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Politik

Abschiebung nach Afghanistan

Flugzeug mit abgelehnten Asylbewerbern gelandet

Deutschland hat 19 weitere Afghanen abgeschoben: Sie landeten am Mittwochmorgen in Kabul. Bei dem Start ihrer Maschine in Düsseldorf hatte es Proteste gegeben.

DPA

Demonstranten am Flughafen in Düsseldorf

Mittwoch, 24.01.2018   05:00 Uhr

Ein Abschiebeflug mit abgelehnten afghanischen Asylbewerbern aus Deutschland an Bord ist am Mittwoch in Kabul gelandet. Die Maschine, die am Dienstagabend in Düsseldorf gestartet war, sei um kurz nach 7 Uhr morgens (Ortszeit) angekommen, sagte der Vertreter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) am Flughafen, Schah Saman. Es seien 19 Menschen an Bord gewesen.

Die Bayerische Landesregierung hatte in einer Mitteilung vom Dienstagabend ebenfalls von 19 Passagieren gesprochen. Aus Bayern waren demnach acht Menschen abgeschoben worden, darunter drei Straftäter.

Es ist die neunte Sammelabschiebung seit Dezember 2016. Mit den ersten acht Flügen hatten Bund und Länder nach offiziellen Angaben 155 Männer nach Afghanistan zurückfliegen lassen.

Mehrere Hundert Menschen hatten am Dienstagabend am Flughafen in Düsseldorf gegen die Abschiebung demonstriert. Sie sei wegen der prekären Sicherheitslage in Afghanistan völkerrechtswidrig, sagte Oliver Ongaro von der Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative "Stay".

In der afghanischen Hauptstadt Kabul gab es 2017 mindestens 20 schwere Anschläge mit mehr als 500 Toten. In der Nacht zum Sonntag war das Hotel Intercontinental angegriffen worden. Dabei wurden mindestens 22 Menschen getötet, darunter nach Angaben der Bundesregierung auch eine Deutsche.

"Schlichtweg schauderhaft"

Die Flüchtlingsorganisation "Pro Asyl" warf der Bundesregierung vor dem jüngsten Abschiebeflug "Ignoranz" vor. Es gebe "jede Woche Dutzende von Toten in Afghanistan" - und doch werde weiter abgeschoben.

"Die Ignoranz der Bundesregierung gegenüber der dramatischen Sicherheitslage in Afghanistan ist schlichtweg schauderhaft", sagte auch die Grünen-Politikerin Claudia Roth. "Es braucht schon eine gehörige Portion an Dreistigkeit, um von sicheren Gebieten zu sprechen, wenn die Taliban selbst in der Hauptstadt schalten und walten, wie es ihnen passt."

aar/dpa/AFP

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