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Politik

Suizid in Kabul

Abgeschobener Afghane litt an psychischen Problemen

Selbstmord nach der Abschiebung: Ein in der vergangenen Woche rückgeführter Asylbewerber war nach SPIEGEL-Informationen zuvor in ärztlicher Behandlung. Auf ehemalige Mitbewohner wirkte er depressiv.

REUTERS

Kabul

Freitag, 13.07.2018   14:02 Uhr

Der abgelehnte Asylbewerber Jamal Naser Mahmodi, der nach seiner Abschiebung aus München in Kabul Selbstmord begangen hat, litt offenbar bereits in Deutschland an psychischen Problemen. Ehemalige Mitbewohner des Afghanen sagten dem SPIEGEL, Mahmodi habe depressiv und verwirrt gewirkt. Im Frühjahr 2018 befand er sich wegen psychischer Probleme in Behandlung.

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Unter solchen Umständen sehen Behörden in der Regel von Rückführungen ab.

Die Hamburger Ausländerbehörde hingegen bekräftigt, Mahmodi sei vor der Abschiebung auf Flugtauglichkeit untersucht worden. Anzeichen für eine Suizidgefahr habe es dabei nicht gegeben.

Mahmodi war in Deutschland wegen diverser Vergehen mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Bereits 2014 wurde er wegen Schwarzfahrens und Diebstahls zu Sozialstunden verurteilt. Im Jahrestakt kamen weitere Vergehen hinzu - bis er am Silvesterabend 2017 einen Mann in einem Hostel ausgeraubt haben soll.

Bevor das Verfahren vor Gericht ging, wurde Mahmodi abgeschoben. Der Fall erlangte große Öffentlichkeit, weil Mahmodi zu jenen 69 abgeschobenen Afghanen gehörte, die Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer in Verbindung setzte mit seinem 69. Geburtstag am 4. Juli. Das war der Tag der Rückführung. (Lesen Sie hier die Geschichte auf SPIEGEL+).

Entgegen ihren Beteuerungen kümmerte sich die Bundesregierung so gut wie nicht um die Rückkehrer nach deren Ankunft in Kabul. Die Afghanen wurden stattdessen in einer Übergangsunterkunft der Internationalen Organisation für Migration überwiegend sich selbst überlassen.

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