", sagt der FDP-Politiker. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-minister-niebel-will-pferdefleisch-an-arme-verteilen-a-885131.html
Das ist eine hervorragende Idee. Gegen Pferdegfleisch ist nichts, aber auch gar nichts einzuwenden, solange es nicht mit Medikamenten belastet bzw. frei von anderen Schadstoffen ist. Man darf jedoch gespannt sein, wieviele Leute aus Fahrzeugen der Oberklasse aussteigen werden, um sich an den Vorräten in schamloser Weise zu bedienen.
outsider-realist 23.02.2013
2.
Sind Arme Menschen 2.Klasse? Warum nicht in den Kantinen des Bundestages anbieten? Da spart man auch einiges.....
Zitat von sysopDPAErst forderte ein CDU-Abgeordneter, aussortierte Lasagne mit Pferdefleisch an Bedürftige zu verteilen - jetzt unterstützt Entwicklungsminister Dirk Niebel den Vorschlag. "Wir können gute Nahrungsmittel nicht einfach wegwerfen", sagt der FDP-Politiker. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-minister-niebel-will-pferdefleisch-an-arme-verteilen-a-885131.html
Sind Arme Menschen 2.Klasse? Warum nicht in den Kantinen des Bundestages anbieten? Da spart man auch einiges.....
maipiu 23.02.2013
3. Menschen zweiter Klasse
Der Vorschlag Niebels und anderer zeigt, wie diese Leute* ticken: arme Menschen sind selbst schuld an ihrer Armut und müssen sich darum mit dem bescheiden, was ihnen besser Gestellte als Almosen spenden. Dafür sollen sie [...]
Der Vorschlag Niebels und anderer zeigt, wie diese Leute* ticken: arme Menschen sind selbst schuld an ihrer Armut und müssen sich darum mit dem bescheiden, was ihnen besser Gestellte als Almosen spenden. Dafür sollen sie womöglich auch noch dankbar sein. Nein, Herr Niebel, das ist würdelos! Allerdings muss man das Zeug nicht wegwerfen, falls es nicht mit Medikamenten etc. belastet ist, sondern man könnte es an all diejenigen verkaufen, die das wollen. Selbstverständlich korrekt deklariert und zu einem günstigen Preis. Allerdings soll in dieser Lasagne lediglich 9% Fleisch überhaupt drin sein. *man könnte sie auch anders nennen
_axel_ 23.02.2013
4. Warum nicht an ALLE verteilen?
ich sehe es genauso, dass man lebensmittel nicht wegwerfen sollte, wenn sie unbedenklich sind. dass sich aber bedürftige als menschen zweiter klasse sehen, wenn sie das zeug nun angeboten bekommen, dürfte ein blinder mit [...]
ich sehe es genauso, dass man lebensmittel nicht wegwerfen sollte, wenn sie unbedenklich sind. dass sich aber bedürftige als menschen zweiter klasse sehen, wenn sie das zeug nun angeboten bekommen, dürfte ein blinder mit krückstock voraussehen. wo ist das problem, das zeug einfach an ALLE zu verteilen, die es haben wollen würden? ins regal legen, "zum mitnehmen" dranschreiben, fertig. aber das ist wahrscheinlich zu einfach für deutschland...
senfreicher 23.02.2013
5. gute idee, niebelchen
aber zu spät:gute lebensmittel landen hierzulande schon seit jahren in der tonne. von daher: immer auf dem teppich bleiben....
aber zu spät:gute lebensmittel landen hierzulande schon seit jahren in der tonne. von daher: immer auf dem teppich bleiben....

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Das Pferdekarussell

Fotostrecke

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP